Wechselspiel von Licht und Schatten
Matthias Platzeck: Der "Deichgraf" von der Oder

Mit der Übernahme des Ministerpräsidentenamtes von seinem Ziehvater Manfred Stolpe steht der Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck vor seiner bisher größten Herausforderung.

dpa BERLIN. In dieser Woche wird der brandenburgische Landtag den frisch wiedergewählten SPD-Landeschef aller Wahrscheinlichkeit nach zu Stolpes Nachfolger küren. 1997 hatte sich der 48-Jährige als brandenburgischer Umweltminister im Kampf gegen das Oder-Hochwasser bundesweit einen Namen gemacht - der "Deichgraf".

Schon vor der Deutschen Einheit war der diplomierte Ingenieur politisch aktiv. 1988 gründete Platzeck mit Gleichgesinnten die Potsdamer Bürgerinitiative Argus, eine Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung. In der Wendezeit engagierte er sich bei der Grünen Liga, saß mit am Zentralen Runden Tisch und sammelte einige Monate lang unter Hans Modrow Erfahrungen als Minister ohne Geschäftsbereich in der DDR-Übergangsregierung.

Im ersten Brandenburger Kabinett von Manfred Stolpe übernahm Platzeck als Vertreter von Bündnis 90 das Umweltressort. Auch nach dem Bruch der Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 und seinem Parteiaustritt blieb er - zunächst als Parteiloser - für insgesamt acht Jahre Umweltminister. 1995 trat Platzeck in die SPD ein.

Seinem Ruf als Retter in letzter Not wurde Platzeck 1998 erneut gerecht, als er zu Gunsten der SPD das Amt des Umweltministers aufgab und sich zum Oberbürgermeister von Potsdam wählen ließ. So konnte er nach einer Korruptionsaffäre in der Landeshauptstadt eine Machtübernahme durch die PDS abwenden. In der politischen Arbeit Platzecks sehen Beobachter jedoch ein deutliches Wechselspiel von Licht und Schatten.

Spätestens mit seiner erfolgreichen Wahl zum SPD-Landeschef im Juli 2000 empfahl sich der gebürtige Potsdamer aber für weiter gehende Aufgaben. Seit 1999 gehört Platzeck dem SPD-Bundesvorstand an. Aus Zeitgründen gab er seinen Vorsitz im "Rat für nachhaltige Entwicklung" der Vereinten Nationen Ende 2001 ab. Der geschiedene Vater hat drei Kinder.

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