Wege zur Steigerung des Mitarbeiter-Engagements
Das mittlere Management stört

Die Unternehmensberatung Hewitt Associates und das Handelsblatt betreten Neuland: Mit der Studie "Attraktive Arbeitgeber 2001" haben sie das erste deutsche Arbeitgeber-Ranking vorbereitet, das im kommenden Jahr stattfinden wird.

"Unser Unternehmen wird permanent umstrukturiert keiner weiß, wo morgen oder in einem Jahr sein Arbeitsplatz sein wird." - "Bei uns können die Führungskräfte nicht führen, der Informationsfluss ist mangelhaft, und es werden immer mehr Führungsebenen eingezogen." - "Die Arbeitsabläufe sind sehr bürokratisch. Notwendige Informationen muss man sich oft mühsam zusammensuchen, das heißt, bei einzelnen Mitarbeitern erfragen."

Aus Unternehmensbroschüren oder Stellenanzeigen stammen diese Zitate gewiss nicht. Sie wurden bei einer Befragung von 5 500 Mitarbeitern in 17 Unternehmen in Deutschland erhoben - durchgeführt von der auf Personalmanagement spezialisierten Beratungsgesellschaft Hewitt Associates, Wiesbaden. Zusammen mit dem Handelsblatt ist Hewitt der Frage nachgegangen, wie Unternehmen gute Mitarbeiter gewinnen und halten können.

Die Pilotstudie "Attraktive Arbeitgeber 2001", die das erste deutsche Arbeitgeber-Ranking im kommenden Jahr vorbereiten soll, stützt sich neben der Mitarbeiterbefragung auf ein HR-Audit, also eine Bewertung der Instrumente der Personalarbeit (Human Resources, kurz: HR), sowie eine Finanzanalyse aus dem Hause Holt Value Associates. Die Befragung zielt nicht allein auf die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern auch auf ihre Leistungsbereitschaft.

Die drei "S" entscheiden über das Engagement des Mitarbeiters

Deshalb spricht Hewitt auch von Engagement-Befragung. "Ein Mitarbeiter ist engagiert, wenn er sich entsprechend den drei ,S? Stay, Say und Serve verhält", erklärt Piotr Bednarczuk, der die Studie in Deutschland geleitet hat. "Mit Stay ist der Wunsch des Mitarbeiters gemeint, im Unternehmen zu bleiben. Say bedeutet, dass er sich gegenüber Kunden, Kollegen und Freunden positiv über seinen Arbeitgeber äußert, und Serve heißt, dass er überdurchschnittlich zum Unternehmenserfolg beitragen will."

Hewitt ordnet vier der 17 Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, einer Spitzengruppe zu - in einem Ranking würden sie die ersten vier Plätze belegen: die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, der Chip-Hersteller AMD, der Pharma-Konzern Bristol Myers Squibb und das Softwarehaus SAP. Booz Allen Hamilton zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Mitarbeiter ihre Tätigkeit sehr frei gestalten können. AMD besticht durch ein positives, leistungsförderndes Arbeitsklima, Bristol Myers Squibb durch effiziente Führung. Bei SAP fallen die "Benefits" auf, die Leistungen, die das Unternehmen für die Mitarbeiter erbringt.

Die wichtigsten Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung:

  • Viel Lob ernten die direkten Vorgesetzten: Sie hören zu, wenn Probleme auftauchen, versuchen, die Arbeit gerecht zu verteilen, und schirmen ihre Mitarbeiter gegen Druck von oben ab. 69 Prozent aller 5 500 Befragten stellen ihren Chefs ein gutes Zeugnis aus. Streicheleinheiten gibt es auch für die "lieben Kollegen", mit denen 67 Prozent gern zusammenarbeiten.
  • Das mittlere Management hat seinen Ruf als "Lähmschicht", in der Ideen stecken bleiben und Motivation verpufft, hingegen verdient. Nur 42 Prozent aller befragten Mitarbeiter äußern sich positiv über den Mittelbau. Selbst in den Top-Unternehmen der Stichprobe erreicht dieser Wert gerade einmal 50 Prozent.
  • Ganz entscheidend prägt das Top-Management die Stimmung im Unternehmen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Die Top-Arbeitgeber der Hewitt-Studie zeichnen sich dadurch aus, dass 63 Prozent der Mitarbeiter hinter der Geschäftsführung stehen. In den übrigen Unternehmen identifizieren sich nur 40 Prozent mit "denen da oben".
  • An den Arbeitsbedingungen im Allgemeinen, beispielsweise der personellen und technischen Ausstattung, gibt es wenig auszusetzen. Selbst in den Unternehmen, die insgesamt eher schlecht abgeschnitten haben, erreicht die positive Resonanz mindestens 60 Prozent.

Aus den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragung und des HR-Audits leitet Hewitt Maßnahmen ab, die Unternehmen helfen sollen, gute Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden. Dabei geht es darum, die Instrumente der Personalarbeit optimal einzusetzen. Anders ausgedrückt: Welche Schrauben muss ein Unternehmen anziehen, um die größtmögliche Steigerung des Mitarbeiterengagements zu erzielen? Hewitt sieht drei Ansatzpunkte:

  1. Nichts erhöht die Leistungsbereitschaft mehr als gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Zielvereinbarungen, verlässliche Karrierepläne, Weiterbildungs- und Coaching-Angebote locken fast jeden Mitarbeiter aus der Reserve.

  2. Gelingt es, die Führung durch das mittlere Management zu verbessern, wirkt sich dies unmittelbar positiv auf die Motivation der Mitarbeiter aus. "Führung lernen" sollte daher vordringliches Ziel der Personalentwicklung auf der Abteilungsleiter- und Bereichsleiterebene sein.

  3. Keine Leistung ohne Gegenleistung - wirksame Anerkennungs- und Feedbacksysteme beweisen den Mitarbeitern, dass sich ihre persönlichen Ziele mit den Unternehmenszielen in Einklang bringen lassen.

Unternehmen, die erfolgreich die Leistungsbereitschaft und Loyalität ihrer Mitarbeiter erhöhen, sind auch für Außenstehende, zum Beispiel für Bewerber, attraktiv. Allerdings darf sich die Personalpolitik nicht in hochtrabenden Visionen erschöpfen: Im Normalfall muss ein einstündiges Vorstellungsgespräch genügen, um den Bewerber zu überzeugen. Hewitt schlägt drei "Verkaufsargumente" vor: leistungsbezogene variable Vergütungssysteme, Modelle zur flexiblen Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung, Angebote zu Work-Life-Balance.

Eines betonen die Personalmanagement-Berater dabei allerdings immer wieder: "Mehr Schein als Sein" verzeiht kein Bewerber. Hält das Unternehmen nicht, was es an innovativer Personalarbeit verspricht, verliert es ganz schnell seinen guten Ruf als Arbeitgeber - und seine besten Köpfe.

Der Ergebnisbericht zu "Attraktive Arbeitgeber 2001" kann zum Preis von 100 Euro bei Hewitt Associates, Tel. 06 11/9 28 83-0, Fax-198, angefordert werden.

Im kommenden Jahr wird Hewitt das erste deutsche Arbeitgeber-Ranking durchführen. Informationen und Teilnahmebedingungen: www.best-employers.de.

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