Wegfall der Staatsgarantien erzeugt Reformdruck – Künftige Strategie bei meisten Instituten offen
Landesbanken suchen neue Erfolgsformel

Die zwölf Landesbanken arbeiten an Strategien für ihre Zukunft. Schließlich steigen ohne Staatsgarantien die Refinanzierungskosten. Denn dann sinkt die Kreditwürdigkeit der Banken. Somit hängt es von den künftigen Noten der Ratingagenturen ab, welche Geschäfte sich noch lohnen.

HB DÜSSELDORF. Die Landesbanken stehen vor wegweisenden Entscheidungen. Zwar sichern ihnen öffentliche Haftungszusagen noch Spitzenbewertungen der Kreditwürdigkeit durch Ratingagenturen - wie Standard and Poor?s oder Moody?s - und damit günstige Refinanzierungsmöglichkeiten auf dem Kapitalmarkt. Damit ist aber Mitte 2005 Schluss.

Deshalb arbeiten alle zwölf Landesbanken von Kiel bis München an neuen Strategien. Denn Herabstufungen beim Rating wirken sich gravierend auf die Bankgeschäfte aus: "Zunächst steigen die Refinanzierungskosten der Institute an, damit sinken die Gewinnmargen", sagt Michael Zlotnik, Managing Director und verantwortlich für deutsche Banken bei der Ratingagentur Standard & Poor?s. Ein Teil der bisherigen Geschäfte der Landesbanken lohne sich dann "schlicht nicht mehr".

Spezielle Geschäfte, beispielsweise mit Derivaten, könnten die Institute nur ausführen, wenn sie ein gewisses Mindestrating erhielten, ergänzt Zlotnik: "Wenn ich irgendwo in der Single-A-Kategorie lande ist es keine Margenfrage mehr, ich bin dann kein Spieler mehr in dem Markt". Derzeit bewerten die Agenturen die Bonität der Landesbanken mit der Höchstnote "AAA".

"Rutschen wir in die 'BBB'-Kategorie ab, müssen wir ein völlig neues Geschäftsmodell entwerfen", bestätigt Günter Merl, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Hessen- Thüringen (Helaba). "Zwar bedeutet Rating nicht alles, aber es liegen Welten zwischen den Strategien von Banken, deren Bonität mit 'BBB' oder 'AA' bewertet wird.

WestLB strebt "AA-" an

Erst bei einigen Landesbanken ist klar, auf welches Geschäftsmodell sie setzen. So wird die WestLB in eine öffentliche Investitionsbank NRW und eine private WestLB AG aufgespalten. Die AG soll sich als Großkundenbank profilieren, weshalb LBS, der Wertpapierabwickler WPS und die Provinzial-Beteiligung verkauft werden sollen. Als Ratingziel hat WestLB-Chef, Jürgen Sengera, ein "AA-" ausgegeben, zwei Stufen schlechter als bisher.

Die Eigentümer der Bayerischen LB haben sich für eine Finanz-Holding entschieden. Zudem führten die Münchener einige wichtige strategische Schritte bereits aus: Sie übernahmen die Mehrheit der Saar LB und vereinbarten eine Überkreuzbeteiligung mit der französischen Staatsbank CDC (Caisse des Dépots et Consignations). Außerdem kooperieren sie mit der Helaba.

In dieser Kooperation sieht Helaba-Chef Merl ein wichtiges Instrument, um auf die Herausforderungen aus Brüssel zu reagieren. Allerdings haben sich beide Institute bisher nur auf die Zusammenarbeit in einigen Randgeschäftsfeldern wie Immobilien-Research, Fusionsberatung von Mittelständlern oder Wertpapierabwicklung geeinigt.

Keine gravierenden Strategie-Änderungen löste die Brüsseler Einigung bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aus. Die Stuttgarter hatten bereits Anfang 2000 durch die Eingliederung der Landesgirokasse - der zu diesem Zeitpunkt größten Sparkasse - ihr Geschäftsmodell als Regionalbank gefestigt. Seit dieser vertikalen Fusion verfügt die LBBW über ein umfassendes Privatkundengeschäft, was sich positiv auf das Rating auswirkt. Vertikale Fusionen sind eine "ideale Lösung", sagt der Ratingexperte Samuel Theodore von Moody?s. Doch dagegen sträuben sich die Sparkassen, welche im Schnitt profitabler arbeiten als die Landesbanken.

Anfang des Jahres vollzog die LBBW die Übernahme der privaten BW Bank und baute ihre Vormachtstellung in der Region aus. Interessiert ist sie auch an einer Übernahme der LB Rheinland-Pfalz, an der sie 12,5 % hält. In Mainz zeigt man sich gegenüber der LBBW aufgeschlossen und lobt die seit Jahren gut laufende Zusammenarbeit. Mit konkreteren Aussagen will sich Klaus Adam, Chef der Mainzer LB, allerdings nicht nach vorn wagen.

Der größte Unruheherd liegt in Hamburg und Kiel. Beide Länder sind klamm und bereit weitere Anteile ihrer Landesbanken abzugeben. Zudem befürwortet Kiel eine Fusion beider Banken. Derzeit hält die LB Kiel 49 % an der Hamburger Bank. Die Hanseaten signalisierten jüngst, mit 5 bis 10 % in Kiel einsteigen zu wollen. Unklar ist das künftige Geschäftsmodell der NordLB. Deren Kräfte bindet vor allem der anvisierte Ausbau des Engagements bei der angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin.

Mitarbeit: Nicole Walter

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