WBO-Champ: „Ich bin bereit für Lewis“
Kleiner Klitschko gnadenlos

Am Ende winselte der "Gnadenlose" um Erbarmen. "Merciless", wie Ex-Boxweltmeister Ray Mercer in den USA genannt wird, erlebte in Atlantic City gegen Schwergewichts-Champion Waldimir Klitschko einen Albtraum.

dpa ATLANDITC CITY. Niemals zuvor in seinen 35 Profi- Kämpfen hatte der Amerikaner einen K.o. hinnehmen müssen. Im WM-Kampf gegen Klitschko war es dann soweit: Ringrichter Randy Newman aus den USA brach vor 4000 Zuschauern im Casino Taj Mahal das ungleiche Duell in der sechsten Runde (technischer K.o.) ab, als Mercer wehrlos in den Seilen hing und unter dem Schlagwirbel des WBO-Weltmeisters zusammenzubrechen drohte. "Mir ist nichts gelungen", bekannte der schwer gezeichnete Amerikaner und gestand: "Klitschko ist ein großer Champion."

Der 41 Jahre alte Mercer war dem 15 Jahre jüngeren Klitschko in keiner Phase des Kampfes gewachsen und wurde von der linken Führhand des Weltmeister systematisch zermürbt. Schon in der ersten Runde beförderte der in Hamburg lebende Ukrainer den Amerikaner mit einem linken Haken in den Ringstaub. "Davon habe ich mich nicht mehr erholt", meinte Mercer, der reihenweise schwerste Treffer einsteckte und zweifellos über den Zenit seines Leistungsvermögens hinaus ist. "Ich bin zwar 41, aber ich bin noch nicht fertig. Ich habe noch einiges vor", meinte der Olympiasieger von Seoul 1988 trotzig.

Wesentlich mehr vor hat allerdings der "kleine" Klitschko. "Ich denke, ich kann mein Talent in Kämpfen gegen Lennox Lewis, Evander Holyfield oder Mike Tyson am besten beweisen", erklärte der Zwei-Meter-Recke und forderte anschließend: "Lewis ist die Nummer eins in der Welt. Deshalb will ich ihn zuerst. Ich bin bereit." Das schienen auch Zuschauer und Experten in Atlantic City so zu sehen. Das im amerikanischen Fernsehen (HBO) live ausgestrahlte Duell hat dem promovierten Sportwissenschaftler Wladimir Klitschko große Reputation in den USA eingebracht. Klitschko sei neben Doppelweltmeister Lewis (IBF, WBC) der beste Schwergewichtler der Welt, lautete das Urteil der Experten.

Für Mercer, der 1996 gegen Lewis eine umstrittene Punktniederlage hinnehmen musste, steht fest: "Klitschko hat eine große Chance, Lewis zu schlagen." Der WBO-Champion, der seinen Titel zum vierten Mal erfolgreich verteidigte und den 39. Sieg (36. K.o.) im 40. Kampf feierte, fand aber auch Grund zum Ärger. "Ich hatte noch nie so ein Gesicht wie heute", befand er und deutete auf ein Veilchen unter seinem geschwollenen linken Auge.

In der dritten und vierten Runde hatte Mercer den 15 Zentimeter größeren Ukrainer getroffen. "Aber damit konnte er mich nicht beeindrucken", versicherte Klitschko. Sein Trainer Fritz Sdunek war rundum zufrieden: "Der Sieg hat Wladi großen Respekt in den USA eingebracht. Jetzt ist er wirklich reif für Lewis."

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