Weg für eine Rettung durch die Versicherungsbranche ist frei
Mannheimer-Aktionäre sind gefordert

Heute Abend fällt die Entscheidung, ob die existenziell angeschlagene Mannheimer Versicherungsgruppe durch eine Solidaraktion der Branche gerettet wird - oder nicht. Der Weg dazu ist frei geworden, nachdem Konzernchef Hans Schreiber am Freitagmorgen seinen lang erwarteten Rücktritt erklärt hat.

DÜSSELDORF. Die Crème de la Crème der deutschen Lebensversicherer trifft sich nun in Frankfurt, um unter den Mitgliedern des Hauptausschusses Lebensversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Geld für den kapitalschwachen Konkurrenten lockerzumachen. Am Freitag wird der Lösungsvorschlag dann mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) weiterverhandelt.

Als Nachfolger von Schreiber rückt der Chef der Mannheimer Versicherung AG, Lothar Stöckbauer, an die Spitze der Mannheimer Holding AG. Er wird Vorstandssprecher und nicht-vorsitzender wie Schreiber. Da er im September 60 Jahre alt wird, gilt er als Übergangskandidat.

Die Zeit drängt, damit die Einladungen zur Hauptversammlung der Mannheimer - einschließlich der erforderlichen Beschlussanträge - rechtzeitig an die Aktionäre verschickt werden können. Das macht aber nur Sinn, wenn die BaFin zuvor die nötigen Kapitalmaßnahmen absegnet. Die Hauptversammlung ist daher auf den 27. August verschoben worden.

Die Bundesanstalt hat ein früheres Rettungskonzept bereits abgelehnt. Gleichwohl dürfte sie auch ein signifikantes Interesse daran haben, dass die Mannheimer so geräuschlos wie möglich aufgefangen wird - damit ihr keine Versäumnisse nachgesagt werden. Versicherungsaufseher Thomas Steffen hat zuletzt noch betont, dass die Auffanggesellschaft Protektor möglichst "eine theoretische Auffanglösung für Lebensversicherungen" bleiben soll.

Das neue Rettungskonzept, über das heute beraten wird, wird aller Voraussicht nach eine Mischung aus Kapitalerhöhung in Aktien und Genussscheinen plus Finanzierung durch Rückversicherung. "Aus diesen drei Möglichkeiten muss die Lösung kommen", heißt es in der Branche.

Das alte Konzept sah eine Kapitalerhöhung durch die Aktionäre in Höhe von 130 Mill. Euro plus eine Rückversicherungskomponente in Höhe von 170 Mill. Euro vor. Der Aufsicht soll das Verhältnis missfallen haben. Sie will mehr Kapital sehen. Die Aktionäre hingegen wollen so wenig wie möglich bezahlen und suchen nach Alternativen. Offenbar ist mit den Genussscheinen ein Kompromiss in Sicht: Für die Aufsicht wäre es ein Sicherheitskapital, das der Mannheimer wenigstens bis zu einem Kündigungstermin zur Verfügung stünde. Für die Geldgeber hätte es den Charme, dass sie ihren Einsatz eher wieder zurückholen können als bei Aktien. Und für die Mannheimer zählt, dass die Bedienung von Genusskapital steuerlich als Aufwand anerkannt ist.

Um das Verhältnis von Aktien, Genussscheinen und Rückversicherung wird noch gerungen. "Es ist ein Eiertanz", so ein Beteiligter. Denn die Branche ist sich höchst uneins. Die einen plädieren aus Sorge um den guten Ruf der Lebensversicherung im Allgemeinen für eine gemeinschaftliche Rettung. Die anderen haben Angst, einen Präzedenzfall zu schaffen und sehen allein die Aktionäre in der Pflicht.

Die Aktionärsstruktur der Mannheimer macht die Angelegenheit nicht eben einfacher: Unter den institutionellen Aktionären sind alle bedeutenden Rückversicherer vertreten. Sie werden von dem derzeitigen Rettungskonzept gleich doppelt gefordert: bei der Kapitalerhöhung und bei der Rückversicherungskomponente. Dabei geht es bei der Mannheimer aber um das Image der Lebensversicherung.

Die Münchener Rück sieht sich denn auch nicht in einer Führungsrolle, in die die Branche sie gern hineinredet: "Wir sind nicht einmal im Aufsichtsrat der Mannheimer vertreten", stellt ein Sprecher in München dazu fest.

Insgesamt hat die Mannheimer wegen der Schieflage ihrer Lebensversicherungstochter 300 Mill. Euro frisches Kapital nötig. Die Leben hat sich gründlich am Aktienmarkt verspekuliert. Der Marktwert der im SDax notierten Versicherungsgruppe (ISIN 8428004) lag zum Wochenschluss nur noch bei 74,59 Mill. Euro - und das bei einem Eigenkapital von nicht mehr als 75 Mill. Euro. Allein im ersten Quartal 2003 weist die Mannheimer zudem einen Verlust von 64 Mill. Euro aus.

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