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Weihnachtsrally, wo bleibst du?

Die Rally zum Monatsauftakt hat sich in der abgelaufenen Woche schnell als Strohfeuer erwiesen. Vor allem der Technologieindex Nasdaq ist wieder auf die Jahrestiefststände zurück gefallen. Doch auch die Gewinne der Blue Chips ging zum Wochenende die Luft aus

Es waren vor allem Wachstumsbedenken, die den Märkten zu schaffen machten. Die Anzeichen für eine Abkühlung der US-Konjunktur verdichten sich. Das bekammen auch die amerikanischen Unternehmen zu spüren, die in den vergangenen Tagen reihenweise ihre Gewinn- und Umsatzerwartungen nach unten korrigierten.



Und dabei fing die Woche noch recht aussichtsreich an. Rückendeckung kam dabei von Analystenseite. Die Brokerhäuser Credit Suisse First Boston und UBS Warburg erwarten ein rosiges Börsenjahr 2001. Die Analysten gehen davon aus, dass spätestens im ersten Quartal die Zinsen gesenkt werden, was, laut Thomas Galvin von der Credit Suisse, vor allem den Bereichen Technologie, Telekom, Finanz und Gesundheit zugute kommen dürfte.



Zusätzlich angekurbelt wurde der Markt durch Übernahmespekulationen, die sich im Wochenverlauf jedoch nicht weiter verdichteten. Gerücht Nummer eins: das Internetportal Yahoo sei ein attraktives Ziel für Medienkonzerne. Am Dienstag wurde Walt Disney als potenzieller Käufer ins Spiel gebracht. Gerücht Nummer zwei: der größte Handyhersteller Nokia könnte die Fühler nach dem größten Telekomausrüster Lucent ausstrecken.



Die Phase der Gerüchte haben Philip Morris sowie AOL und Time Warner längst hinter sich. Am Montag wurde die Übernahme der Nabisco Holding durch den Tabakkonzern Philip Morris für 18,9 Milliarden Dollar abgeschlossen. Erfreuliche Nachrichten gab es auch von America Online und Time Warner. Die amerikanische Wettbewerbsbehörde genehmigte die geplante Fusion der beiden Unternehmen einstimmig. Jetzt fehlt nur noch grünes Licht von der Kommunikationsbehörde, was als reine Formalie gilt. Spätestens Anfang nächsten Jahres dürfte der Deal dann endgültig unter Dach und Fach sein.



Doch zurück zu den Wachstumssorgen: Gewinnwarnungen von Eastman Kodak und dem Chiphersteller Advanced Micro Devices ließen die Börse zum Wochenauftakt noch kalt. Kodak konnte sogar Kursgewinne verbuchen. Weniger glimpflich kamen zur Wochenmitte Honeywell und General Electric davon. Beide Werte gehörten zu den größten Verlierern im Dow Jones Index. Der Mischkonzern Honeywell, der ja für 54 Milliarden Dollar an GE verkauft wird, hat die Gewinnprognosen für das vierte Quartal nach unten korrigiert.



Die Investmentbanken J.P. Morgan und die Chase Manhattan haben den Finanzsektor durch Gewinnwarnungen unter Druck gesetzt. Im vierten Quartal werden voraussichtlich beide Banken die Konsensschätzungen verfehlen. Als Begründung wird der schwache Aktienmarkt in den vergangenen Monaten angeführt. Zudem dürfte es schwer werden die guten Vorgaben aus dem Vorjahr zu wiederholen. Die Logistikunternehmen UPS und FedEx waren weitere Vertreter der Old Economy, die ihre Planzahlen voraussichtlich verfehlen werden.



Chip- und Computeraktien wurden durch revidierte Aussichten des Computerherstellers Compaq belastet. Verstärkt wurde der Trend durch den Softwaregiganten Microsoft, der die Erwartungen für das laufende Quartal um fünf bis sechs Prozent senkte. Die Kette ist offensichtlich: das Wirtschaftswachstum in den USA kühlt sich ab, Verbraucher werden sparsamer und kaufen zum Beispiel weniger PCs, und neben den Computerherstellern werden auch die Geschäftszahlen von Chip- und Softwareunternehmen belastet.



Doch es gab auch noch Unternehmen, bei denen die Wachstumssaussichten stimmen. Oracle etwa konnte am Freitag nach guten Quartalszahlen Kursgewinne melden. Auch der Softwarehersteller Adobe überzeugte mit seinen Zahlen.



Im insgesamt schwachen Umfeld ist die langersehnt Wahlentscheidung förmlich verpufft. Wall Street Liebling George W. Bush konnte den Aktienmärkten, zumindest in der abgelaufenen Woche, also keine entscheidenden Impulse geben.



Insgesamt dürften in der nahen Zukunft aber nicht das politische Umfeld, sondern Wachstumsaussichten und die Zinsentscheidung am kommenden Dienstag die Märkte beherrschen. Am Mittwoch hatten die Einzelhandelsdaten den Trend weiter untermauert, dass wir eine Abkühlung der US-Konjunktur erleben. Erzeuger- beziehungsweise Verbraucherpreise haben belegt, dass Inflation derzeit kein Thema in den USA ist. Eine Zinssenkung Anfang nächsten Jahres scheint damit in greifbarer Nähe zu sein.

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