Wehrtechnik-Verkäufe ins Ausland sind umstritten
Röchling-Familie bereitet Rheinmetall-Verkauf vor

Mitglieder der Röchling-Familie wollen bis Mai 2003 ihre Rheinmetall-Aktien verkaufen. Für den kompletten Konzern streben sie einen Verkaufserlös von einer Milliarde Mark an. Dem Vorstand winkt eine Erfolgsbeteiligung.

Die Röchling Industrie Verwaltung GmbH (RIV), Mannheim, Mehrheitsaktionär der Rheinmetall AG, bereitet den Verkauf des Düsseldorfer Mischkonzerns vor. Mehrere Mitglieder der Röchling-Familie wollen sich in einer "Wertsteigerungsgruppe" zusammenschließen. Ihr Ziel: Bis Mai 2003 soll Rheinmetall für mindestens 1 Mrd. DM verkauft werden. Das geht aus Unterlagen vor, die dem Handelsblatt vorliegen.

Gesellschafter zogen nicht immer an einem Strang

"Projekt Wertsteigerung" heißt das Papier, das die renommierte Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer entworfen hat. Wie viele RIV-Gesellschafter der "Wertsteigerungsgruppe" beitreten werden, ist noch unklar. Die Familienmitglieder haben bis zum 11. Januar 2002 Zeit, sich für eine Teilnahme zu entscheiden. Bereits früher hatte sich gezeigt, dass die 261 Gesellschafter der RIV nicht immer an einem Strang ziehen.

Der Verkaufpreis von 1 Mrd. DM ist ein ehrgeiziges Ziel. Der RIV gehören 72,7 % der Stammaktien und 10,5 % der Vorzugsaktien der Rheinmetall AG. Addiert hat das Paket zurzeit einen Wert von rund 500 Mill. DM.

Auch mit Blick auf die Ertragslage scheinen die Preisvorstellungen der Röchlings ambitioniert zu sein. Nach einem schwachen Jahr 1999 mit einem auf 70 (174) Mill. Euro gesunkenem Betriebsergebnis konnte der Rheinmetall-Konzern im vergangenen Jahr wieder ein Ergebnis von 149 Mill. Euro erzielen.

Management soll "Zwergbeteiligung" erhalten

Um dennoch in die Nähe des Wunschpreises zu gelangen, wollen die Röchlings das Rheinmetall-Management über eine Erfolgsbeteiligung in die Pflicht nehmen. Wird ein Verkaufspreis von mehr als 1,1 Mrd. DM erzielt, erhält der Rheinmetall-Vorstand 60 % des Überschusses. Bei 1,1 Mrd. DM stehen den Managern 5 % des gesamten Erlöses zu. Liegt der Preis darunter, sinkt die Beteiligung bis auf 2 %. Darüber hinaus soll das Rheinmetall-Management eine so genannte "Zwergbeteiligung" (1 %) an der RIV erhalten.

Damit der Verkaufserlös möglichst steuerneutral an die Familienmitglieder ausgeschüttet werden kann, muss die Struktur der RIV geändert werden. Sie soll eine reine Holding für Rheinmetall werden. Die übrigen RIV-Töchter - mehrere kleine Unternehmen - sollen auf andere Gesellschaften übertragen werden.

Sollte ein Verkauf bis Mai 2003 nicht gelingen, kann das "Projekt Wertsteigerung" um 16 Monate verlängert werden. Bleibt Rheinmetall auch dann ohne neuen Eigner, soll der alte Zustand wieder hergestellt werden. Das Rheinmetall-Management muss dann seinen RIV-Anteil (1 %) wieder zurückgeben.

Offenbar erlaubt es das Modell auch, dass sich nur einzelne Familienmitglieder von ihren Rheinmetall-Anteilen trennen, andere aber an ihrem Besitz festhalten. Dies könnte eine interessante Option etwa für Finanzinvestoren oder strategische Partner sein.

Verkauf der Wehrtechnik ins Ausland umstritten

Die Pläne der Röchling-Familie dürften im politischen Lager auf wenig Begeisterung stoßen. Vor allem ein Verkauf der Wehrtechnik ins Ausland, etwa in die USA, gilt als problematisch. Die Bundesregierung will das verhindern und hat deshalb bereits vor Jahresfrist in einem Gespräch mit den deutschen Rüstungsherstellern großes Interesse an einer Kapitalverflechtung der Unternehmen bekundet.

In der Marinetechnik (U-Boote und Fregatten) will der Bund die Verbindung zwischen der mehrheitlich zur Babcock-Gruppe gehörenden Werft HDW und den Thyssen-Krupp-Schiffbauern Blohm + Voss und Thyssen Nordseewerke vorantreiben. In der Heerestechnik würden neben Rheinmetall vor allem die Münchner Krauss Maffei-Wegmann, die mehrheitlich in Familienbesitz ist und zu 49 % Siemens gehört, sowie die Nürnberger der gleichnamigen Familie für einen solchen Verbund in Betracht kommen. Die Unternehmen arbeiten seit Jahren in Konsortien eng zusammen, so zum Beispiel beim Kampfpanzer Leopard. Dennoch wurden die Gespräche über eine weitergehende Verflechtung immer wieder erschwert, weil Rheinmetall die Führungsposition für sich beansprucht.

Tatsächlich hat der Konzern, der seinen Umsatz von 4,5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr zu knapp einem Viertel mit Wehrtechnik-Geräten und zu 12 % mit Wehrtechnik-Elektronik erwirtschaftete, seine Position in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Die Käufe von STN Atlas Elektronik und der Schweizer Oerlikon Contraves machten Rheinmetall zu einem führenden Konzern in der Wehrelektronik.

Auch auf den Gebieten Munition und landgestützte Waffen hat sich das Unternehmen verstärkt. Unter anderem vereinbarte das Management eine Allianz mit dem US-Unternehmen ATK.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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