Wechsel des Vorstandssprechers
Ackermann löst Breuer an der Spitze der Deutschen Bank ab

Breuers Vertrag als Vorstandssprecher läuft im Jahr 2002 aus - er soll den Aufsichtsratsvorsitz von Hilmar Kopper übernehmen.

Reuters FRANKFURT. Josef Ackermann wird im Mai 2002 Rolf Breuer an der Spitze der Deutschen Bank ablösen. Der Vorstand der Deutschen Bank habe Ackermann mit Wirkung ab der Hauptversammlung 2002 zu seinem Sprecher gewählt, teilte das Geldinstitut am Donnerstag überraschend mit. Wie aus Bankenkreisen verlautete, soll Breuer ab diesem Zeitpunkt den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank von Hilmar Kopper übernehmen. Breuers Vertrag als Vorstandssprecher läuft im Jahr 2002 aus. In den Kreisen hieß es am Donnerstag weiter, mit der frühen Ankündigung solle die Spekulation über Breuers Nachfolge beendet werden. Zugleich beweise die Wahl des derzeit im Vorstand für das Investment-Banking zuständigen Ackermann Kontinuität in der Personalpolitik der Deutschen Bank.

Integrativer Führungsstil



Der gebürtige Schweizer Ackermann gehört dem Vorstand der Deutschen Bank seit 1996 an. Zuletzt war der 52-jährige für den Investmentbank-Bereich der Bank zuständig. Im vergangenen Jahr trug der Investmentbanking-Bereich mehr als 60 % zum Gewinn der Deutschen Bank bei. Unter Ackermanns Ägide wurde unter anderem das US Bankers Trust-Investmenthaus in die Deutsche Bank integriert. Der für seinen integrativen Führungsstil bekannte Banker gilt als enger Vertrauter von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper und war bereits seit längerem als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Breuers gehandelt worden.

Breuer wechselt im Mai 2001



Am Sonntag hatte die Deutsche Bank einen Pressebericht dementiert, nach dem Breuer bereits vor Ablauf seines Vertrages als Vorstandssprecher in den Aufsichtsrat wechseln werde. Die "Welt am Sonntag" hatte einen Vorstandssprecher mit den Worten zitiert, ein geeigneter Zeitpunkt sei die Hauptversammlung der Bank im Mai 2001. "Spekulationen über ein vorzeitiges Aufgeben dieser Position entbehren jeglicher Grundlage", hatte ein Sprecher der Bank dazu gesagt.

Der 62-jährige Breuer, der seit Mai 1997 an der Spitze der Deutschen Bank steht, und das Haus zum Anschluss an die Weltspitze im Bankgewerbe führte, war zuletzt wegen des gescheiterten Zusammenschlusses von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) zur gemeinsamen Großbörse "iX" in die Kritik geraten. Breuer ist Aufsichtsratschef der Deutschen Börse und war vehement für einen Zusammenschluss der beiden Häuser eingetreten. Ein feindliches Übernahmeangebot der schwedischen OM-Gruppen hatte die LSE jedoch bewogen, den Zusammenschluss zu stoppen.

Spekulationen über einen Rückzug Breuers gab es jedoch bereits seit dem Scheitern der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank im Frühjahr. Das Zusammengehen der beiden Häuser war damals daran gescheitert, dass keine Einigung über den Verkauf der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson erzielt werden konnte. Nachdem Breuer zu Beginn der Verhandlungen die Investmenttochter der Dresdner Bank als Juwel bezeichnet hatte, das nicht verkauft werden solle, hatte die Deutsche Bank später auf einem Verkauf bestanden. Nach dem Scheitern der Gespräche hatten sich hartnäckig Gerüchte gehalten, dass sich Ackermann dagegen gesperrt habe, Dresdner Kleinwort Benson zu integrieren.

Aktie reagiert mit Kursverlust



Anders als Breuer hatte der damalige Chef der Dresdner Bank, Bernhard Walter, seinen Platz umgehend nach dem Scheitern des Zusammenschlusses geräumt. Breuer hatte dagegen mehrfach betont, seine Position als Vorstandssprecher sei nicht bedroht. Er übernehme zwar die Verantwortung für das Scheitern der Fusion von Dresdner und Deutscher Bank, sein Rücktritt sei aber keine Lösung. "Meine Position ist absolut sicher", sagte er damals in einem Fernsehinterview. Die Aktie der Deutschen Bank fiel am Donnerstag um teilweise mehr als 1,60 %, konnte einen Teil der Kursverluste später aber wieder ausgleichen. Gegen 14.30 Uhr MESZ lag der Kurs bei 94,74 Euro (minus 0,46 %).

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