Weber steuerte die Airline durch viele Turbulenzen
Lufthansa-Chef will vorzeitig in Aufsichtsrat

Der langjährige Vorstandschef der Deutschen Lufthansa, Jürgen Weber, will nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen bereits im kommenden Sommer in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechseln und dort den Vorsitz übernehmen.

Reuters FRANKFURT. Weber wolle sich von der Hauptversammlung im Juni 2003 in das Kontrollgremium wählen lassen und damit nicht erst auf das Auslaufen seiner Amtszeit Ende nächsten Jahres warten, erfuhr Reuters am Mittwoch aus den Kreisen.

Lufthansa-Sprecher Klaus Walther sagte zu den Reuters-Informationen: "Es wird keine vorzeitige Veränderung im Aufsichtsrat geben. Ob Herr Weber in den Aufsichtsrat einziehen möchte, oder nicht, steht noch nicht fest. Alles andere ist wilde Spekulation."

Der derzeitig im Lufthansa-Vorstand für den Passagierverkehr zuständige Wolfgang Mayrhuber werde Weber wie geplant auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden folgen, hieß es in den Kreisen weiter. Der Aufsichtsrat der Lufthansa solle über den Wechsel an der Spitze des Konzerns in der kommenden Woche beraten.

In den Kreisen wurde der Wechsel Webers in den Aufsichtsrat als "einleuchtend" bezeichnet. Zum einen trete er nach erfolgreicher Bewältigung der Krise von 2001/2002 ab und übergebe das Unternehmen in einer sehr starken Position. Zum anderen brauche sich der noch amtierende Aufsichtsratschef Klaus Schlede, dessen Amtszeit mit der Hauptversammlung auslaufe, erst gar nicht mehr zur Wiederwahl stellen.

Weber gilt als einer der erfolgreichsten Manager Deutschlands. Der 61-Jährige sanierte die vor rund zehn Jahren schwer angeschlagene Fluggesellschaft und trimmte die Linie nach ihrer endgültigen Privatisierung 1997 zu einem profitablen und international führenden Luftfahrtkonzern.

Auch steuerte der als eiserner Sparer bekannte Weber die Lufthansa sicher durch die jüngste Luftfahrtkrise nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Anders als manche Konkurrenten konnte die Lufthansa im vergangenen Geschäftsjahr tiefrote Zahlen verhindern und bereits für die ersten neun Monate dieses Jahres wieder einen satten Gewinn ausweisen.

Seit 1967 arbeitet Weber für die Lufthansa, deren Vorstandsvorsitz er vor mehr als elf Jahren übernahm. Kenner des Unternehmens gehen davon aus, dass er seine Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender aktiv wahrnehmen und die Geschicke des Konzerns weiter mitlenken wird. Mit seinem Diplom für Luftfahrttechnik gilt Weber als absoluter Kenner der Materie.

Weber hatte im Frühjahr angekündigt, den Chefposten an seinen Stellvertreter Mayrhuber abgeben zu wollen. Erst Anfang vergangenen Jahres war der gebürtige Österreicher in den Konzern-Vorstand aufgerückt. 1970 war Mayrhuber zur Lufthansa gekommen, wo er zunächst im technischen Bereich in Hamburg tätig war, wo auch Weber seine Karriere bei Lufthansa startete.

Mit Mayrhuber setzt die Lufthansa nach eigener Darstellung auf Kontinuität. Der Aufsichtsrat hatte die Bestellung des Passage-Chefs zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden im Frühjahr bereits als klares Signal zur Fortführung des bisherigen Kurses der Fluggesellschaft gewertet. Auch Mayrhuber selbst hatte angekündigt, den eingeschlagenen Weg fortsetzen und die Lufthansa "im Spitzenfeld" weiter entwickeln zu wollen.

Über die Nachfolge Mayrhubers im Lufthansa-Vorstand wurde zunächst nichts Näheres bekannt. Firmenkenner geben dem Bereichsvorstand Netzmanagement und Marketing, Ralf Teckentrup, gute Chancen, in das Spitzengremium vorzurücken, wenn Mayrhuber den Vorsitz übernimmt.

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