Web-basiertes Management im Kommen
Old und New Economy: Zwei Welten lernen von einander

Auf der Hannover-Messe zeigen viele Aussteller, wie die Welt der Informations- und Kommunikationstechnologie und die klassische Wertschöpfung zusammengeführt werden.

dpa HANNOVER. "Wenn Roland Bent aus der Geschäftsleitung von Phönix Contact die Wörter "Old und New" hört, verzieht er das Gesicht. "Ich hasse diese Begriffe inzwischen." Kein Wunder, denn in dem Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Blomberg mit 1,2 Milliarden DM Jahresumsatz und 7 000 Mitarbeitern gibt es diese Trennung nicht. Wir führen die Welt der Informations- und Kommunikationstechnologie und die klassische Wertschöpfung zusammen." Phönix Contact nutzt die herkömmliche Oberfläche für die Steuerung von hochkomplizierten Industrie-Robotern. Tritt ein Fehler auf, bekommt der Service-Mitarbeiter eine SMS-Kurznachricht aufs Handy. Old und New - in der Automation lernen die zwei Welten von einander.

Die beiden Bereiche Informationstechnologie (IT) und klassische Elektrotechnik hätten sich in den vergangenen Jahren nebeneinander her entwickelt, meint Bent. Ein Grund sei vor allem die extrem unterschiedliche Dynamik der beiden Sparten. Während in der IT- Branche die Innovationszyklen immer kürzer würden, lebe die Elektrotechnik und der Anlagenbau von sehr langfristigen Entscheidungen.

Old Economy muss unverkrampften Umgang mit Kommunikationstechnik noch lernen

Auch Gotthard Graß, Geschäftsführer beim Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) meint, dass die "Old Economy den lockeren und unverkrampften Umgang mit den Möglichkeiten der weltweiten Kommunikationstechnik lernen muss".

In den Büros der Unternehmen sind Internet und Netzwerke längst eingezogen, ebenso wie E-Mail-Systeme und kleine elektronische Notizbücher, die weltweite Kommunikation ermöglichen. Für so manchen Unternehmer ist es kein Problem mehr, von Jordanien aus die Geschäfte seiner Werkzeugfabrik in Wuppertal zu steuern. In der Fertigungshalle aber gibt es - wenn überhaupt - nur wenige Mitarbeiter, die die hochkomplizierte Betriebssoftware der Maschinen beherrschen.

Weil jetzt aber die Elektrotechnik von der IT-Branche lernt, wird die Steuerung und die Überwachung der Produktion künftig einfacher und schneller. Das "Web-basierte Management" ordnet jeder einzelnen Steuerungseinheit in der Fabrik eine eigene Seite im Internet zu. Über den Internet-Explorer ist dann eine Fehler-Diagnose von überall auf der Welt möglich. "Und den beherrscht ja inzwischen jedes Kind", meint Bent.

Er sieht noch einen anderen Vorteil. "Der Produktionsprozess wird sehr viel transparenter, weil die Informationen, die die Maschinen über ihre Arbeit liefern, genauer sind und im Büro besser und schneller zu verarbeiten sind. So wird es möglich, die Synergien der IT auch in der Automatisierung zu nutzen."

Auch die Automatisierungsbranche kämpft mit dem Fachkräftemangel

Allerdings steht die Automatisierungsbranche nach Bents Meinung vor einem anderen Problem: Fachkräftemangel. "Jeder will mit Computern arbeiten, aber das Internet ist lange nicht so stark in der Wertschöpfung." Während Internet-Firmen "total angesagt" seien, gelte die Elektrotechnik als verstaubt und wenig attraktiv für den Nachwuchs. Deshalb rührt Phönix Contact an Schulen und Hochschulen kräftig die Werbetrommel und will die Zahl der Auszubildenden auf 100 erhöhen. Bei einer Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium in Niedersachsen soll Lehrern gezeigt werden, wie "spannend unsere Branche sein kann", meint Bent.

Allerdings müsse sich nicht nur die Old Economy bewegen. ZVEI - Geschäftsführer Graß: "Auch die New Economy kann etwas lernen - beispielsweise die Investitionsrechnung. Was nützt es denn, wenn ich eine gute Idee habe, aber nach zwei Jahren kein Geld damit verdienen kann." Wie eng die beiden Wirtschaftszweige auch zusammenarbeiten werden - Graß bringt es auf den Punkt: "Am Schluss wird es doch auch bei einem im Internet gekauften Kühlschrank die Frage sein, ob die Milch kühl genug ist."

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