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WEF-Gegner: Davos ist privates Königreich der Wirtschaft

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos maßt sich nach Meinung der Gegner eine Rolle in der Welt an, die ihm nicht zusteht.

dpa DAVOS. "Das WEF ist die Vereinigung der größten Wirtschaftsunternehmen der Welt. Es ist nicht seine Aufgabe, den Plan für die globale Zukunft zu schaffen", sagt Jolanda Piniel, Organisatorin der Gegenkonferenz "Public Eye on Davos" in einem dpa- Gespräch.

Die Ethnologin hält es für bedenklich, dass das WEF auf einer eigentlich privaten Veranstaltung - es handelt sich um das Jahrestreffen der WEF-Mitglieder - aushandelt, welches die globalen Themen der Zukunft sind. Deshalb hat die kritische entwicklungspolitische Organisation "Erklärung von Bern" zusammen mit acht anderen Gruppen auch aus Thailand und Südamerika die Gegenkonferenz in Davos organisiert. Von den Chaoten, die aus Protest gegen das WEF zu einer verbotenen Kundgebung und Gewalt aufgerufen haben, distanziert sich "Public Eye".

Dass im offiziellen WEF-Programm auch Informationsveranstaltungen zur Klimaerwärmung oder Armut im Süden stehen, hält Piniel für reine Kosmetik. "Das WEF ist gut in Rhetorik, aber hier geht es nur um Business." Die Verlierer der Entscheidungen - etwa Menschen, die durch Staudamm- oder Bergbauprojekte ihre Heimat verlieren - würden nicht eingeladen. "Davos ist das private Königreich der Wirtschaft - das ist bedenklich", sagt Piniel.

"Wir sind nicht gegen die Globalisierung als solche, sondern gegen die einseitige wirtschaftliche Globalisierung", sagt Piniel. "Es müssten etwa auch die Sozial- und Umweltstandards globalisiert werden. "Wir fordern ein Stopp der Handelsliberalisierungen, bis die Auswirkungen des bereits beschlossenen Freihandels umfassend analysiert sind, und eine demokratischere und transparentere Entscheidungsfindung bei den Themen, die die Welt bewegen." Eine solche Aufgabe stehe etwa den Vereinten Nationen zu, nicht aber dem WEF, dass zunehmend unter Legitimationsdruck gerate. Piniel kritisierte die wiederholte Teilnahme von UN-Generalsekretär Kofi Annan am WEF.

An dem Gegenkongress spricht unter anderem der anglikanische Bischof von Kapstadt, Njongonkulu Ndungane. Bei den Seminaren, die 100 Meter vom Kongresszentrum entfernt in der holländischen Asthma-Klinik stattfinden, geht es um Prinzipien der guten Regierungsführung, den Einfluss transnationaler Konzerne, die internationalen Finanzverflechtungen und die Auswirkungen von Freihandelszonen.

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