Weder große Sprünge, noch tiefe Stürze beim Dax erwartet
Verhaltener Optimismus unter den Charttechnikern

Analysten richten ihre Blicke eher nach oben und sehen das Abwärtspotenzial beim DAX höchstens bis rund 7 000 Punkten.

vwd FRANKFURT. Weder große Sprünge, noch tiefe Stürze erwarten technische Analysten beim Dax in den kommenden Wochen. Dabei richten Holger Frey von der Landesbank Baden-Württemberg, Ludwig Gutman von der Bayerischen Landesbank sowie Christian Plenz von Seydler eher ihre Blicke nach oben und sehen das Abwärtspotenzial höchstens bis rund 7 000 Punkten. Lediglich Klaus Tafferner, Concord Effekten, prognostiziert einen Rutsch unter die 7 000er Marke und sieht den Dax Anfang August mit 6 400 Punkten einen neuen Tiefstand markieren. Allerdings rechnet Tafferner damit, dass dem Dax ab kommenden Montag noch einmal zwei freundliche Wochen bevorstehen. "Da wird sich der Dax den Widerstand bei 7 500 Punkten von unten angucken", so Tafferner. Eine Unterstützung macht er bei 7 000 Punkten aus, die seiner Meinung nach jedoch im Juli fallen wird.

Das kurzfristige Vorpreschen des Dax leitet Tafferner daraus ab, dass der Dax bis zum Ende der Woche wahrscheinlich in den überverkauften Bereich hineinläuft und von daher Erholungspotenzial generiert. Darüber hinaus bleibt er vor allem pessimistisch, weil der Erholungsansatz mit sehr geringen Umsätzen einherging, während in der Abwärtsbewegung viel Geld aus dem Markt gezogen wurde. Sollte der Dax wider seinen Erwartungen auf Schlusskursbasis den Widerstand bei 7 533 Punkten überwinden, so habe er Potenzial bis auf 7 850 Punkte. Danach dürfte er aber wieder die Route nach Süden einschlagen, so dass der Markt die schwächsten Kurse dann allerdings erst Ende September sehen werde.

Ähnlich wie am deutschen Markt geht Tafferner auch beim Dow-Jones von einer kurzfristigen Aufwärtsbewegung bis auf 11.100/11.200 Punkte aus. "Aber der Dow sieht hochgradig gefährdet aus und könnte deutliches Terrain verlieren", sagt Tafferner und nennt als Zielmarke die 8 350 Punkte. Die Federal Reserve Bank versuche zwar ein Softlanding, aber der Aktienmarkt vergesse derzeit, dass durch die Konjunkturabschwächung auch die Unternehmensgewinne nach unten revidiert werden müssten. Entsprechend seiner bearishen Stimmung rät Tafferner auch Anlegern, das "Pulver" trocken zu halten und eher an Gewinnmitnahmen zu denken als an den Aufbau neuer Positionen.

Nach Meinung von Ludwig Gutmann gilt es abzuwarten, ob es sich bei der jüngsten Korrektur lediglich um eine Konsolidierung im Aufwärtstrend handelt, oder ob sich größeres Ungemach zusammenbraut. Seiner Meinung nach arbeitet der Dax derzeit an einer Flagge. Sollte dem Dax bei 7 300 Punkten der Ausbruch gelingen, was er für das wahrscheinlichere Szenario hält, dann könne Entwarnung gegeben werden. Rutscht das Börsenbarometer dagegen auf Schlusskursbasis unter die 7 200 Punkten, dann ist der Aufwärtstrend seit Mai verletzt und Anleger sollten sich auf weiter fallende Kurse einstellen.

Für eher unwahrscheinlich hält Holger Frey von der Landesbank Baden-Württemberg, dass der Dax die Unterstützung bei 7 100 Punkten durchbricht, die ihn ein gutes Stück tiefer führen würde. Er rechnet damit, dass die Supportzonen um 7 145 und 7 110 Punkte getestet und verteidigt werden können. Danach sollte eine neue Aufwärtsbewegung in Richtung 7 500 Zähler beginnen. Frey leitet seinen Optimismus vor allem aus den positiven Indikatoren ab. Nach Ansicht von Chrstian Plenz von Seydler braucht der Dax noch rund zwei Wochen, um die Bodenbildung abzuschließen. Er sieht die Tradingsrange für den Dax-Future zwischen 7 050 und 7 450 Punkten. Dabei sollte die untere Begrenzung nicht unterschritten werden, denn diese würde neue Gefahren bedeuten.

Immerhin sei der mittelfristige Abwärtstrend seit März weiterhin intakt, und kurzfristig müsse der Dax-Future zunächst die 7 300 Punkte hinter sich lassen, damit er sich neues Potenzial bis auf 7 500 Zähler erschließen könne. Laut Plenz könnte die Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve Bank Ende Juni den Startschuss für eine Aufwärtsbewegung geben. Er rechnet nicht mit einem Zinsschritt, und positive Kommentare der Notenbanker könnten dem Markt die Unsicherheit nehmen. Negative Einflüsse sieht Plenz vom Rentenmarkt herüberschwappen. Der Ausbruchversuch des Bund-Future über den wichtigen Widerstand bei 106,30 % sei gescheitert und habe damit die Hoffnung auf Notierungen bis 108 % zunichte gemacht.

Der Neue Markt habe zwar den mittelfristigen Abwärtstrend überwunden, aber dieser Durchbruch sei ohne Dynamik erfolgt. Daher sieht der technische Analyst von Seydler den Nemax-50 in der Seitwärtsrange zwischen 6 400 und 6 700 Punkten pendeln. Erst ein Ausbruch in die eine oder andere Richtung eröffne neue Handlungsmöglichkeiten. Bei den Einzelwerten hebt Plenz die Aktie von BMW heraus. Sollte die Aktie den Kurs von 35 Euro überwinden, liefere sie ein Kaufsignal mit einem Ziel von 40 Euro. Allerdings seien BMW bereits mehrmals an der 35er-Hürde gescheitert. Eine bessere Entwicklung als der Gesamtmarkt traut der Charttechniker noch den Finanzwerten zu. Daneben seien interessante Aktien derzeit schwierig auszumachen.

Bei der Bayerische Landesbank zählt derzeit Henkel zu den Favoriten. Nach dem Ausbruch aus dem langfristigen Abwärtstrend müsse nun die Nackenlinie einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter herausgenommen werden. Sollten Henkel den Widerstand bei 65/66 Euro erfolgreich angreifen, eröffnet sich Gutmann zufolge Platz bis auf 80 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%