Wegen Äußerungen zu Auschwitz
Vertriebene setzen umstrittenen Vizepräsidenten ab

Der Bundesverband der Vertriebenen (BdV) hat seinen umstrittenen Vizepräsidenten Paul Latussek wegen verbandsschädigenden Verhaltens seines Amtes enthoben. Mit dem Beschluss reagierte eine außerordentliche Bundesversammlung am Donnerstag in Berlin auf Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden zu Auschwitz. Latussek selbst sprach von einem "Missverständnis" und warf seinen Kritikern Vorverurteilung vor.

ap BERLIN. Nach zweieinhalbstündiger Debatte votierten 63 Delegierte für seine sofortige Absetzung, bei 23 Gegenstimmen und elf Enthaltungen. BdV-Präsidentin Erika Steinbach hatte vor der Abstimmung erklärt, sie wolle keinem Verband vorstehen, der sich nicht von einem Mann trenne, der nichts als Schaden gestiftet habe.

Latussek war erst am 9. November als Landesvorsitzender mit großer Mehrheit bestätigt worden. Auf dem damaligen Verbandstag in Arnstadt hatte er in einem Atemzug über die "Lügen über Katyn und Jedwabne und die Aussagen über die Opfer in Auschwitz" gesprochen, die nicht zu halten seien. In Auschwitz habe es nicht sechs Millionen, sondern 930 000 Opfer gegeben.

Latussek äußerte Bedauern darüber, dass seine "unbedachte" Wortwahl ungewollt Anlass zu "Missverständnissen" gegeben habe. Dafür entschuldige er sich bei den jüdischen Opfern, nicht aber bei denjenigen, die ihn voreilig verurteilt hätten, sagte er an die Adresse Steinbachs. Er kritisierte die Berichterstattung der Presse und betonte, er habe nicht den Holocaust geleugnet oder Verbrechen relativieren wollen; es gehe ihm um die geschichtliche Wahrheit. Inhaltlich seien seine Äußerungen nicht falsch gewesen, sagte Latussek.

Verbandspräsidentin Steinbach unterstrich dagegen, es gehe um Ehre und Ansehen des Verbandes und seiner Mitglieder. "Wir lassen uns nicht wegen Äußerungen, die Sie heute als missverständlich bezeichnen, in eine Ecke stellen, wo wir nicht hingehören", rief sie aus. Ihm gehe es nicht um Wahrheit und Klarheit, sondern um Entsolidarisierung mit anderen Opfern. Er habe dem Verband "erheblichen Schaden zugefügt, und das leider nicht zum ersten Male". Sie bedauere, dass er der eindringlichen Bitte des Präsidiums, selbst seinen Hut zu nehmen, nicht gefolgt sei.

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