Web 2.0-Firmen
Die Euphorie weicht der Ernüchterung

Neue Werbemöglichkeiten und kostengünstig produzierte Inhalte - das Mitmachnetz bescherte seinen Betreibern bisher schnellen wirtschaftlichen Erfolg. Doch das ist Vergangenheit, sagt eine Studie von Sanford C. Bernstein. Die Experten glauben, dass insbesondere das Werbegeschäft im Netz abflauen wird.

DÜSSELDORF. Die bislang verhaltenen wirtschaftlichen Erfolge der sogenannten Web-2.0-Firmen haben die Diskussion um das Geschäftsmodell des Mitmach-Webs neu entfacht. Zwar rechnen Analysten nicht damit, dass die Internet-Branche einen vergleichbaren Einbruch wie im Jahr 2001 erleben wird. Dafür seien die Geschäftsmodelle vieler Firmen inzwischen zu robust, schreiben die Experten von Sanford C. Bernstein in einer Studie. Sie erwarten allerdings, dass die imposanten Wachstumsraten der Werbung und des Handels im Netz spürbar sinken werden.

Web 2.0 – mit diesem Begriff sind viele Ideen und große Erwartungen verbunden. Populär gemacht hat das Schlagwort der Verleger Tim O’Reilly. Gemeint sind Internetseiten, auf denen die Nutzer Inhalte bereitstellen und die maßgeblich vom Austausch untereinander leben. Charakteristisch für diese Angebote ist die Tatsache, dass sie um so attraktiver werden, je mehr Nutzer sich beteiligen. Soziale Netzwerke sind eine wichtige Gattung des Web 2.0, aber auch Technologien, die eine Zusammenarbeit erleichtern – etwa von Nutzern gefütterte Datenbanken wie Wikipedia oder Blogs –, gehören dazu.

Gerade wegen ihrer in der Regel hohen Nutzerzahl und den klar erkennbaren Interessen gelten Web-2.0-Angebote in der Theorie als attraktive Plattform für Werbung. Die Realität zeigt indes, dass es nicht so einfach ist, Werbung zu platzieren. Die Nutzer lehnen Anzeigen auf den von ihnen erstellten Seiten ab, die Besucher nutzen die Annoncen – sofern vorhanden – kaum.

Das müssen auch immer mehr Internet-Manager erkennen. „Die Web-2.0-Architektur ist nicht für Umsatz ausgelegt. Dort ist das Geld nicht“, sagte Google-Chef Eric Schmidt unlängst in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Noch vor zwei Jahren hatte er 900 Mill. Dollar für das Recht bezahlt, Werbung in der Kontaktbörse Myspace zu vermarkten. Kurze Zeit später übernahm Google für 1,6 Mrd. Dollar das Video-Portal Youtube. Jetzt ist die Ernüchterung groß: „Myspace bringt uns nicht so viel Geld, wie wir gedacht haben“, klagt Schmidt. Solche Aussagen markieren einen Wendepunkt. Es ist das erste Mal, dass der Chef des größten Web-Konzerns öffentlich Zweifel an der lange gehegten Hoffnung bekundet hat, das Mitmach-Internet und die sozialen Netzwerke seien die Goldesel der Zukunft.

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