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Weihnachtsbummel im Netz – vergessen Sie’s

Advent, Advent, der Monitor brennt. Und im Hinterkopf der Gedanke: Geschenke müssen her, Geschenke, Geschenke. Einen neuen Neffen gibt?s, und Vater und Bruder haben auch noch Geburtstag in diesen Tagen - welch fiese Umstände...

Advent, Advent, der Monitor brennt. Und im Hinterkopf der Gedanke: Geschenke müssen her, Geschenke, Geschenke. Einen neuen Neffen gibt?s, und Vater und Bruder haben auch noch Geburtstag in diesen Tagen - welch fiese Umstände. Also hereinspaziert ins Netz und schauen wir mal, flattern doch täglich zig Meldungen herein, was sich alles online kaufen lässt.

So wirbt Shopping24.de besonders emsig für sein Weihnachtsspecial - nun gut, beginnen wir dort. Eine Top-10-Liste der beliebtesten Geschenke soll es geben, das klingt doch gut. Die Spannung steigt, ein Popup-Fenster stimmt uns bunt und ungefragt aufs Fest ein, aber dann: "Die Seite wurde nicht gefunden." Geschlossen quasi. Ladenschluss?

Nächster Anlauf, mal auf gut Glück getippt: geschenke.de. Aktien des Kölner Gummiwarenherstellers Condomi sind das einzige Angebot. Ja wie. Etwas exklusiver darf es schon sein? Na gut, Yuleclub.de offeriert solche Dinge, und trotz des merkwürdigen Namens gehen wir mal schauen. Was erwartet uns? Dr. Hauschkas Gesichtspflegepaket, ein überzeugendes Pflegekonzept für die Harmonisierung der eigenen Hautfunktionen für nur 139 DM. Nun ja. Und ein Stollen für 35,80 DM, auf dem virtuellen Adventstisch präsentiert, ist arg teuer und zu Weihnachten wohl auch schon überholt.

Also der Umweg über die Suchmaschine Google.com. "geschenk* weihnacht*" getippt und gewartet, da schau her: Eine Firma namens Calicado hat es sich was kosten lassen, ihre Seiten so zu gestalten, dass sie hübsch oben stehen in der Trefferliste. Das Angebot aber ist einigermaßen mies. Auf einer gähnend leeren Weihnachtsseite heißt es: "Nichts gefunden? Kaufen Sie einen Supergutschein!" Nein danke, zumal ein paar Suchtreffer weiter ein Geschenke-Ratgeber der Schülerzeitung Graffiti mahnt: "Ganz schlecht kommen auf jeden Fall Gutscheine an."

Weiter geht das muntere Klicken, doch die Lust geht langsam verloren. Sternennamen gibt es auf einer kitschigen Homepage zu verteilen, Inseln sind zu kaufen für Preise jenseits von Gut und Böse, Pelzmäntel gar und Bücher, Bücher, Bücher. Fazit also, frei nach Ernst Jandl: Ein Weihnachtseinkauf ist ein Weihnachseinkauf ist ein Weihnachtseinkauf. Die Füße werden zwar geschont, die Nerven indes nicht und die Zeit ist weg: Der reale Bummel steht noch aus.

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