Wechsel in der Chef-Etage
Gruner + Jahr-Chef zieht persönliche Bilanz

Der Vorstandsvorsitzende des Verlages, Gerd Schulte-Hillen, präsentiert am Donnerstag nach 19 Jahren zum letzten Mal die Bilanzzahlen.

dpa HAMBURG. Gezielt greift Gerd Schulte-Hillen zu den Zeitschriften, die der Hamburger Verlag Gruner + Jahr zu Beginn seiner Amtszeit als Vorstandschef vor 19 Jahren im Ausland verlegte. Aus der guten Hand voll sind mehrere Stapel geworden, die sich auf einem Tisch im Chefzimmer türmen.

"1981 hatten wir 22 Zeitschriften in Deutschland und drei weiteren Ländern. Seitdem hat sich Gruner + Jahr weiterentwickelt", resümiert Schulte-Hillen. Der Vorstandsvorsitzende der Gruner + Jahr AG & Co (G+J) präsentiert am Donnerstag zum letzten Mal die Bilanzzahlen, bevor er zum 1. November an die Aufsichtsratsspitze des Verlages und des Mutterkonzerns Bertelsmann wechselt. Sein Nachfolger wird Zeitungsvorstand Bernd Kundrun.

"Natürlich freue ich mich, dass ich das Haus in einem Zustand an die Nachfolger übergebe, der ihnen alle Chancen eröffnet. Die können heute ein ganz anderes Rad drehen als wir damals", sagt der Verleger. Er erinnert an seine ersten Investitionsentscheidungen: "Wenn bei einer Zeitschrift ein Verlust von 20 Mill. DM auflief, dann bekamen selbst die Gesellschafter Falten auf die Stirn."

Nach dem Studium des Maschinenbaus und der Betriebswirtschaft begann der Sauerländer 1969 als Assistent der Geschäftsleitung bei der Bertelsmann-Tochter Mohndruck. Vier Jahre später leitete er die G+J-Druckerei in Itzehoe, acht Jahre später den Hamburger Verlag. Nach dem Aufstieg machte Schulte-Hillen 1983 eine bittere Erfahrung: Das Aushängeschild "stern" veröffentlichte die gefälschten Hitler- Tagebücher.

Schulte-Hillen nennt eine "lebendige Diskussionskultur" mit Chefredakteuren, Mitarbeitern und Vorstandsmitgliedern als Voraussetzung für interessante Blätter. In seiner Zeit stieg die Zahl der Verlagstitel auf rund 100. "Stern", "Geo", "P.M.", "Brigitte", "Eltern", "Schöner Wohnen", "essen & trinken", "TV Today", "Gala", "Capital", "Börse Online", "FTD", "Berliner Zeitung" und andere bringen Auflage und Anzeigen.

Reichlich Umsatz erzeugt auch das Auslandsgeschäft, das dem englisch, französisch und spanisch sprechenden Vorstandschef "am Herzen" liegt. Aus elf Ländern im Ausland tragen rund 50 Zeitschriften und ein paar Zeitungen mehr als die Hälfte zu den Erlösen von 5,4 Mrd. DM (1998/99) bei.

Auf dem deutschen Markt sorgte der Verlag im Februar mit der ersten bundesweiten Zeitungseinführung seit Gründung der "taz" (1979) für Aufsehen. Dass die Branche die Auflage der Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" von gut 57 000 Exemplaren anzweifelt, nimmt Schulte-Hillen gelassen: "Die Zeitung hat sich sehr gut in diesen Markt hineingefunden und wird ihren Weg gehen." Im Zeitungs- wie im Zeitschriftengeschäft müsse man langfristig denken, sagt der Konzernstratege.

Im Zuge der Wiedervereinigung hat der Verlag in den Ausbau des Zeitungsgeschäfts investiert. Titel wie die "Berliner Zeitung", die "Sächsische Zeitung" und die "Dresdner Morgenpost" haben sich etabliert. Andere Engagements wie bei der "Leipziger Morgenpost" oder in Norddeutschland bei der "Hamburger Morgenpost" sowie mehreren Sonntagszeitungen waren nicht von Dauer.

Hinzugekommen ist auch bei G+J das Internetgeschäft bis hin zu kommerziellen Angebote zum Einkaufen, Reisen und Autohandel. "Wir sind in Bereiche hineingegangen, deren Angebote mit unseren Blättern konkurrieren. Das gilt beispielsweise für die Rubrikenanzeigen in den Zeitungen, daher der Automarkt" (faircar.de), berichtet der Betriebswirt, der selbst oft im Internet stöbert: "Mindestens zwei Stunden am Tag verbringe ich an der Tastatur und im Netz."

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