Web 2.0 als Hobby
Ein Netz fürs Leben

Weblogs, Podcasts oder Wikipedia als Hobby - wer damit seine Freizeit vor dem Computer verbringt, der muss sich häufig regelrecht dafür rechtfertigen. "Unsoziale Zeitverschwendung", giften Kritiker. Doch sie übersehen oft, dass die Aktivitäten im Netz Ausgangspunkt sind für reale Freundschaften und Kontakte, die Karrieren verändern können.

FRANKFURT. Die wenigsten Menschen würden Kurt Biedenkopf "Zeitverschwendung" vorwerfen, wenn der ehemalige sächsische Landesvater seinem Hobby nachgeht. Vielleicht, weil er dies daheim tut, unbeobachtet von der Öffentlichkeit. Biedenkopf, das ist bekannt, ist begeisterter Modelleisenbahnfahrenlasser.

Nina Gerlach hat auch ein Hobby. "Meine Eltern waren ein wenig skeptisch, ob es gut ist, dass ich so viel Zeit in ein Internetprojekt investiere", erzählt die 31-jährige Biologin. Ihren Lebensunterhalt verdient die Frankfurterin im Labor des Paul-Ehrlich-Instituts. In der Freizeit bastelt sie am vielleicht spannendsten Projekt des Internets: dem Online-Lexikon Wikipedia.

Kurt Biedenkopf und Nina Gerlach - zwei Generationen und zwei Welten, die demonstrieren, wie sich das Leben durch das Internet geändert hat - und wie Freizeit zur Arbeit und Arbeit zur Freizeit wird.

Hobby. Das klingt nach weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit, nach Turnhalle, Keller, Vereinsheim. Allein guten Freunden wird gelegentlich Einlass gewährt zu Eisenbahnlandschaften, Briefmarkenalben, Kegelturnieren oder Töpferdrehscheiben. Doch heute ist Hobby anders. Öffentlich. Wer im Internet seine Freizeit verbringt, dort mehr tut als nur lesen und spielen, dessen Werk kann besichtigt werden. Der Macher lädt ein zu Kommentaren und Diskussionen - als Weblog-Schreiber, Wikipedia-Produzent, Filmemacher, Kommentierer oder Podcaster.

Eine digitale Spaltung tut sich auf: Während der eine Teil der Menschheit Arbeit am Computer als psychisch wie physisch anstrengend wahrnimmt, wächst die Zahl derjenigen, denen Bildschirmblicke nicht die Kraft aussaugen, die mit dem Laptop drahtlos und entspannt von der Wohnzimmer-Couch aus surfen. Bei Nina Gerlach begann es mit einem Freund, der von dieser Lexikonseite namens Wikipedia erzählte, an der jeder mitschreiben kann. Einfach so. Erst macht sie nur kleine Korrekturen. "Nach drei, vier Monaten hatte ich Feuer gefangen", berichtet die Biologin. Es folgten kurze Artikel über die Stauseen nahe Clausthal-Zellerfeld, dem Studienort ihres Freundes.

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