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Weihnachtsgrüße via E-Card

An Traditionen muss man festhalten - notfalls mit Hilfe der modernen Technik.

Großbritannien ist ein Land der Traditionen. Und zu einer ganz beson-ders ausgeprägten Gewohnheit auf der Insel gehört, in der Vorweih-nachtstzeit tonnenweise Christmas-Karten zu verschicken. Richtig - tonnenweise. Nicht wie in Deutschland, wo man eben seinen engsten Geschäftsfreunden ein paar nette Zeilen zum Fest zukommen lässt. Die Engländer schütten sich regelrecht gegenseitig ihre Büros mit Karten zu, die natürlich alle aufgestellt werden müssen - oder mangels Platz an Leinen gehängt die Räume füllen. Der Text ist zwar unpersönlich vorgedruckt, doch egal: Seht her, so beliebt bin ich!

Wie alle Traditionen unterliegt aber auch das britische Weihnachtskar-ten-Bombardement dem Wandel der Zeit. Mit Computer und Internet ist das papierlose Büro längst Realität geworden. Und so "flattern" zum Fest auf der Insel immer öfter die Weihnachtsgrüsse von Firmen via E-mail ins Büro. Dabei ist es wie mit den alten Pappvorbildern: Manche E-Cards sind so langweilig, dass man gleich die Lösch-Taste drückt. Andere dagegen haben Idee und Pep. Vom neuen britischen Mobilfunker mmO2 etwa kam die Tage eine kleine Schneekugel auf den Schirm, die per Tastendruck geschüttelt dicke Flocken rieseln lässt. "Leise rieselt der virtuelle Schnee...."

Der Trend zu den weihnachtlichen E-Grüssen ist allerdings nur ein Grund, dass die Branche der Kartenhersteller schon vor dem diesjährigen Fest über einen massiven Absatzeinbruch klagt. Der britische Markt mit Weihnachtskarten - geschätzt auf jährlich allein knapp 100 Mill. DM - muss Federn lassen, weil in Zeiten von Rezession und Stellenabbau viele Banken und Industriekonzerne nicht mehr Post als nötig versenden wollen. Bei der in die Krise geratenen Fluggesellschaft British Airways wird dieses Jahr zum Beispiel ganz auf Geschenke und Grüsse verzichtet. Da kommt die billige E-Card gerade recht.

Und wahrscheinlich hätte auch der Erfinder der gedruckten Weih-nachtskarten, der Londoner Kunstfreund (und erste Chef des berühmten Victoria and Albert Museum) Sir Henry Cole, nicht vor dem Versenden von Online-Grüssen zurückgeschreckt. Denn Sir Henry hatte schlichtweg ein Zeitproblem. Der beliebte Lebemann hätte Anfang Dezember im Jahr 1843 noch schnell 1 000 Karten handschriftlich verfassen müssen - unmöglich. Auf die Tradition zu verzichten war für den Briten aber ebenfalls ausge-schlossen.

Coles?s rettende Idee: Er ließ schnell Weihnachtskarten mit dem kurzen Text "Merry Christmas and a Happy New Year to you" drucken. Eine Industrie war geboren, an der sich über 150 Jahre nicht viel geändert hat. Heute könnte Coole allerdings ganz cool bleiben - per E-mail lassen sich die Grüsse schließllich selbst am Heiligabend noch rechtzeitig versenden.

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