Web-Techniken werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen
Mittelständische Unternehmen entdecken die Automatisierung

Die Fabrik der Zukunft muss intelligent sein. Sie muss in der Lage sein, sich kurzfristig und selbstständig im hochdynamischen Markt- und Produktionsumfeld zu positionieren", erklärt Markus Bergholz vom Laboratorium für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre (WZL) der RWTH Aachen.

DÜSSELDORF. Neue Herausforderungen an Fabriken resultieren dabei häufig aus innovativen, technologiegetriebenen Produktkonzepten, wie beispielsweise die immer wichtiger werdende Verzahnung von Mechanik und Elektronik (Mechatronik). In diesem Sinne ist der deutsche Mittelstand doppelt gefordert - einerseits ist er selbst im besonderen Maße Innovationsträger und Technologietreiber der Wirtschaft, zum anderen muss er in dieser Rolle neue Konzepte sehr schnell erkennen und umsetzen.

Für den Erfolg der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) gibt es eine ganze Reihe von Gründen: "Sie sind näher am Produktionsprozess, näher an den eigenen Mitarbeitern, näher an den Kunden", erklärt Helmut Schulte, Vorstandsmitglied der Siepe AG, die u.a. auch als Unternehmensberater bei Fabrikplanungen agiert. Im Zuge der Globalisierung erwartet der Markt aber auch kundennahe, global verteilte Produktionsstandorte - eine zusätzliche Herausforderung für den Mittelstand. Die lokale Präsenz hilft ohne Zweifel bei der Markterschließung, bei den Ausgaben schlagen häufig niedrigere Arbeitskosten zu Buche. Auf der Gegenseite haben inzwischen viele Unternehmen mehr oder weniger schmerzvoll erfahren müssen, dass gerade komplexe Fertigungen nicht ohne entsprechendes Umfeld z.B. hinsichtlich Fachpersonal und Forschungseinrichtungen in jeder beliebigen Ecke der Erde machbar sind.

"Eine Möglichkeit der KMU liegt darin, Netzwerke untereinander und auch mit großen Konzernen zu bilden. Das bringt Skaleneffekte und bietet zudem die Chance, die Globalisierung zu meistern", erklärt Arnold Zankl, im Siemens-Bereich Automation and Drives (A&D, Nürnberg/Erlangen) Fachabteilungsleiter für Technik und Fertigung. Als großer Anbieter von Automatisierungstechnik arbeitet Siemens daran, immer umfassendere und zugleich spezifischere Lösungen auf Basis von horizontaler und vertikaler IT-Integration anbieten zu können.

"Die Durchgängigkeit von Kommunikation und Datenhaltung auch über mehrere Standorte hinweg ist die Herausforderung von heute. In der Sicherung, Verknüpfung und Verdichtung von Daten für eine effizientere Anlagen- bzw. Unternehmenssteuerung liegt derzeit das größte Potenzial für zusätzlichen Nutzen - das gilt auch für den Mittelstand", betont Helmut Gierse, Vorstandsvorsitzender von Siemens A&D.

In der automatisierten Fabrikwelt gehen die Trends zur Miniaturisierung, zur erhöhten Funktionsdichte, zu kleinen und kleinsten Losgrößen sowie zur Null-Fehler-Qualität. "Die eigentlichen Produktionsprozesse bei KMU und Großunternehmen unterscheiden sich gar nicht so sehr, aber die Mittelständler sind besser und schneller in der Kombination neuer Methoden und Techniken, hier erreichen sie ihre höhere Flexibilität", urteilt Fachmann Schulte.

Insgesamt hält die überdurchschnittlich starke Wachstumsdynamik bei Unternehmen der industriellen Bildverarbeitung, Robotik sowie Montage- und Handhabungstechnik an. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI, Karlsruhe) belegt, dass die Automatisierung nach Maß immer mehr an Gewicht gewinnt - "Sackgasse Hochautomatisierung" lautet denn auch das Fazit der Karlsruher.

Damit ist auch das Feindbild Mensch-Maschine offenbar vom Tisch: "Im Markt zeichnet sich bereits deutlich die Umstellung auf das neue Konzept ab, das die Automatisierungstechnik nicht mehr als Konkurrent, sondern als Werkzeug sieht", betont Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des Fachverbands Robotik + Automation beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt. Hier dürfte eine Chance für den Mittelstand liegen, der zwar einerseits hochautomatisierte Bestückungsautomaten, Schweißroboter und NC-Maschinen einsetzt, andererseits aber den Menschen als "Flexibilisierungsinstrument" nutzt.

"Durch die Einbindung der Mitarbeiter schon in die Planung wird eine Identifikation mit den Ergebnissen erzielt und somit eine Basis für deren erfolgreiche Umsetzung geschaffen", argumentiert Experte Brodtmann.

Wichtige Impulse für die industrielle Kommunikation wird auch das Ethernet setzen, der wichtigste Standard für Local Area Networks (LAN). Experten prognostizieren, dass Ethernet von der Leitebene weiter in die Feldebene vordringt und z.B. bei intelligenten Feldgeräten zum Einsatz kommt. Das heißt aber nicht, dass auf Feldbussysteme verzichtet werden könnte. "Zudem setzt sich die Dezentralisierung der Automatisierungsfunktionen kontinuierlich fort und führt zu einer weiteren Verlagerung und Verteilung der Intelligenz in Sensoren und Aktoren", so Gierse. Daraus ergibt sich, dass am Markt künftig nur Lösungen eine Chance haben, die sowohl die Vorteile des Ethernets nutzen als auch Feldbussysteme problemlos integrieren.

Bei der Nutzung des Internets in der Datenverarbeitung und der Fertigung hat der Mittelstand noch Nachholbedarf. "Hier gibt es aber viele Ansätze, die nur teilweise automatisiert und damit auch für KMU sehr gut geeignet sind", erklärt Siemens-Experte Arnold Zankl. Im Einsatz von preiswerten Hardware-Standardbausteinen liegt ein wesentliches Kostensenkungspotenzial, dem sich auch KMU nicht entziehen können. Allerdings müssen sich Kommunikationsmittel wie das Ethernet erst einmal in der Fabrikumgebung bewähren, wo die Bedingungen deutlich anspruchsvoller sind als im Büro. Dennoch: "Webtechniken werden sich in der Produktion fest etablieren", versichert Patrick Schwarzkopf, Projektleiter des Forums Fabrikautomation im VDMA.

Quelle: Handelsblatt

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