Weingärtner besiegelt Desaster
Burgsmüller ärgert Agassi

Wimbledon-Nobody Lars Burgsmüller hat sein "Karriere-Highlight" zum sportlichen Höhepunkt gemacht und Andre Agassi mächtig geärgert.

HB/dpa LONDON. Auch wenn es trotz des couragierten Auftritts zur Sensation gegen den haushohen Favoriten am Donnerstag in London nicht gereicht hat, überzeugte der 27-Jährige aus Essen beim 3:6, 6:7 (4:7), 3:6 gegen den Amerikaner mit einem beherzten, konzentrierten und spielstarken Auftritt. Boris Becker geriet am Mikrofon der BBC sogar ins Schwärmen: "Er kann stolz auf sich sein."

Alexander Popp blieb mit Mühe auf dem Weg, der ihn im Jahr 2000 an der Church Road bis ins Viertelfinale geführt hatte. Der Mannheimer machte es sich bei seiner ungleich leichteren Aufgabe gegen den Niederländer Raemon Sluiter selbst schwer und musste beim 7:6 (7:4), 4:6, 6:3, 6:7 (5:7), 6:2 unnötig lange kämpfen. Als einziger Deutscher neben Rainer Schüttler steht der 26-Jährige in Runde drei, in der er am Samstag auf den Tschechen Jiri Novak trifft.

"Ich war schon ziemlich nervös, vor allem beim Aufschlag", bekannte Burgsmüller. Aber er wusste, dass er nichts zu verlieren hatte, und das gab ihm rasch die nötige Ruhe, dem Power-Tennis des Branchenführers zu widerstehen. "Ich habe ihm Paroli geboten", meinte er und fügte bescheiden hinzu: "Aber erst mal hören, wie es mein Trainer gesehen hat." Dirk Hordorff sowie Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen, die ihn wie seine Freundin angefeuert hatten, werden seine Leistung zu würdigen gewusst haben, zumal er bis dato in vier Versuchen die erste Runde in Wimbledon nie überstanden hatte.

Marlene Weingärtner schied nach einer peinlichen Vorstellung als letzte der vier gestarteten deutschen Tennisspielerinnen in Runde zwei aus. Nur 46 Minuten benötigte die Amerikanerin Lisa Raymond, um der Heidelbergerin eine 6:3, 6:0-Lehrstunde zu erteilen. Und so wurde der "Heilige Rasen" für die 23-Jährige an diesem sonnigen Mittag zur Tennis-Hölle. "Sie wusste keinen Rat, deshalb sah es so aus, als schenke sie das Spiel ab", sagte Bundestrainer Klaus Eberhard.

Saft- und kraftlos spielend verlor die zierliche gebürtige Rumänin und komplettierte das desolate Abschneiden der DTB-Damen. "Unsere Besten rangieren zwischen Platz 50 und 100 in der Weltrangliste. Und die Zahlen lügen nicht", sagte Eberhard. "Wir müssen mehr auf jüngere Spielerinnen. " Im Fedcup-Abstiegsspiel am 19./20. Juli in Indonesien vertraut er neben Bianka Lamade aber wieder auf die "Alten": Barbara Rittner, Anca Barna und Marlene Weingärtner.

Die seinem Freund Rainer Schüttler versprochene "Rache" für dessen 2:6, 2:6, 1:6-Finalniederlage in Melbourne gegen Agassi gelang Burgsmüller freilich nicht. Auch die Tipps des Korbachers, der an diesem Freitag (13.00 Uhr/ARD) auf den Amerikaner Todd Martin trifft, fruchteten nicht. "Flach spielen und hoch gewinnen", hatte Schüttler in Fußballer-Manier geraten. Aber letztlich bewahrheitete sich, was Becker schon im Tiebreak des zweiten Satz vermutete: "Burgsmüller ist klasse, aber Agassi spielt in einer anderen Liga."

Ganz so deutlich offenbarte sich der Klassenunterschied auf Court 1 nicht. Burgsmüller hielt über weite Strecken mit. Doch in den entscheidenden Momenten fehlte ihm der Mut, etwas zu riskieren. So verpufften die Breakchancen im 2. und 6. Spiel des ersten Satzes und auch im Tiebreak des zweiten blieb Agassi dank seiner Routine, Schnelligkeit und Cleverness der Sieger.

Einen glatten Erfolg wie Agassi feierte auch Lokalmatador Tim Henman. Der Brite fertigte den Franzosen Michael Llodra ab und trifft jetzt auf den Schweden Robin Soderling, der Kiefer-Bezwinger Gilles Elseneer (Belgien) ausschaltete. Leicht und locker weiter sind auch Titelverteidigerin Serena Williams (USA) sowie French-Open-Champion Justine Henin-Hardenne (Belgien) und Vorjahresfinalist David Nalbandian (Argentinien).

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