Wechsel zum Halbeinkünfteverfahren
Steuerreform bringt Aktionären Sondererträge

Vor allem die Dividenden-Papiere der "Old Economy" dürften im kommenden Jahr den Aktionären besondere Freude machen, wenn gewinnstarke Unternehmen über die Dividende hinaus ihre Teilhaber mit einem Bonus aus hochversteuerten Gewinnrücklagen erfreuen.

Reuters BERLIN. Seit 1999 sind einbehaltene Gewinne mit einer Körperschaftssteuer von 40 Prozent und ausgeschüttete Gewinne mit einer Steuer von 30 Prozent belegt. Mit der Steuerreform 2001 sinken die Sätze auf einheitlich 25 Prozent.

Wenn im kommenden Jahr Rücklagen aufgelöst und an die Aktionäre ausgeschüttet werden, können diese noch das so genannte Anrechnungsverfahren bei der Einkommensteuererklärung für sich gewinnbringend nutzen.



Wechsel zum Halbeinkünfteverfahren

Der Wechsel zum so genannten Halbeinkünfteverfahren betrifft Aktionäre bei der Ausschüttung erst im Jahr 2002, wenn die mit einer Körperschaftssteuer von 25 Prozent belastete Dividenden für das Geschäftsjahr 2001 ausgezahlt werden. Mit der Systemumstellung auf dieses Verfahren werden Dividenden, die mit einem Körperschaftssteuersatz von 25 Prozent belegt sind, künftig nur zu Hälfte dem Einkommen des Steuerpflichtigen angerechnet. Zugleich fällt aber die Steuergutschrift weg. Die halbe Dividende wird unter Berücksichtigung der unveränderten (in der Wirkung aber dann höheren) Freigrenzen der persönlichen Einkommensteuer unterworfen.



Verschiedene Unternehmen planen schon die Sonderausschüttungen

Beispielhaft steht hier der Chemie-Konzern BASF der seinen Aktionären bereits eine Sonderausschüttung aus dem so genannten EK45 (Eigenkapital, das vor 1999 noch mit einer Körperschaftssteuer von 45 Prozent belastet wurde) über 0,70 Euro zugesagt hat. Bei rund 600 Millionen BASF-Aktien macht dies immerhin eine Sonderzahlung von etwa 420 Millionen Euro aus. "Wir wollen, dass unsere anrechnungsberechtigten Aktionäre die vom Unternehmen gezahlte 45 prozentige Körperschaftssteuer vollständig gutgeschrieben wird", hatte BASF-Finanzchef Max Dietrich Kley erklärt.

Auch der Pharma-Konzern Altana will seine Aktionäre in Erwartung eines Rekordergebnisses in diesem Jahr mit einer deutlichen Anhebung der Dividende (Vorjahr 1,25 Euro) und einem Bonus über 0,50 Euro je Stückaktie erfreuen. Zudem ist die Ausgabe von Gratisaktien geplant. Den Firmenangaben zufolge will auch Altana beim Bonus auf bestehendes EK45 zurückgreifen.

Und auch Schering greift noch einmal in die Rücklagen und löst weiteres EK45 auf. Nach dem Aktiensplit von eins zu drei werden die Aktionäre eine Sonderausschüttung von 0,33 (für 1999 vor Split 1,00) Euro erhalten. Hinzu kommt die normale Dividende, über die Aktionäre am 26. April 2001 befinden werden. 1999 hatte sie zum Bonus eine Dividende von 1,50 Euro bekommen.

Nach dem noch geltenden Recht erhält der Aktionär neben der Bardividende eine Steuergutschrift über die gezahlten Abgaben, die im Rahmen der Steuererklärung dann unter Berücksichtigung der Freigrenzen für Kapitalerträge (3 000 DM Ledige, 6 000 DM Verheiratete) mit dem persönlichen Steuersatz verrechnet werden.



Anpassung des Geschäftsjahres

Bei Unternehmen mit einem gebrochenen Geschäftsjahr, wie etwa die Siemens AG, deren Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 30. September) gerade beendet worden ist, greift das Halbeinkünfteverfahren erst ein Jahr später, das heißt für die Dividende für das Geschäftsjahr 2001/2002 kann noch das Anrechnungsverfahren genutzt werden.

Siemens hat bereits eine Dividendenerhöhung für 1999/2000 auf 1,40 (1,00) Euro angekündigt. Zudem ist dank außerordentlicher Erträge ein Sonderbonus von einem Euro je Aktie vorgesehen. Dabei bekommen die inländischen Aktionäre eine Steuergutschrift (entsprechend 30 Prozent Körperschaftsteuer) von 0,60 Euro auf die Dividende und 0,43 Euro für den Bonus. Zudem sollen die Aktionäre eine Gratisaktie für je zwei gehaltenen Siemens-Aktien erhalten, die aus Mitteln der Gesellschaft finanziert werden. Umstellen will Siemens das gebrochene Geschäftsjahr derzeit wegen der geplanten Umstellung der Rechnungslegung auf US-GAAP nicht.

Von den 30 Dax-Werten hat bereits mit Blick auf die Steuerreform die MAN AG ihr Geschäftsjahr umgestellt und zwischen 30. Juni und 31. Dezember 2000 ein Rumpfgeschäftsjahr eingelegt. So kommt der Konzern 2001 voll in den Genuss der Körperschaftssteuersenkung.

Auch der Energiekonzern RWE will die Steuervorteile nutzen und stellt die Rechnungslegung der AG ab 2001 auf das Kalenderjahr um. Ab 2002 soll dann der Konzern folgen. Bislang lief das Geschäftsjahr zum 30. Juni.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%