Wegen Worldcom-Schock
Europäische Telekom-Aktien auf Sinkflug

Als Reaktion auf die falsche Bilanzierung des US-Telekommunikationskonzerns Worldcom sind Aktien von Telekom-Unternehmen in ganz Europa stark unter Druck geraten.

Reuters FRANKFURT. Zudem wurde der Sektor durch eine gesenkte Ergebnisprognose des französischen Telekom-Ausrüsters Alcatel belastet. Der Euro-Stoxx50-Index für den europäischen Telekommunikationssektor brach bis zum Mittag um rund fünf Prozent ein. "Worldcom hat das Investorenvertrauen erschüttert", sagte ein Händler. Der US-Konzern hatte am Dienstag fehlerhafte Buchungen in Milliardenhöhe bekannt gegeben und seinen Finanzchef entlassen. Wegen der fehlerhaften Buchführung muss Worldcom seine Ergebnisse für das erste Quartal 2002 und das Jahr 2001 berichtigen. "Investoren gehen derzeit aus Aktien von Großkonzernen wie Telekom-Giganten raus, deren Buchführung kompliziert und undurchsichtig erscheint", sagte der Börsianer.

Größter Verlierer im europäischen Branchen-Marktbarometer Euro-Stoxx50-Index waren die Anteilsscheine der France Telecom, die um 16 Prozent auf weniger als neun Euro absackten. Am deutschen Aktienmarkt brachen die Aktien der Deutschen Telekom um fast acht Prozent auf 8,33 Euro ein. Im Handelsverlauf waren sie sogar auf ein neues Allzeittief von 8,14 Euro gefallen.

Neben der falschen Bilanzierung von Worldcom belastete eine gesenkte Ergebnisprognose des französischen Telekom-Ausrüsters Alcatel den Markt. Der gesamte Telekommarkt liege am Boden, und Alcatel bekomme die härtesten Schläge, sagte ein Händler dazu. Alcatel hatte einen neuen Umstrukturierungsplan angekündigt und für das laufende Jahr einen operativen Verlust vorausgesagt. Die Alcatel-Aktie stürzte daraufhin an der Pariser Börse zeitweise um mehr als ein Viertel ab.

Auch an anderen Märkten in Europa büßten Aktien von Konzernen aus der Telekommunikationsbranche kräftig an Wert ein. Der Kurs von British-Telecom-Aktie sank um knapp drei Prozent, der des Mobilfunkanbieters Vodafone rutschte um 5,8 Prozent ab. Am Aktienmarkt Madrid büßten die Anteile von Telefonica rund 5,5 Prozent ein, während in Italien die Papiere der Telecom Italia mit einem Verlust von vier Prozent glimpflicher davon kamen. Finanzexperten verwiesen auf die hohe Verschuldung vieler Telekom-Unternehmen in Europa. "Telekomwerte sehen derzeit zwar günstig bewertet aus, die Konzerne sind aber mit hohen Schulden belastet. Außerdem sind sie wegen hoher Risikofaktoren weniger attraktiv", sagte Beate Merdes, Fondsmanagerin bei Invesco Asset Management.

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