Wegen Hochwasser-Schäden
Bau-Aktien verzeichnen deutliche Kursgewinne

Das Jahrhunderthochwasser in Ostdeutschland hat am Montag nach Händlerangaben zu einer riesigen Nachfrage nach Aktien der Baubranche an der Frankfurter Börse geführt. Analysten sagten, die Baubranche wie auch verwandte Sektoren profitierten von der Aussicht auf Wiederaufbauprojekte und damit verbundene Umsatzsteigerungen.

rtr/ddp/vwd/dpa FRANKFURT. "Die gesamte Branche steigt wegen der enormen Hochwasser-Schäden, auch wenn noch nicht absehbar ist, wie hoch die tatsächliche Summe ausfallen wird", sagte ein Frankfurter Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Ein Aktienhändler ergänzte, es seien nun massive Investitionen nötig, von den auch die börsennotierten Bau- und Zuliefererfirmen profitieren dürften. Das treibe die ansonsten relativ schwankungsunanfälligen Aktien stark in die Höhe.

Im MDax legten die Anteilsscheine der Baukonzerne Bilfinger Berger und Hochtief jeweils um rund 13 Prozent zu. Die Aktie von Vossloh, einem Schienen- und Weichenhersteller, verteuerte sich um über elf Prozent auf 25,50 Euro. Auch die Titel des Zementproduzenten Dyckerhoff stiegen um rund neun Prozent. Von den kleineren Werten an der Börse ragte Walter Bau mit einem Kurssprung von 164 Prozent auf 2,35 Euro heraus. Auf dem Frankfurter Parkett kletterten zudem die Anteilsscheine des insolventen Baukonzerns Philipp Holzmann um 122 Prozent auf 1,11 Euro. Stark gefragt waren auch die Aktien des Fassadenspezialisten Sto und des Bodenbelagsspezialisten Tarkett Sommer.

Einige Analysten warnen bereits vor Kursübertreibungen

"Vossloh zum Beispiel dürfte erheblich von der Reparatur des Schienennetzes der Deutschen Bahn profitieren", sagte Klaus Kränzle, der für die Bremer Sparkasse die Verkehrstechnikbranche analysiert. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf und verweist auf die sehr moderate Bewertung des Titels an der Börse. Die Deutsche Bahn, die zu den am schlimmsten von der Flut betroffenen Unternehmen zählt, rechnet nach den Angaben eines Sprechers mit Schäden im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Einige Analysten verwiesen jedoch darauf, dass der Kursanstieg mancher Bau-Aktien überzogen sei. Den größten Auftrieb dürften Spezialfirmen erhalten, die sich auf die Sanierung von Gebäuden spezialisiert haben, hieß es. Andere Branchenexperten verwiesen darauf, dass bisher noch nicht absehbar sei, wie stark die Infrastruktur geschädigt sei. UBS Warburg-Analyst Achim Henke warnt: "Es ist derzeit noch verfrüht, über die Neuaufträge zu spekulieren." Kurzfristig dürften die Auftragseingänge nicht die erhofften Volumina erreichen. Bereits zum Ende der vergangenen Woche hatten die Aktienkurse der Bau-Branche deutlich zugelegt. Mittlerweile warnen allerdings auch Händler vor einer Übertreibung. "Nach den massiven Kursaufschlägen insbesondere bei Bilfinger werden wir mit Sicherheit bald wieder fallende Kurse sehen", sagte ein Marktteilnehmer. Ein zweiter Händler zeigte sich dagegen zuversichtlicher: "Warum soll es nicht noch weiter nach oben gehen?" Zu teuer seien die Aktien derzeit jedenfalls noch nicht.

SEB empfiehlt Bilfinger Berger zum "Kauf"

Michael Jaeniche, Analyst der SEB AG, kann sich die heutigen Kursverluste der Bilfinger-Berger-Aktie fundamental nicht erklären. "Der Kurs wird wahrscheinlich von Hochwasser-Spekulationen getrieben. Hier muss sich jedoch erst die Nachhaltigkeit der eingehenden Aufträge zeigen", erklärte Jaeniche. Bilfinger Berger werde im Inlandsgeschäft nicht um jeden Preis Aufträge annehmen. Entscheidend sei die Rentabilität. Was den Neubau von Straßen und einzelnen Häusern betrifft, gehören diese nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens. Für die am 22. August anstehenden Halbjahreszahlen erwartet Jaeniche prinzipiell die Bestätigung eines positiven Geschäftsverlaufs. Das seiner Meinung nach besser ausfallende operative Ergebnis werde einen gesteigerten Überschuss zur Folge haben. Der Analyst empfiehlt, die Bilfinger-Berger-Aktie zu "kaufen". Sie sollte sich deutlich besser entwickeln als der MDax.

Nach Ansicht der Sparkasse Bremen hat Bilfinger Berger mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe eine "interessante Story". Das Unternehmen arbeite verstärkt an der privatwirtschaftlichen Finanzierung von Infrastrukturprojekten. Auf Grund der großen Zerstörungen könnten diese nun schneller umgesetzt werden. Die leeren öffentlichen Kassen machten klar, dass sich der Trend zur privatwirtschaftlichen Straßenbaufinanzierung verstärken werde. Ihre Kaufempfehlung behält die Bremer Sparkasse bei.

Die Analysten von Helaba Trust sehen im Zuge der Hochwasserschäden durch die Kompetenz von Bilfinger Berger im Brückenbau zusätzliche Phantasie geweckt. Für besonders wichtig halten die Experten jedoch die Ablehnung der Übernahme von J.A.Jones (USA). Diese hätte die Ertragsrisiken spürbar erhöht. Mit einem Substanzwert von über 30 Euro je Aktie könnte der Titel auch bei schwierigen Marktverhältnissen wieder stärker gesucht sein. Die Analysten der Helaba Trust stufen den Titel deshalb auf "Übergewichten" hoch.

Spekulation um künftige Branchenfavoriten

Wie aus Marktkreisen zu hören war, sehen Branchenexperten auch die Aktien von Vossloh und Strabag als künftige Favoriten der Branche. Vossloh werde neben Pfleiderer von den Schäden an den Bahnstrecken profitieren, die derzeit auf bis zu eine Milliarde Euro prognostiziert werden. Strabag sei auf Grund seiner hervorragenden Marktposition der heißeste Anwärter auf den Wiederaufbau des Straßennetzes in Ostdeutschland, hieß es.

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