Weichen für die Insolvenz gestellt: Grundig-Vorstandschef muss gehen

Weichen für die Insolvenz gestellt
Grundig-Vorstandschef muss gehen

Der existenzbedrohte Elektronikkonzern Grundig stellt die Weichen in Richtung Insolvenz. Der Aufsichtsrat berief am Dienstag den in Insolvenzfällen erfahrenen Rechtsanwalt Eberhard Braun zum neuen Vorstandschef. Vorgänger Hans- Peter Kohlhammer muss gehen.

HB/dpa NÜRNBERG/MÜNCHEN. Nach einer Sitzung in München schloss der Aufsichtsrat nicht aus, dass es zum Insolvenzverfahren kommen werde. Unternehmenssprecher Holm Kilbert sagte, die so genannte Insolvenz in Eigenverwaltung sei eine der Möglichkeiten, die derzeit überlegt würden. Bei diesem Verfahren wird das Management von einem Sachwalter kontrolliert, hat aber größeren operativen Spielraum. Man spreche aber auch mit möglichen Investoren und mit den Banken, sagte Kilbert. Entscheidungen würden bis Ende der Woche erwartet. Grundig ist hoch verschuldet und verfügt kaum über Eigenkapital.

Braun wickelt unter anderem die Insolvenzen des baden- württembergischen FlowTex-Konzerns und des oberbayerischen Regionalflugzeugbauers Fairchild Dornier ab. Er bringe langjährige Erfahrung in vergleichbaren Unternehmenssituationen mit, die "für die anstehenden Umgestaltungen nutzbar gemacht werden" solle, hieß es. Der Aufsichtsrat erklärte, man halte auch nach der Absage der türkischen Beko-Gruppe an dem Ziel fest, einen finanzkräftigen Investor zu finden. "Es bestehen auch aussichtsreiche Kontakte zu weiteren Interessenten", hieß es. Beko hatte die geplante Grundig- Übernahme am Montag überraschend platzen lassen. Grundig-Eigner und Aufsichtsratschef Anton Kathrein hatte an der Sitzung nicht teilgenommen.

Der Vorstand werde das Ziel, den technologischen Kern des Unternehmens und seiner wichtigen Tochtergesellschaften zu erhalten, weiter verfolgen, "um unter Einbindung von Investoren eine markt- und wettbewerbsfähige Struktur zu schaffen", teilte die Grundig AG weiter mit. Mit dem Wechsel an der Vorstandsspitze wolle man den "strategisch veränderten Rahmenbedingungen" auch personell Rechnung tragen. Kohlhammer stand seit Mai 2001 an der Spitze von Grundig. Er werde dem Vorstand weiterhin insbesondere bei Gesprächen mit Investoren beratend zur Verfügung stehen, hieß es. Die weiteren Vorstandsmitglieder Günter Moissl und Werner Saalfrank sollen im Amt bleiben.

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