Weichen für Afghanistan-Konferenz gestellt
25 Mill. Dollar Kopfgeld für Ergreifung bin Ladens

Die Weichen für die Verhandlungen zur Bildung einer Übergangsregierung in Afghanistan auf breiter Basis sind gestellt. Dazu findet nach den Worten von Bundesaußenminister Joschka Fischer eine Konferenz in Berlin statt. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes beginnt das von den Vereinten Nationen vermittelte Treffen am kommenden Montag.

dpa NEW YORK/BERLIN. Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, sprach in New York von einem Treffen "in oder um Berlin". Brahimi sagte, er sei von den Zusagen der vier größten afghanischen Fraktionen "sehr ermutigt" und hoffe, dass die Konferenz der Beginn eines neuen Afghanistan werde.

Außenminister Fischer begrüßte in Washington die Entscheidung der Vereinten Nationen, in Deutschland mit den afghanischen Parteien über die Bildung einer Übergangsregierung für ihr Land zu beraten. "Ziel der Konferenz ist es, schnellstmöglich eine Übergangsregierung zu bilden", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin.

Nach Angaben aus UN-Kreisen hat der 1996 vertriebene und jetzt nach Kabul zurückgekehrte afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani als politischer Führer der Nordallianz dem UN-Beauftragten Francesc Vendrell sein Einverständnis zur Teilnahme an der Konferenz erklärt. In einem CNN-Interview schränkte Rabbani aber ein, die Konferenz könne nur der Auftakt für langwierige Verhandlungen sein und werde "hauptsächlich symbolischen Charakter haben". Die eigentlichen Verhandlungen müssten unbedingt in Afghanistan selbst stattfinden.

Der afghanische Exil-König Sahir Schah will nicht an der Konferenz teilnehmen. Allerdings werde er eine hochrangige Delegation schicken, sagte ein Sprecher des in Rom lebenden 87 Jahre alten Ex-Monarchen.

Der Sprecher der deutschen UN-Mission, Botschafter Hanns Schumacher, sagte der dpa, die Bundesregierung setze mit der Konferenz in Berlin ihre vor längerer Zeit begonnene Unterstützung für die Suche nach einer Lösung des Afghanistan-Konfliktes fort. Er verwies darauf, dass Deutschland seit Jahresbeginn den Vorsitz in der Afghanistan-Unterstützungsgruppe (ASG, Afghanistan Support Group) innehat. Die in der ASG vertretenen rund 30 vor allem westlichen Geberländer mobilisieren humanitäre Hilfe und bereiten auch Unterstützung für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes vor.

Bislang sei noch weitgehend unklar, wer die einzelnen afghanischen Gruppen vertreten werde und ob alle mit am Runden Tisch sitzen werden. Brahimi und sein Stellvertreter Vendrell stünden in intensiven Kontakten, um diese Einzelheiten zu klären. Schumacher warnte vor überzogenen Erwartungen. Nach den Vorstellungen Brahimis gehe es in Berlin um "die ersten Schritte auf dem Weg zu einer Übergangsverwaltung, noch nicht einmal zu einer Übergangsregierung".

Die amtierende Präsidentin des Weltsicherheitsrates, Jamaikas UN - Botschafterin Patricia Durrant, begrüßte die Entwicklung im Namen aller 15 Mitglieder des höchsten UN-Entscheidungsgremiums. Der Sicherheitsrat appelliere an alle afghanischen Parteien, "mit gutem Willen und bedingungslos" nach Berlin zu reisen.

Nach Ansicht von Andreas Rieck vom Deutschen Orient-Institut sind die Aussichten auf Bildung einer stabilen Übergangsregierung in Afghanistan ausgesprochen gut. Das repressive Regime der "Koranschüler" mit "Vertreibungen, Massakern und großen Zerstörungen" sei für die Führer aller Volksgruppen des Landes eine "heilsame Erfahrung" gewesen. "Alle Kräfte sollten gesehen haben, dass der Versuch, mit militärischen Mitteln die Alleinherrschaft über das Land zu erkämpfen, in eine Sackgasse geführt hat", sagte Rieck der dpa.

Die USA verstärkten indes ihre Suche nach Terroristenchef Osama bin Laden. Sie setzten ein Kopfgeld in Höhe von 25 Mill. $ auf ihn aus und schicken zusätzlich 1600 Elitesoldaten nach Afghanistan, um ihn zu finden. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, er gehe davon aus, dass die Belohnung viele Menschen dazu bringen werde, "durch die Tunnel und Höhlen zu kriechen" und nach den Terroristen Ausschau zu halten. US-Präsident George W. Bush sagte in Washington, der US-Militäreinsatz gegen die Taliban und das Terrornetzwerk El Kaida mache große Fortschritte. "Sie fliehen und versuchen, sich zu verstecken. Aber wir sind ihnen auf den Fersen."

US-Außenminister Colin Powell eröffnete am Dienstag das erste Vorbereitungstreffen für den Wiederaufbau Afghanistans. Vertreter der sieben führenden Industrienationen (G-7) und von über zehn weiteren Ländern beraten dabei über Koordination und Kosten des Wiederaufbaus.

In Afghanistan ging am Dienstag der Kampf um die beiden letzten größeren Taliban-Stützpunkte Kundus und Kandahar weiter. Ein Ende der Einkesselung der zwischen 3000 und 30 000 Taliban-Kämpfer in Kundus zeichnete sich nicht ab. Brahimi bestätigte in New York, dass die Taliban-Führung in Kundus am Montagabend um UN-Vermittlung bei ihrer Kapitulation ersucht habe. UN-Generalsekretär Kofi Annan habe Kontakt mit dem Internationalen Roten Kreuz aufgenommen und zugleich die Nordallianz aufgefordert, bei der Übernahme von Kundus das Kriegsrecht und alle internationalen Menschenrechte zu befolgen.

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