Wegen der Aktienbaisse
Britische Vermögensverwalter bauen Stellen ab

Analysten rechnen mit weiteren Entlassungen in der arg gebeutelten Branche.

Bloomberg LONDON. Analysten rechnen bei britischen Vermögensverwaltern mit weiteren Entlassungen. Amvescap Plc, Aberdeen Asset Management Plc, Schroders Plc und andere Asset-Manager leiden bereits das zweite Jahr in Folge wegen der Aktienbaisse unter sinkenden Gewinnen. Der britische Benchmarkindex FT-SE 100 notiert so niedrig wie seit 1997 nicht mehr.

Die drei Vermögensverwalter haben in diesem Jahr schon mehr als 1 300 Stellen gestrichen. "Der Prozess ist noch nicht unbedingt abgeschlossen", warnte Martin Cross, Analyst bei Teather & Greenwood. "Wenn die Lage sich verschlechtert, müssen sie nochmals Kosten senken und Stellen abbauen." Europas Anleger investieren weniger in Aktienfonds. In den zehn ersten Monaten dieses Jahres flossen netto 4,9 Mrd. Euro in Fonds, 71 % weniger als im Vorjahreszeitraum, berichtete die Deutsche Bank AG. Dieser Trend dürfte sich auch 2003 fortsetzen. Analysten von Merrill Lynch & Co. erwarten, dass die Aktienmärkte in mehreren Ländern, darunter Großbritannien, Deutschland und Frankreich, das vierte Jahr in Folge Verluste verzeichnen werden.

Amvescap musste im dritten Quartal einen Gewinneinbruch von 52 % auf 12,2 Mill. £ einstecken, Schroders verbuchte einen Verlust von 9,4 Mill. £. Die Personalkosten machen bei Vermögensverwaltern wie Amvescap die Hälfte der Gesamtkosten aus.

Der größte börsennotierte Vermögensverwalter Europas will bis zum Ende des ersten Quartals 500 Arbeitsplätze abbauen, das entspricht 6 % der Mitarbeiter. Schroders streicht etwa 500 Stellen, damit 17 % der Arbeitsplätze. Ursprünglich sollten nur 400 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen.

"Die Mitarbeiter arbeiten auf der Basis flauer Börsen und geringer Kapitalzuflüsse", beschreibt Analyst Huw Van Steenis von Morgan Stanley die Lage. "Angesichts der Marktlage werden einige Anbieter zusätzlichen Einsparungsbedarf entdecken." Auch die Gehaltserhöhungen für die Mitarbeiter der Vermögensverwalter fallen in diesem Jahr magerer aus. In den 12 Monaten zum 30. November lag der Anstieg mit 2,5 % auf dem gleichen Niveau wie die Inflationsrate in Großbritannien. 2001 konnten die Angestellten ein Plus von 7 % kassieren, berichtet Monks Partnership, eine Tochter von PricewaterhouseCoopers.

"Wir richten unser Augenmerk ständig auf die Effizienz", erklärte der Amvescap-Finanzvorstand Robert McCullough letzte Woche. "Mit unserem Kostensenkungsprogramm haben wir bereits auf die Marktsituation reagiert, wie sie sich uns am Ende des dritten Quartals dargestellt hat." Amvescap-Aktien haben in diesem Jahr 58 % eingebüßt, Schroders sind 38 % gefallen, Aberdeen um 84 % eingebrochen.

"Jede Fondsgesellschaft muss sicherstellen, dass sie die Kosten im Einklang mit den Einnahmen hält", erläuterte Bill Rattray, Finanzdirektor von Aberdeen, in einem Interview mit Bloomberg News. "Wir sind zuversichtlich, dass unsere Einsparungen ausreichen, aber man kann nie sagen, dass nichts mehr getan werden muss." Aberdeen will sich von jedem zehnten seiner Fondsmanager trennen. In den 12 Monaten per Ende September ist das von Aberdeen verwaltete Vermögen um 8 % auf 23,7 Mrd. £ gesunken.

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