Wein mit Potenzial
Rendite Tropfen für Tropfen genießen

Edle Tropfen - gehaltvolle Renditen: Viele börsennotierte Winzer machen den Anlegern gleich doppelt Freude. Was aber für den Wein gilt, hat auch bei der Aktienanlage seine Richtigkeit: Die Kostbarkeiten sind ideal als Beimischung.

HB DÜSSELDORF. Zuerst das Vergnügen, dann die Arbeit. Nach opulenten Diners und Degustationen im Herzen der altehrwürdigen Weinbauregion Burgund geht es zur Sache - wie seit 141 Jahren jeweils am dritten Sonntag im November. Der gerade gekelterte Jahrgang des Hospizes von Beaune wird versteigert. Das Auktionsergebnis gilt als erster Preisindikator. Nach der Versteigerung der 39 Hospiz-Weine kam am vergangenen Sonntag ein durchschnittliches Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr heraus.

Die drastische Verteuerung von Burgunder- oder Bordeaux-Gewächsen in den neunziger Jahren hat den Blick auf edle Tropfen aus der Neuen Welt gelenkt. Winzer aus Chile, Australien und den USA starteten eine Exportoffensive - und holten sich das Geld für ihre Expansion an der Börse. In der von Familienbetrieben dominierten Weinwirtschaft Europas haben lediglich die spanischen Winzer die Börse entdeckt.

Hardy schlägt den Dax

"Weinaktien sind etwas für Weinliebhaber, aber nicht für Börsianer", kommentiert ein Analyst knapp. Doch Anleger, die sich in den vergangenen Jahren Weinaktien ins Depot gelegt haben, können sich über die Kursentwicklung meist nicht beklagen. So legte etwa das australische Unternehmen BRL Hardy in den vergangenen fünf Jahren um rund 320 Prozent zu. Da konnte sogar der Deutsche Aktienindex (Dax) nicht mithalten. Der chilenische Marktführer Vina Concha erntete eine Kurssteigerung um gut 210 Prozent und war damit immerhin dem Dax ebenbürtig.

Allerdings sollte der potenzielle Weinanleger beachten, dass die Börsenkapitalisierung der meisten Werte nicht übermäßig üppig ist - das kann zu heftigen Kursausschlägen führen. Zudem waren die Währungen der größten Akteure - USA, Australien und Chile - starken Schwankungen unterworfen. Nach Einschätzung vieler Börsenprofis sind die Weinwerte wie edle Tropfen eine Spezialität und können ein Depot allenfalls verfeinern.

Erst im Januar entdeckte das US-Investmenthaus Merrill Lynch die kalifornischen Weinproduzenten Robert Mondavi und Beringer Wine Estates. Die Winzer standen für stark wachsende Verkaufszahlen und für Fusionsphantasie. Eine Phantasie ist bereits Wirklichkeit geworden. Ende August übernahm der australische Getränkekonzern Foster?s den Napa-Winzer Beringer für 1,6 Milliarden Dollar. Merrill Lynch machte daraufhin Mondavi als Nutznießer der Beringer-Übernahme aus, da dadurch das 1966 gegründete Unternehmen eigenständiger Hauptakteur im Geschäft mit kalifornischen Spitzenweinen werde. Das Investmenthaus stufte die Aktie auf "kaufen" herauf und hob in der Folgezeit das Kursziel mehrfach an, zuletzt von 53 auf 60 Dollar. Kristine Koerber von WR Hambrecht schraubte die gerade überschrittene Kursvorgabe von 49 Dollar auf 59 Dollar nach oben. Sie macht als vorherrschenden Trend die steigende Nachfrage nach Premiumweinen durch die geburtenstarken Jahrgänge aus, die auf den Geschmack gekommen sind. Das Prädikat Premium bedeutet, dass die Flasche mehr als sieben Dollar kostet.

Als klein, aber fein gilt die Ravenswood Winery. Analysten finden es ansprechend, dass der kalifornische Winzer die Flasche ab zehn Dollar aufwärts absetzt. Zudem kauft Ravenswood 95 Prozent seiner Trauben bei anderen Winzern ein. Dies schont das Kapital, das nicht in die aufwendige Kultivierung der Reben gesteckt werden muss.

Dass man auch mit Wein von der nordamerikanischen Ostküste Geld verdienen kann, zeigt das kanadische Unternehmen Vincor International. Merrill-Lynch-Analystin Patricia Baker empfiehlt: zukaufen. Begründung: "Premiumweine und Akquisitionen fördern das Wachstum." Die letzte Übernahme zielte auf Kalifornien: Vincor schluckte R.H. Philips für 92 Millionen Dollar - und erschloss sich damit ein Vertriebsnetz für den US-Markt.

Als beste defensive Werte, die Börsenturbulenzen Stand halten, wertet das Investmenthaus Macquarie australische Aktien und wiederum Konsumaktien wie BRL Hardy. Die Werte des fünften Kontinents seien realistischer bewertet als etwa US-Aktien, erklärt das australische Investmenthaus.

Schlagzeilen macht gerade der australische Mischkonzern Southcorp, der sich auf sein Weingeschäft konzentrieren will. Dazu hat das Unternehmen den Verkauf seiner Verpackungssparte eingeleitet. Sich selbst bezeichnet Southcorp als größten australischen Weinproduzenten und-exporteur mit 6 000 Hektar Anbaufläche. Doch die Analysten betrachten das Unternehmen noch zurückhaltend. Merrill- Lynch-Analyst David Errington bewertet den Titel als neutral. Zumindest habe das Management erkannt, dass das Weingeschäft unbefriedigend gelaufen sei. Sollte die Umstrukturierung zu besseren Renditen führen, will der Analyst den Titel auch deutlich aufwerten.

Nebeneffekte bei Weinaktien werden gern geschluckt

Unter den spanischen Werten ist der Rioja-Produzent Baron de Ley derzeit der Liebling der Analysten, wenn auch noch nicht der Anleger. Die Aktie ist relativ billig bewertet, etwa halb so teuer wie der Konkurrent Compania Vinicola del Norte de Espania. Auch Baron de Ley setzt auf Weintrinker, die nicht so sehr auf den Preis schauen.

In den Diskussionsforen des Internets werden aber noch weitere Gründe für den Kauf von Weinaktien offenbar. Eine Teilnehmerin namens Karen empfiehlt, etwa 100 Mondavia-Aktien zu ordern. Damit einher gingen die Mitgliedschaft im Weinclub und Sonderrabatte. Auch die Hauptversammlungen auf einem der Weingüter dürften angenehme Überraschungen bergen.

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