Wegen Michael Schumachers Überlegenheit wurden die Formel-1-Regeln geändert
Dem Dauer-Champion gehen die Gegner aus

Als bester Dramatiker des Jahres wird Michael Schumacher 2002 sicher nicht ausgezeichnet werden, dazu hatte er es erneut zu eilig mit der erneuten Titelverteidigung. Aber was kann der Mann dafür, dass ihm und dem Ferrari-Team einfach die Gegner ausgegangen sind?

HB STUTTAGART. Sollte er den WM-Hattrick 2003 verlängern, drohen ihm auch die Rekorde auszugehen: Dann wäre auch noch Juan Manuel Fangio, der von den WM-Titeln her letzte statistisch Gleichwertige, distanziert. Die Branche wünscht sich gleichwohl anderes. Denn die Überlegenheit der "Schumeria Ferrari" sollte eigentlich der beste Ansporn für die anderen Automobilkonzerne sein, auch in Krisenzeiten weiter ins schillernde 900-PS-Geschäft zu investieren.

Schumacher hat eine Luxus-Sorge, und versüßt sich damit die Weihnachtszeit: "Ich genieße es, dieses Problem zu haben. Ich habe schon ganz andere gehabt." Ihm gebührt die Ehre, der erste Champion zu sein, wegen dem die Regeln geändert worden sind. Künftig soll eine Art Zufallsprinzip im Qualifikationstraining die Schumachersche Erfolgsformel relativieren. Ein fragwürdiger Versuch.

Was bleibt ihm jetzt noch? Der Versuch, per Werbesport den Fiat Stilo an den Mann zu bringen? Die Genugtuung, von der Deutschen Presseagentur zur Nummer eins der Geldrangliste (mit 50 Millionen Euro Jahreseinkünften) berufen worden zu sein? Ehefrau Corinna beim Westernreiten die Meriten abzujagen? Wichtiger ist ihm der Anspruch, im eitlen Renngeschäft zu gewinnen ohne sich dabei selbst zu verlieren.

Nur selten kann er sich freuen, auch mal nur die Nummer 10 371 zu sein. Denn diese Ziffern trägt sein Mitgliedsausweis beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Köln, bei dem er sich neulich auch als Trainingsgast tummelte. Womit man weiß, was einem Dauer-Champion im Alltag den richtigen Kick gibt.

Über sein Arbeitsgerät, den Ferrari F 2002, mit dem er elf von 17 Rennen gewann (inklusive einem geschenkten Sieg, abzüglich zwei verschenkten), sagt er: "Mein Ferrari ist phänomenal, einfach außerirdisch. Und so fühlt man sich auch darin." E.T. Schumi, völlig losgelöst. Den hält im 13. Rennjahr offenbar keine irdische Schwerkraft mehr. Doch für das Mystische ist der Mann, der im Januar 34 wird, immer noch zu sehr Realo: "Ich sehe Rennfahren nicht als Mutprobe oder Kraftakt. Es liegt an deinem eigenen Können, das Gefühl zu bekommen, wo der Grenzbereich liegt."

Die Statistiker der Swinburne-Universität von Melbourne, wo am 9. März die neue Saison beginnt, haben auf Grund der Daten der letzten Formel-1-Jahre ihre Computer 1,16 Millionen Simulationsrunden auf der Rennstrecke im Albert Park drehen lassen. Ergebnis: Die Siegwahrscheinlichkeit Schumachers liegt bei stolzen 41 Prozent. Offenbar schlechte Aussichten für BMW und Mercedes.

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