Weg zur Waffenruhe soll geebnet werden
Teilabzug soll Powell vor Vermittlungs-Pleite retten

Nur in Ramallah und Bethlehem müssten die Truppen noch bleiben, sagte Scharon US- Präsident George W. Bush am Telefon. Ein vergleichsweise bescheidener Erfolg angesichts der Tatsache, dass Bush schon vor fast zwei Wochen mehrmals und in immer schärferem Ton den Abzug der Truppen aus allen Städten des Westjordanlands gefordert hatte.

dpa JERUSALEM. Die von den israelischen Medien am Dienstag als "Triumph" gefeierte Festnahme des selbst ernannten Intifada-Führers Marwan Barguti, die auf palästinensischer Seite große Empörung auslöste, sei "die Leiter, die es der israelischen Führung ermöglicht, vom Baum der 'Operation Schutzwall' herunterzuklettern", schrieb der Kommentator Alex Fischman von der Zeitung "Jediot Achronot" am Dienstag.

Politische Beobachter in Israel werten Scharons Ankündigung zum Teilabzug als Versuch, US-Außenminister Colin Powell zumindest einen Anschein des Erfolgs bei seiner mühsamen Vermittlungsmission zu liefern. Israelische Medien berichteten am Dienstag, Powell sei bei seinen Gesprächen in Libanon und Syrien mit der Forderung nach einer Zügelung der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz gescheitert. Powell hatte eindringlich vor einer Ausweitung des erbitterten Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern auf andere Regionen des Nahen Ostens gewarnt, sollten die ständigen Hisbollah-Angriffe auf Ortschaften im Norden Israels weitergehen.

Mit Scharons Ankündigung eines Abzugs aus Dschenin und Nablus soll nun offenbar der Weg für eine Waffenruhe geebnet werden. Der israelische Außenminister Schimon Peres sagte am Dienstagmorgen im Rundfunk, nach dem Teilabzug sei auch auf die Wiederaufnahme eines "politischen Prozesses" zu hoffen. Verhandlungsteams der USA und der Palästinenser arbeiten Medienberichten zufolge an einer Waffenruhe- Erklärung, die Arafat vor der Abreise Powells aus der Region verlesen werde. Darin werde er erklären, die Palästinenser wollten ihre nationalen Bestrebungen nur mit Hilfe friedlicher Verhandlungen umsetzen. Die Autonomiebehörde werde "im Rahmen ihrer Möglichkeiten" gegen Extremisten vorgehen.

Scharon will das Argument, die Polizei sei angesichts der verheerenden Zerstörung der Infrastruktur in den Palästinensergebieten und den israelischen Angriffen gar nicht mehr zum Kampf gegen Extremisten in der Lage, nicht gelten lassen. "Die Sicherheitsorgane verfügen noch über tausende von bewaffneten Männern, die wir nicht angefasst haben, weil sie nicht gegen uns vorgegangen sind", sagte Scharon. Sie könnten nach einer Waffenruhe- Einigung gegen palästinensische Extremisten vorgehen.

Ob eine von Powell ausgehandelte Teil-Waffenruhe von Dauer sein wird, ist jedoch zweifelhaft. In Bethlehem und Ramallah will Israels Armee bleiben, bis sich die in der Geburtskirche und Arafats Hauptquartier verschanzten mutmaßlichen Extremisten ergeben. Dies und die Festnahme Bargutis dürften weitere Racheanschläge in Israel nach sich ziehen.

Auch der israelische Versuch, Arafat weiter zu isolieren und von der Teilnahme an einer regionalen Nahost-Friedenskonferenz auszuschließen, wird von palästinensischer Seite nicht akzeptiert. Je länger Israel in den Palästinensergebieten bleibt, desto heftiger heizt sich auch der Zorn der Bevölkerung in den arabischen Staaten auf. Der Kommentator Joel Marcus von der Zeitung "Haaretz" schrieb am Dienstag, Scharon habe Arafat isoliert und gleichzeitig Israel "eine nie da gewesene weltweite Isolation beschert". Israel befinde sich in einer militärischen und politischen Sackgasse. "Die Stars der Show sind zwei störrische, gewaltbereite Führer mit 30 Jahren persönlicher Feindschaft, die sich bis zum bitteren Ende blutig kratzen, wie zwei Kampfhähne."

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