Wearables: Kleidsame Mini-Rechner
Wearables: Freie Hände

Am Körper getragene Rechner befreien Handwerker von Papierkram. Große Unternehmen sind begeistert von der neuen Technologie und testen die kleidsamen Rechner bereits.
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WiWo/HANNOVER. Aufmerksam beobachtet Christian Bürgy, Doktorand an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, einen Bosch-Automechaniker bei der Inspektion eines Lkws. Der Mann trägt einen Miniaturcomputer am Gürtel, eine futuristische Datenbrille vor den Augen und spricht in ein Mikrofon vor dem Mund. Mit den Worten "Bremsleitung undicht" gibt er einen Schaden in eine Datenbank ein, auf dem Display der Brille springt der Cursor zum nächsten Inspektionspunkt. Dabei hat der Mechaniker die Hände zum Montieren frei. Bürgy ist zufrieden. Er hat den "Wearable" des Handwerkers, einen am Körper getragenen Computer entwickelt.

Die Einsatzmöglichkeiten solcher Rechner sind vielfältig. Sie können Außendiensthandwerker mit Datenbanken in ihren Firmenzentralen verbinden und Lagerarbeiter durch einen Wald von Regalen leiten. Doch die Verbreitung dieser Technologie steht noch am Anfang. Im Jahre 2000 wurden in den USA erst 2100 Geräte für 11,5 Millionen Dollar verkauft. Doch für 2004 erwartet das Marktforschungsunternehmen IDC allein in den USA einen Absatz von 450000 Geräten im Wert von 719 Millionen Dollar.

Die Industrie testet die kleidsamen Rechner bereits. Das Luftfrachtunternehmen Federal Express setzt sie bei der Wartung seiner Flugzeuge ein. Die Mechaniker tragen den Zwerg-PC am Gürtel, betrachten Bedienungsanleitungen und Videosequenzen auf einem Minidisplay, suchen nach bestimmten Informationen, ordern Ersatzteile und fachsimpeln mit Kollegen in aller Welt.

Der Nahrungsmittellieferant PDI, eine Tochtergesellschaft von einer der größten US-Supermarktketten, Hy-Vee, wickelt mit Wearables Bestellungen ab. Die Lagerarbeiter können auf die so genannten Entnahmezettel verzichten, die ihnen früher anzeigten, welche Ware aufzunehmen hatten. Laut PDI wurden damit Fehler um mehr als 88 Prozent reduziert und die Produktivität in den Lagern um 15 bis 20 Prozent gesteigert.

In Verteilungszentren ebenfalls bewährt hat sich das tragbare Scanningsystem von Symbol Technologies. Dabei wird ein Scanner wie ein Ring am Finger und ein Minicomputer am Handgelenk getragen. Zum Scannen von Strichcodes zeigt der Arbeiter mit dem Finger auf den Gegenstand und drückt mit dem Daumen auf einen Auslöser. In Deutschland setzen bereits Transportdienstleister TNT, Knapp Logistik und UPS die Symbolsysteme ein.

Bekannte Namen finden sich nicht nur auf der Anwenderseite: Den MA V (Mobile Assistant V) der amerikanischen Firma Xybernaut stellt der IT-Riese IBM her und sichert sich so den Zugang zu der Zukunftstechnologie, ohne - falls sie doch floppt - seinem Markennamen zu schaden.

IBM schielt auf den Massenmarkt. Dabei ist der Körpercomputer von einem Weltererfolg wie dem des Mobiltelefons noch weit entfernt. Das Display vor dem Auge lehnen viele potenzielle Nutzer wegen seines allzu technoiden Aussehens ab. Bildschirm und Kopfhörer lenken den Träger von der Umgebung ab - Kritik, die auf Fachkonferenzen immer wieder laut wird. Dennoch will Xybernaut bis April gemeinsam mit Hitachi in den USA ein Gerät für Privatleute vermarkten.

Der Besitzer des 1499 Dollar teuren "Poma" kann dann unterwegs arbeiten, spielen und im Web surfen. Aber dass der Markt dafür reif ist, bezweifelt der Accenture-Technologie-Analyst Steven Skinner: "Wir sind noch zwei bis vier Jahre einer kritischen Masse entfernt."

Allenfalls langfristig erwarten Marktforscher den Poma und seinesgleichen den Durchbruch, dann aber auf breiter Front. Die Modeindustrie zumindest bereitet sich schon darauf vor. Kultstatus unter Techies genießt bereits die Scott eVest. In 15 Taschen bietet diese Weste Platz für den persönlichen Elektronikpark.

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