Wegen möglicher Kartellstrafe
SGL Carbon-Aktie fällt auf Rekordtief

Die Aktien des Grafitherstellers SGL Carbon sind heute sehr stark eingebrochen. Ursache ist eine Handelsblatt-Meldung über eine drohende Kartellstrafe.

Reuters FRANKFURT. Die im MDax für mittelgroße Unternehmen gelistete Aktie von SGL Carbon stürzte bei sehr hohen Umsätzen zeitweise um rund 38 Prozent auf knapp unter sieben Euro ab. Nach eigenen Angaben hat SGL Carbon bisher keine Kenntnis über möglicherweise bevorstehende Kartellstrafen der Europäischen Union (EU). "Wir wissen nichts über eine Geldbuße, die bevorstehen soll", sagte Unternehmenssprecher Ralf Harenberg zu Reuters.

Zuvor hatte das "Handelsblatt" unter Berufung auf Brüsseler Anwaltskreise von angeblich bevorstehenden EU-Bußgeldern gegen SGL Carbon und sieben weitere Konzerne wegen Preisabsprachen im Bereich Spezialgrafite berichtet. Demnach will EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti voraussichtlich noch vor Jahresende eine Geldbuße in dreistelliger Millionenhöhe gegen das gesamte Kartell verhängen.

Die EU-Kommission wies den "Handelsblatt"-Bericht als Spekulation zurück. Eine Monti-Sprecherin in Brüssel sagte allerdings, die Kommission ermittele wegen des Verdachts auf Kartellbildung gegen Hersteller von Spezial-Grafiten. Diese Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Monti hatte im Juli vergangenen Jahres schon einmal eine Strafe von 80,2 Millionen Euro gegen SGL Carbon verhängt. Damals war es um unerlaubte Preisabsprachen und die Aufteilung von Marktanteilen bei Grafitelektroden, die bei der Stahlerzeugung eingesetzt werden, gegangen. Grafitelektroden sind das Kerngeschäft des Wiesbadener Unternehmens.

"Es gibt Indizien, die darauf hindeuten, dass SGL ein weiteres Kartellproblem bekommt", sagte Analyst Sven Dopke von M.M. Warburg. "Die Unsicherheit der Anleger wird weiter hoch sein und die Aktie bestimmt im Falle einer Strafe nicht steigen." Über die Höhe einer mögliche Geldbuße lasse sich allerdings noch nichts konkretes sagen. Es dürfte sich jedoch um nennenswerte Belastungen drehen, die das Unternehmen erneut stark zurückwerfen würden.

Ohne eine mögliche Strafe zu berücksichtigen, geht Dopke bisher für 2002 von einem operativen Gewinn von gut 23 Millionen Euro im Bereich Spezialgrafite aus. Der womöglich betroffene Bereich mache rund ein Fünftel des Umsatzes von SGL aus. Angesichts der nun bestehenden Unsicherheiten hat der Analyst von M.M. Warburg das Papier auf "Verkaufen" von zuvor "Halten" heruntergestuft. Auch die Analysten von Sal. Oppenheim stuften die Titel herunter.

Bei sehr hohen Umsätzen fielen SGL-Aktien am Donnerstag auf ein Rekordtief von 6,98 Euro, erholten sich im weiteren Verlauf aber leicht auf 7,68 Euro. Das entspricht aber immer noch einem Minus von knapp 32 Prozent. "Jetzt kommt die nächste Strafe, und die Investoren, die sich die Finger verbrannt haben, verkaufen jetzt ihre Aktien", sagte ein Frankfurter Händler. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Strafe geben wird. Bis Details veröffentlicht werden, würde ich die Finger von der Aktie lassen."

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