Wegen Gesundheitsreform
Pharmakonzerne überprüfen Engagement in Deutschland

Wegen der von der Bundesregierung vorangetriebenen Reform zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen überdenken immer mehr Pharmakonzerne ihr Engagement in Deutschland. Da es wegen der geplanten zusätzlichen Zwangsrabatte und der Einführung von Festpreisen für patentgeschützte Medikamente am Standort zunehmend schwieriger für forschende Arzneimittelhersteller werde, plant der Berliner Schering-Konzern noch in diesem Jahr den Abbau von 300 Stellen in Deutschland. Auch bei anderen Pharmakonzernen, etwa den US-Firmen Pfizer und Eli Lilly, stehen die Investitionen in den deutschen Markt auf dem Prüfstand.

FRANKFURT/M. Der Schering-Konzern, der nach eigenen Angaben nur 10% seines Umsatzes in Deutschland macht, rechnet nach Angaben seines Finanzvorstands Jörg Spiekerkötter durch die Gesundheitsreform in diesem und im kommenden Jahr mit einer Ergebnisbelastung von insgesamt 40 Millionen Euro. Im bisherigen Jahresverlauf belastete nach Unternehmensangaben jedoch vor allem die anhaltende Dollarschwäche das Ergebnis. Nach sieben Rekordjahren rechnet das Unternehmen für 2003 deshalb erstmals mit einem Ergebnisrückgang, der voraussichtlich im einstelligen Prozentbereich liegen werde. "Wir stellen uns auf das negative Währungsumfeld sowie weitere Belastungen durch Kostensenkungsmaßnahemn im Gesundheitswesen in Deutschland ein, indem wir weitere Schritte zur Anpassung der Kostenstruktur vornehmen", begründete Erlen den geplanten Stellenabbau.

Im kommenden Jahr sollen laut Eckpunkten des parteiübergreifend ausgehandelten Gesundheitskonses die Zwangsrabatte für verschreibungspflichtige Arzneimittel von den derzeit geltenden 6% auf 16% erhöht werden. Für Schering bedeutet das Spiekerkötter zufolge einen Anstieg der Ergebnisbelastung von 15 Millionen Euro in diesem Jahr auf 20 bis 25 Millionen Euro im kommenden Jahr. Auch der Bayer-Konzern rechne mit einer Belastung im zweistelligen Millionenbereich, sagte Vorstandschef Werner Wenning in einem Interview der Süddeutschen Zeitung. Boehringer Ingelheim geht davon aus, dass die geplante Erhöhung der Zwangsrabatte im kommenden Jahr mit rund 60 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Auch die in Deutschland tätigen internationalen Konzerne sehen die angekündigte Millionenbelastung mit Sorgen. "Wenn es um Standortentscheidungen für Investitionen des Konzerns geht, haben wir innerhalb des Pfizer-Konzerns derzeit keinen guten Stand", sagt etwa Walter Köbele, Deutschland-Chef des weltgrößten Pharmaherstellers. Er beklagt vor allem, dass der Standort Deutschland keine Verlässlichkeit biete. Erneut setze die Politik statt auf eine Strukturreform auf bloße Kostensenkungsmaßnahmen. Ähnliches ist von Eli Lilly zu hören. Sofern die Zwangsrabatte tatsächlich angehoben werden, müsse der geplante Ausbau des Forschungsstandort Hamburgs überdacht werden, sagte Rolf Hoffmann, Geschäftsführer von Lilly Deutschland der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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