Webservice aus dem Hause Microsoft
Die ".Net"-Revolution kommt nicht über Nacht

Wie so viele Revolutionen in der IT wird auch Microsofts .Net einige Zeit brauchen, bis es sich auf breiter Basis durchgesetzt hat. Das heißt aber nicht, dass Sie so lange warten müssen, bis Sie von .Net-Technologien profitieren können.

Grundlage der .Net-Vision sind so genannte Web-Services. Ein Web-Service ist eine Applikation, die über das Internet läuft und auf unabhängige Industriestandards wie XML und SOAP setzt. Ein Web-Service liefert im einfachsten Fall digitalen Content, beispielsweise Börsenkurse. Er kann aber auch eine komplexe Geschäftsanwendung darstellen.

Ein Beispiel: Ein Versicherungsunternehmen kann mit Hilfe einer .Net-Anwendung seinem Vertrieb jederzeit alle zu einem Kunden gehörenden Vorgänge, Verträge und Daten bereitstellen. Die Versicherungsmakler könnten diese Informationen beim Kunden via Internet abrufen - die Zusammenstellung der Daten und die Aufbereitung für das jeweilige Endgerät (zum Beispiel Notebook, Personal Digital Assistant oder WAP-fähiges Mobiltelefon) übernimmt die auf dem Firmenserver laufende Software. Über die Online-Verbindung kann der Mitarbeiter nicht nur Daten abrufen, sondern auch Transaktionen ausführen, beispielsweise Versicherungsbeiträge errechnen lassen oder neue Verträge abschließen.

Das Versicherungsunternehmen wird die Anwendung von vornherein so offen auslegen, dass auch externe Vertriebspartner und Callcenter Zugang dazu erhalten. Dabei lässt sich auch die in der Zusammenarbeit mit Partnern häufig strittige Frage der Dateneigentümerschaft und Geheimhaltung zwischen Zentrale und Partnern lösen. Dazu bietet der Web-Service die Möglichkeit, für gemeinsam vereinbarte Zwecke auf genau spezifizierte Kundendaten zuzugreifen, ohne dass diese übergeben oder auch nur kopiert werden müssen.

Interessant ist .Net auch aus strategischer Sicht: Alle entwickelten Services stehen als Bausteine für zukünftige Anwendungen zur Verfügung, so dass in kürzester Zeit neue Anwendungen integriert oder - beispielsweise für die Versicherung von Bedeutung - weitere Kooperationspartner zugeschaltet werden können. Mittelfristig werden Web-Services entstehen, die andere Web-Services aufrufen, so dass sich ein Netzwerk aus Abläufen, Prozessen und Wissen bildet.

Zukunftsmusik

Erste Web-Services werden für dieses Jahr erwartet. Sie werden zunächst innerhalb der Firmen-Firewalls arbeiten und dann auf breiterer Ebene im nächsten Jahr auch außerhalb der Firewalls, also im offenen Internet verfügbar sein. Allerdings werden diese Web-Services zuerst auf bestehende Partnernetze beschränkt bleiben, also zwischen Firmen ablaufen, die bereits heute miteinander Geschäfte machen. Eine Infrastruktur, die den sicheren Geschäftsverkehr auch zwischen Unternehmen und Personen möglich macht, zwischen denen noch kein Vertrauensverhältnis besteht, wird ab 2003 aufgebaut, aber wohl nicht vor 2004 auf breiter Basis verfügbar sein - so Ashish Kumar, Chief Technology Officer bei Avanade Inc. Avanade ist ein im April 2000 gegründetes Joint-Venture zwischen Microsoft und Accenture, das bereits für sich und für seine Kunden Anwendungen auf Basis von .Net realisiert.

Vertikale, also brancheninterne Standards, die auf der Grundlage von XML den Datenaustausch innerhalb der jeweiligen Branche regeln, beispielsweise im Finanzsektor oder in der Automobilindustrie, werden Ashish Kumar zufolge für einzelne Märkte noch in diesem Jahr kommen, ab 2003 für die meisten übrigen Märkte. Diese Standards sind zusammen mit der sicheren Infrastruktur Voraussetzung dafür, dass sich Beschaffungsvorgänge über die gesamte Wertschöpfungskette automatisieren lassen.

Mit der Weiterentwicklung der für .Net-Anwendungen erforderlichen Werkzeuge wird auch die Verbreitung von Web-Services ansteigen. Allerdings erwartet man erst für 2004 eine wirklich umfassende Akzeptanz von Web-Services. Pilotanwendungen sind aber heute schon online, zum Beispiel bei Barclays, Boeing, British Telecom und Intel.

Fazit

Auch wenn .Net und die Web-Services erst am Anfang stehen, sind die Vorteile bereits jetzt klar zu sehen: Ein Netz aus verbundenen Prozessen und Anwendungen vermeidet auf lange Sicht Redundanzen, erhöht die Transparenz, erlaubt die Optimierung der Prozesse und wird - nicht zuletzt - völlig neue Geschäftsanwendungen möglich machen. Fast Mover, die frühzeitig Erfahrungen mit Web-Services sammeln, können sich damit nachhaltige Vorteile verschaffen.

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