Wegen Verstößen gegen Vertragsbestandteile
Axel Springer Verlag kündigt Vertrag mit Ex-Aufsichtsrat Boenisch

Der Axel Springer Verlag hat den Autoren- und Beratervertrag mit seinem ehemaligen Aufsichtsratsmitglied Peter Boenisch gekündigt. Das Unternehmen gab am Freitag in Hamburg als Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit Verstöße gegen Vertragsbestandteile an.

dpa HAMBURG. Veröffentlichungen von Boenisch (74) in anderen Printmedien dürften nur mit ausdrücklicher vorheriger Zustimmung erfolgen. "Ich halte diese Kündigung für ungerechtfertigt und werde mich mit allen rechtlichen Mitteln dagegen widersetzen", kündigte Boenisch an.

Für einen Beitrag in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) am 29. Mai 2001 sei die Zustimmung laut Verlag nicht eingeholt worden. Darüber hinaus habe Boenisch den Verlag auch nicht über seine publizistische Aktivität informiert. "Dieser wesentliche Verstoß gegen seine Pflichten bereits zu Beginn seiner Beratertätigkeit zerstört das Vertrauen und ist Anlass für die Beendigung des Vertrages", teilte der Verlag mit. Nicht der Inhalt des Beitrags sei Grund der Kündigung, sondern der dadurch vollzogene Vertragsbruch, ergänzte der Vorstandsvorsitzende August A. Fischer, den Boenisch publizistisch beraten sollte.

Der frühere Chefredakteur von "Bild" und "Welt" und zeitweise Regierungssprecher von Helmut Kohl hatte im April seinen Sitz im Aufsichtsrat des Verlages vorzeitig niedergelegt. Boenisch machte für diesen Rückzug mögliche Interessenkollisionen geltend. "Meine publizistische Tätigkeit hat für mich Priorität", erklärte Boenisch damals. Die einem Aufsichtsratsmitglied auferlegte besondere Zurückhaltung im Hinblick auf öffentliche Äußerungen würde ihn behindern.

Boenisch hatte in der "Bild"-Zeitung in einem Kommentar Verständnis gezeigt für die Angriffe gegen Polizisten des jetzigen Bundesaußenministers Joschka Fischer 1973. In der "SZ" bezog Boenisch Stellung für das Blatt, das sich mit der Lufthansa um die Abbestellung von "SZ"-Bordexemplaren streitet. Boenisch sah in seinem Artikel für die "SZ" den Missbrauch einer Machtstellung eines Unternehmens gegenüber der Pressefreiheit.

Den Chefredakteuren der Springer-Zeitungen stellt der Verlag frei, Peter Boenisch weiter als Autor einzusetzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%