Weg frei für Generika
Glaxo-Niederlage im Patentstreit nützt Novartis

Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat den Patentschutz für das Antibiotikum Augmentin verloren. Ein US-Richter erklärte am Donnerstag die Patente für ungültig und ebnete damit den Weg für die Lancierung von günstigen Nachahmerpräparaten, den Generika. Einer der Hauptnutzniesser dieses Urteils, gegen das allerdings Berufung zu erwarten ist, ist der Schweizer Pharmakonzern Novartis.

Reuters LOS ANGELES. Die Novartis-Tochterfirma Geneva hat ein Generika-Produkt für Augmentin praktisch marktreif. Offen ist jedoch noch, wann die Firma ihr Medikament auf den Markt bringen will. Ein Novartis-Sprecher erklärte am Freitag auf Anfrage, der Konzern sei bestrebt, das Produkt den Patienten so schnell wie möglich zu Verfügung zu stellen.

Glaxo erklärte dazu, die drei Patente würden dem Urteil zufolge im Juni, Juli und im Dezember auslaufen. Das Unternehmen wolle gegen den Richterspruch aber in die Berufung gehen. Die weiteren Prozesse könnten dann noch zwölf bis 18 Monate in Anspruch nehmen.

Augmentin ist eines der weltweit am meisten verkauften Antibiotika. Mit diesem Blockbuster-Medikament erzielt Glaxo einen Umsatz von weltweit rund zwei Milliarden Dollar jährlich. Davon wird ein bedeutender Teil im wichtigen Pharmamarkt USA realisiert.

Die Novartis-Tochter Geneva Pharmaceuticals, die Firma Teva Pharmaceutical Industries sowie Ranbaxy Laboratories Ltd. hatten gegen das Patent von Glaxo geklagt. Geneva verfügt bereits über die endgültige Zulassung der US-Gesundheitsbehörde (FDA) für ihr Medikament.

Auch Teva gilt Experten zufolge als grosser Spieler im Geschäft mit Generika. Ein Präparat dürfte Teva aber erst im späten 2003 lancieren. "Sollte eine Gesellschaft ein Nachahmerpräparat von Augmentin verkaufen und wir in der Berufung siegen, werden wir auf entgangene Gewinne klagen", sagte eine Sprecherin von Glaxo. Sollten die Konkurrenten schon während der Berufungsphase Nachahmerpräparate verkaufen, dürfte der Gewinn je Glaxo-Aktie um rund zehn Prozent sinken, schätzten Analysten. Ansonsten blieben die Prognosen unverändert.

Patrick Burgermeister, Pharmaanalyst bei der Zürcher Kantonalbank sagte am Freitag, das Urteil sei eine gute Nachricht für Novartis. "Die vielen Akquisitionen zahlen sich nun aus." Burgermeister rechnete damit, dass sich Novartis eher zu einer vorsichtigen Haltung entschliessen und das Medikament erst auf den Markt bringen wird, wenn alle Gerichtsverfahren abgeschlossen sind. Während die Aktien von Glaxo im frühen Geschäft um 5,65 Prozent fielen, stiegen Novartis bis Mittag um gut ein Prozent auf 68,30 Franken.

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