Weichen für Zukunft gestellt
Audi-Chef Paefgen wechselt zu Rolls-Royce

Der Volkswagen-Konzern wird in zwei eigenständige Markenfamilien aufgeteilt. Der Aufsichtsrat beschloss in seiner Sitzung am Freitag in Wolfsburg neben mehreren personellen Veränderungen, dass die Marke VW künftig die "klassische" Sparte und Audi die eher "sportlichen" Markenfamilie anführen soll.

Reuters HAMBURG. Damit ebnete das Kontrollgremium den Weg für den designierten Vorstandschef Bernd Pischetsrieder, der diese Neugliederung vorgeschlagen hatte. Das Investitionsvolumen bis 2006 wurde zugleich angesichts der schwachen Aussichten für die Autokonjunktur leicht verringert. Audi-Chef Franz-Josef Paefgen verlässt den Konzern nicht, sondern wechselt überraschend als Geschäftsführer zur Konzerntochter Rolls-Royce/Bentley. Sein Nachfolger wird der bisherige Entwicklungschef von VW, Martin Winterkorn.

Analysten begrüßten die Neuaufteilung der Marken ebenso wie das etwas geringere Investitionsvolumen. Mit den Konzernsparten verringere Volkswagen die künstliche Konkurrenz zwischen den einzelnen Marken. Kritiker hatten die Plattformstrategie von Volkswagen dafür verantwortlich gemacht, dass preisgünstige Modelle von Seat und Skoda Käufer zu Lasten von VW abzögen.

Das Investitionsvolumen wurde im Vergleich zum bisherigen Planungszeitraum bis 2005 auf 60,6 Mrd. von zuvor 63,5 Mrd. DM zurückgenommen. Schwerpunkt ist mit rund 41 Mrd. DM die Erweiterung und Modernisierung der Produktpalette. Hier hat Pischetsrieder bereits angekündigt, dass der Konzern mehr Nischenmodelle anbieten werde.

Ein Konzernsprecher sagte, an der von VW-Chef Ferdinand Piech eingeleiteten Modelloffensive ändere sich damit nichts. Der zufolge sollte die Auto-Palette bis 2005 auf über 100 Modelle verdoppelt werden.

Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte: "Bisher hat VW seinen Cash-Flow gleich wieder verfeuert, teilweise in Projekte, die wenig Sinn machen." Wenn VW das Investitionstempo jetzt zurücknehme, sei das eine gute Nachricht. Pia-Christina Schulze von Merck Finck, sagte, das Investitionsniveau werde an die geänderte Strategie angepasst. Außerdem müsse VW vorsichtiger mit dem Geld umgehen, weil die Wirtschaftsaussichten nicht mehr so positiv seien.

Der Aufsichtsrat beschloss, dass Audi-Chef Paefgen entgegen anders lautenden Erwartungen von Konzernbeobachtern das Unternehmen zunächst nicht verlässt, sondern zum März 2002 als Vorsitzender der Geschäftsleitung zur Konzerntochter Rolls-Royce und Bentley wechselt. Paefgen soll außerdem die Bereiche Konzernforschung sowie die Motorsportaktivitäten aller Marken leiten und wurde ferner zum Generalbevollmächtigten von Volkswagen berufen. Analysten werteten dies als "Trostpflaster". Paefgen werde Volkswagen in absehbarer Zeit verlassen. Vor der Aufsichtsratssitzung war erwartet worden, dass Paefgen den Konzern verlässt, weil er als Audi-Chef abgelöst werden sollte.

Zum neuen Audi-Vorstandschef berief der Aufsichtsrat den bisherigen Entwicklungschef von VW, Martin Winterkorn, der damit zugleich die Markengruppe mit sportlicher Ausrichtung leitet. Zu dieser Sparte gehören neben Audi die Marken Seat und Lamborghini. Winterkorn gilt in der Branche als "Piech-Mann", wodurch Piech als künftiger Aufsichtsratschef von VW Einfluss auf dessen Modellfamilie behalte. Der Volkswagen-Markengruppe gehören neben VW die Marken Skoda, Bentley und Bugatti an.

Pischetsrieder, der am 17. April das Ruder des VW-Konzerns übernehmen soll, wird neben seiner Funktion als Vorstandschef in Personalunion die Markengruppe Volkswagen leiten, die ein eher klassisches Profil erhält. Außerdem werde Pischetsrieder zum 1. März 2002 den Bereich Forschung und Entwicklung übernehmen, für den Winterkorn bisher zuständig war. Die Qualitätskontrolle des Konzerns, die Pischetsrieder bei seinem Einstieg bei VW Mitte vergangenen Jahres übernommen hatte, soll Pischetsrieder behalten.

Interessant unter den weiteren Personalentscheidungen ist noch, dass der bisher im Audi-Vorstand für das Personalressort zuständige Andreas Schleef zusätzlich die Leitung der Marke Seat übernimmt, für die bisher Pischetsrieder verantwortlich war.

Die gesamte Nutzfahrzeugsparte des Konzerns, zu der auch die schwedische Scania gehört, wird künftig durch den Bereich VW Nutzfahrzeuge geführt. Die bisher getrennten Geschäftsfelder "Financial Services" und "Europcar" würden künftig unternehmerisch gemeinsam geführt, teilte VW mit.

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