Wegfall von Mandaten soll durch ein Mehr an Leistungen kompensiert werden – Große Banken ziehen sich aus dem Geschäft zurück
Handelshäuser setzen auf Aktienbetreuung

Das Geschäft mit der Betreuung von Aktien geht zurück. Grund ist die Abschaffung des Neuen Marktes. Doch für einige Banken eröffnen sich Chancen: Vom kleineren Kuchen dürften sie sich größere Stücke angeln.

FRANKFURT/M. Die Änderung der Aktienindizes der Deutschen Börse entpuppt sich als Gewinn für einige kleinere Wertpapierhandelsbanken. Sie erwarten einen Schub im Geschäft mit der Betreuung von Aktien. Die Handelshäuser, die in diesem Geschäftsfeld ihre Nischen entdeckt haben, dürften davon profitieren, dass sich die großen Banken weiter zurück ziehen werden. Die kleinen Häuser positionieren sich deshalb neu, um sich auf die veränderten Rahmenbedingen einzustellen.

Bislang waren für die am Neuen Markt und im Smax notierten Werte zwei so genannte Designated Sponsors Pflicht. Das sind Betreuerbanken, die jederzeit die Handelbarkeit einer Aktie aufrecht erhalten. Ab 2003 wird es von der Liquidität einer Aktie abhängen, ob überhaupt ein Betreuer gefordert wird. Derzeit werden noch von den am Neuen Markt und im Smax notierten Unternehmen 678 Mandate vergeben.

In Zukunft werden Unternehmen mit ausreichend Liquidität, etwa T-Online, keine Designated Sponsor mehr benötigen. Für mittelgroße Gesellschaften soll ein Betreuer Pflicht sein, für kleine sind zwei von Nöten. Ein Teil des Geschäfts, für das derzeit 60 Betreuerbanken im Schnitt zwischen 20 000 Euro und 150 000 Euro je Mandat kassieren, fällt deshalb weg.

Doch das kümmert die kleineren Handelshäuser kaum. Sie fürchten nicht um ihr Geschäft, sondern hoffen sogar, es ausbauen zu können. So ist Lang & Schwarz inzwischen neben der Betreuung der eigenen Mandate auch für Sal. Oppenheim tätig. "Mit dem Market Making für andere Banken gehen wir neue Wege" sagt Günter Soubusta, Vorstand bei Lang & Schwarz. Mit einer weiteren Bank stehen die Gespräche kurz vor dem Abschluss.

Ein anderer Weg, aus dem vermeintlich geringer werdenden Geschäft, Nutzen zu ziehen, ist das in Großbritannien praktizierte Modell einer Investmentbank, die als so genannter "Corporate Broker" für ihren Kunden alle Service- und Beratungsleistungen wahrnimmt. Research, die Vermarktung der Aktie, Kapitalmarktkommunikation sowie die Beratung in Unternehmensführung- und Kontrolle (Corporate Governance) bilden dabei ein Gesamtpaket. Die Frankfurter Equinet AG ist hiermit bereits erfolgreich. Trotz der wegfallenden Pflicht zum Designated Sponsor ist man optimistisch: "Natürlich kann es sein, dass sich ein Kunde von uns trennt", sagt Vorstand Lutz Weiler. "Unser Modell bringt uns allerdings wesentlich mehr neue Adressen als wir verlieren werden." Erst zu Jahresbeginn ist Equinet mit diesem Modell gestartet, inzwischen gehören bereits 23 Unternehmen des Neuen Marktes und des Smax zu den Kunden, darunter Größen wie Aixtron, Pfeiffer Vacuum oder Thiel Logistik.

Ein Vorteil für Equinet und Co. ist auch, dass sich viele Großbanken wegen der Börsenflaute aus dem Geschäft mit Designated Sponsors zurückziehen oder die Gebühren drastisch erhöhen. Die Wertpapierhandelshäuser stießen in diese Lücke. Dabei hatten sie auch einen Hintergedanken: Für 100 Mandate inländischer Firmen an der Deutschen Börse erhielten sie die Zulassung zu Xetra Best. Damit können sie Aufträge von Kleinanlegern mit eigenen Beständen abwickeln.

Allerdings gibt es auch Bedenken in Bezug auf die neuen Vorschriften für Designated Sponsors. Unternehmen von gewisser Größe und mit einer liquiden Aktie sind künftig weit weniger auf die Dienste einer Betreuerbank angewiesen als kleine Unternehmen, bei denen bereits kleine Nachrichten große Kursausschläge auslösen können. "Es werden deshalb eher die Großen sein, die künftig reduzieren", sagt Florian Weber vom Düsseldorfer Börsenmakler Schnigge. Die Kleinen seien für die Dienste jedoch dankbar. "Wenn hier kursbeeinflussende Meldungen kommen, sind diese Unternehmen froh, dass jemand den Kopf hinhält", sagt Weber. Die Kosten für ein Listing würden sich deshalb für sie mehrfach amortisieren. "Wir sehen allerdings erhöhten Beratungsbedarf" sagt Oliver Keil von der Frankfurter Handelsbank N.M. Fleischhacker.

Die Unternehmen, die die Anzahl der Designated Sponsors reduzieren, müssen aber auch bei den kleineren Betreuerbanken mit höheren Kosten rechnen. "Wenn ein Unternehmen auf eine Betreuerbank reduziert, muss diese auch eine größere Last tragen", sagt Guiseppe-Guido Amato von Lang & Schwarz. In Folge dessen dürften sich auch die Kosten erhöhen.

Das letzte Wort ist bei den Designated Sponsors aber noch nicht gesprochen. Die Börse arbeitet noch an den Details. Und Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert, dass zumindest Unternehmen, die in einem Index gelistet sind, mindestens einen Designated Sponsor für einen geregelten Handel haben sollten. Sollte die Börse diesen Vorschlag umsetzen, dürfte das ein weiterer Gewinn für die Wertpapierhandelshäuser sein.

Quelle: Handelsblatt

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