Weichenstellung für einen Wechsel an der Spitze
Goldman Sachs ordnet Führungsriege neu

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat drei Manager zu Vice Chairmen ernannt. Dies werten Analysten als Weichenstellung für einen Generationenwechsel an deren Spitze. Goldman Sachs befindet sich in einer schwierigen Situation, das Institut hat gerade den sechsten Ergebnisrückgang nacheinander verkündet.

tor NEW YORK. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat offenbar die Weichen für einen Generationswechsel an der Spitze gestellt. Das Unternehmen ernannte Lloyd Blankfein (47) , Robert Steel (50) und Robert Kaplan (44) zu Vice Chairmen. Dadurch rücken die drei Manager in den engeren Führungskreis um das Spitzentrio des Unternehmens. Goldman Sachs wird geführt von Chairman Henry Paulson und den beiden Chief Operating Officers John Thain und John Thornton.

"Es sieht so aus, als wenn sie die nächste Generation installieren", sagte Reilly Tierny, Analyst bei der Investment-Boutique Fox-Pitt, Kelton in New York. Es sei Tradition bei Goldman Sachs, die Weichen lange vor einem Führungswechsel zu stellen. An der Wall Street gilt es jedoch als ausgemacht, dass zunächst Thain und Thornton die Führungsrolle des gerade 56 Jahre alt gewordenen Paulson übernehmen werden. Eine Doppelspitze ist für Goldman nicht ungewöhnlich. Paulson teilte sich die Aufgabe eine Zeit lang mit Jon Corzine, bevor dieser freiwillig ausschied und eine politische Karriere als Senator in Washington einschlug. Zuvor bildeten bereits Robert Rubin und Stephen Friedman sowie John Weinberg und John Whitehead ein Führungsduo bei der amerikanischen Investmentbank.

Die drei neu ernannten Vice Chairmen werden an Thain und Thornton berichten. Blankfein und Steel sollen gemeinsam die Verantwortung für die Bereiche Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffe übernehmen. Kaplan wird das Banking und Investment Management führen. Ihre Aufgabe ist es, Strategien für ihre jeweiligen Geschäftszweige zu entwickeln, dabei alle Ressourcen von Goldman zu nutzen. "Wir haben die drei gebeten, unsere Ressourcen systematisch zusammenzuführen", sagte Goldman-Chef Paulson.

Goldman Sachs befindet sich wie auch die anderen Investmentbanken in einer schwierigen Situation. Die Bank hat gerade den sechsten Ergebnisrückgang hintereinander vermeldet. Der Gewinn brach in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 32 Prozent ein. Obwohl Goldman seine Spitzenposition im Geschäft mit Übernahmen und Fusionen sowie bei der Begleitung von Börsengängen behaupten konnte, leidet die Bank unter dem Geschäftseinbruch im Investmentbanking. Die Zahl der Firmentransaktionen ist nach dem Platzen der Internetblase deutlich zurück gegangen, die Neuemission von Aktien kommt nur langsam wieder in Gang. Auch das Anleihegeschäft ist im ersten Quartal weiter abgesackt. Goldman Sachs will auf Grund der schlechten Marktbedingungen bis zu 1 360 Mitarbeiter entlassen.

Umstritten ist, wie schnell der Führungswechsel an der Spitze des Unternehmens kommt. Einerseits ist Paulson mit 56 Jahren noch nicht im Pensionsalter. Durch die Benennung der zweiten Führungsreihe hat sich der Druck auf ihn jedoch zweifellos erhöht. "Thornton und Thain wollen möglicherweise nicht mehr zehn Jahre warten, bis Paulson seinen Platz räumt", sagte Nils Lindskoog, Autor des Buches "Long Term Greedy, the Triumph of Goldman Sachs".

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