Weg von wehenden Deutschlandfahnen
Union präsentiert Fernseh-Spots mit "Pep"

Das hätte es zu Helmut Kohls Zeiten nicht gegeben. Als ginge es darum, Jeans oder Eiskrem an die Frau oder den Mann zu bringen, werben CDU und CSU in ihrem Kino-Spot für die heiße Wahlkampfphase um die Gunst des jungen Publikums.

HB BERLIN. Mit schnellem Bildschnitt - untermalt vom Chor "Make a change" - drehen sich schöne Badenixen am Stand. Unter einer Decke bewegen sich Beine, lassen erahnen, was in dem Bett noch alles passiert. Am Ende des Spots wird in einem kleinen Rahmen, der am Handschuhfach eines Autos klebt, das Bild von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) gegen das von Edmund Stoiber (CSU) ausgewechselt. Es erscheint der Slogan: "Wechseln Sie mit."

Stolz war CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer am Dienstag auf so viel Fortschrittlichkeit und Pep seiner Union. Vor vier Jahren - in der Endzeit der Regierung Kohl - hatten die Schwesterparteien noch vergessen, junge Menschen mit einem eigens auf sie zugeschnittenen Spot anzusprechen. In den Filmen wehten damals Deutschlandfahnen, und es wurde über blühende Landschaften gesprochen. Jetzt glaubt der Generalsekretär mit den neuen Produkten gar die SPD abgehängt zu haben. "Wir setzen die Maßstäbe im Wahlkampf."

Die Fernsehspots, die in den nächsten Wochen über die Bildschirme flimmern werden, sind längst nicht so grell wie die Kinowerbung. Sie passen zu jedem TV-Programm, egal ob vorher das Fest der Volksmusik läuft oder ein James Bond. Ähnlich werden auch Versicherungen angepriesen.

Pianomusik untermalt die Bilder. Fleißige Werft- und Bauarbeiter gehen ihrer Arbeit nach. Doch die Feststellung des Sprecher aus dem Off ist alles andere als positiv: "Vier Millionen Menschen sind arbeitslos." Einen Film-Schnitt weiter, wird den Wählern das Versprechen der Union weiß auf schwarz präsentiert. "Wir sorgen für Wachstum und Arbeit mit gerechten Steuern und weniger Bürokratie." Dann folgt der gleiche Gegensatz zu den Themen Steuern und Bildung. Mit den Unterschieden soll laut Meyer gezeigt werden: "So ist es und so könnte es sein." Auch dass ein dunkelhäutiges Kind in einem Spot auftaucht - alles sei bewusst geschehen, sagt der Generalsekretär auf Nachfragen von Journalisten, die das Zuwanderungskonzept der Union im Kopf haben. In Deutschland sollten "alle Kinder bessere Bildungschancen haben".

Der Kanzlerkandidat tritt erst am Ende auf. Mit durch Tontechnik seltsam modellierter Stimme erklärt er: "Die Menschen leisten viel in Deutschland. Sie haben es verdient, dass es aufwärts geht." Er werde "mit ganzer Kraft und mit ganzem Herzen dafür arbeiten". In der Kinowerbung bleibt der Spitzenkandidat dagegen stumm. Da setzt die Partei lieber auf Popmusik.

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