Weil die Kurse nicht laufen, wird der Ruf nach Ausschüttungen lauter
Die Dividende ist der Speck der Aktie

Zur Zeit des Börsenbooms galt es als hoffnungslos altmodisch, das Wort "Dividende" überhaupt in den Mund zu nehmen. Heute sieht das ganz anders aus. Fonds und Zertifikate wählen Titel gezielt nach der Ausschüttungsrendite aus. Im Einzelfall bleibt allerdings zu prüfen, wie stabil die Gesellschaft ihre Zahlung halten kann.

DÜSSELDORF. Unter vielen Börsianern gilt es als ausgemacht: Wir stecken in einer Seitwärtsbewegung. Bei so einer Entwicklung kann man auch Geld verdienen - etwa über den Terminmarkt oder geschickt terminierten Ein- und Ausstieg. Es gibt aber eine wesentlich simplere Methode: Aktien mit hoher Dividendenrendite kaufen. Sie beschreibt das Verhältnis von Dividende zum Kurs der Aktie. Wenn man davon ausgeht, dass der Kurs wenigstens stabil bleibt, dann kommt die Dividendenrendite schlicht aus der Ausschüttung. In Zeiten der neuen Bescheidenheit ist das durchaus interessant.

Daher wird der Ruf nach Dividenden laut. Was früher als typisch für deutsche Kleinaktionäre galt, machen sich nun angelsächsische Profis zu eigen. Robert Goodman zum Beispiel, Chefökonom von Putnam Investment, fordert US-Firmen auf, mit höheren Ausschüttungen um das Vertrauen der Anleger zu werben. Er lobt das Vorbild von Federal Express: Diese Firma habe kürzlich zum ersten Mal überhaupt Geld ausgeschüttet. "Die negative Einstellung vieler Anleger gegenüber dem derzeitigen Aktienmarkt wäre erheblich positiver, wenn mehr Unternehmen Dividendenprogramme einführen würden und wenn Unternehmen, die bereits Dividende zahlen, diese erhöhen würden", schreibt Goodman in einem Report. Im Index S & P 500, der die Breite des US-Marktes abbildet, lägen die Ausschüttungen im ersten Halbjahr 2002 allerdings unter denen der entsprechenden Zeiträume in den letzten beiden Jahren. Einen ähnlichen Rückgang habe es zuletzt 1991 bis 1993 gegeben. Zurzeit liege die Ausschüttungsquote im S & P 500 bei 31 % der Betriebserträge - weit unter dem historischen Durchschnitt von 50 %.

Aus Sicht der Anleger kann man auch eine andere Rechnung aufmachen: Weil die Kurse so weit gesunken sind, finden sich jetzt Aktien mit recht hohen laufenden Renditen von 5 % und noch mehr (s. Tabelle). Beim Vergleich mit Anleihen muss man dabei berücksichtigen, dass Dividenden nur zur Hälfte versteuert werden, Zinsen dagegen ganz.

Das ist die glänzende Seite der Medaille. Leider muss man auch die Rückseite sehen: Häufig ist die Dividendenrendite deswegen so hoch, weil die Gesellschaft in Schwierigkeiten steckt. Beispiele für optisch renditereiche Aktien mit wirtschaftlichen Problemen sind in den USA Kodak Eastman oder im deutschen MDax Dyckerhoff.

Gefragt sind also Aktien, die neben der Rendite eine relativ hohe Sicherheit bieten. In den USA gilt zum Beispiel Philipp Morris als recht stabil, auch wenn der Konzern zurzeit den Absatz einiger Zigarettenmarken durch Preisnachlässe und intensive Promotion ankurbeln muss. Berndt Maisch, Fondsberater bei der BW Asset Consult, nennt als positive Beispiel in Europa Ölaktien wie Eni, Royal Dutch und OMV. Bei Finanzwerten ist der Manager des "BWK Dividendenstrategie Euro" vorsichtiger: "ABN Amro hat die Zwischendividende wie geplant gezahlt", hebt er jedoch hervor. Unter den Dax-Werten hält er Metro für stabil: "Häufig wird übersehen, dass bei diesem Konzern die Hälfte des Ertrags aus dem Ausland kommt." Thyssen-Krupp dürfte nach seiner Einschätzung ebenfalls die Dividende halten. Außerdem hat er zwei spezielle Tipps: die Vorzugsaktie von VW und die "Sparaktie" (entspricht der deutschen Vorzugsaktie) von Telecom Italia.

Es gibt auch Aktien, bei denen die Dividende wahrscheinlich gesenkt wird, aber die Rendite dennoch recht hoch bleiben dürfte. Robert Mazzuoli, Bank-Analyst bei ING, nennt als Beispiel die italienische Bank San Paolo Imi. Nach seiner Einschätzung wird sie eine Rendite von gut 4 % halten. Ein ähnlicher Fall ist Hugo Boss: Dort geht man nach Ankündigung des Vorstands davon aus, dass die Dividendenrendite künftig bei rund 4,5 % liegen wird.

Bleibt die Frage der Strategie. Anleger können nach Einschätzung der einzelnen Aktie auswählen - so geht der BWK-Fonds vor. Die andere Möglichkeit ist eine mechanische Strategie, bei der stur nach Kennziffern Titel ausgetauscht werden. So arbeiten die meisten Zertifikate mit Dividendenstrategie. Wer sich die Zusammensetzung der Papiere anschaut (z.B. über zertifikateweb.de), findet viele Banken, aber auch Bayer, Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler oder Philipp Morris.

Bernd Köster, der als Berater für den Fonds AHW Top-Dividenden auftritt, geht nach einem originellen Schema vor, das von dem Amerikaner Benjamin Graham erfunden wurde: Aus jedem Markt werden von den zehn Titeln mit der höchsten Dividendenrendite die fünf billigsten - und zwar absolut billig, also in Euro oder Dollar - ausgewählt und gut ein Jahr gehalten. In Deutschland hat er so Lufthansa, Commerzbank, Degussa, Thyssen und Tui auf der Kaufliste. Der Hintergedanke beim Kauf der optisch billigsten Titel: Häufig seien diese Aktien vom Markt vernachlässigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%