Weinprobe
Masse macht’s nicht

Wirtschaft will wachsen. Doch Thomas Mayr denkt ernstlich darüber nach, seinen Betrieb zu verkleinern. "Von Tag zu Tag spür? ich mehr, wie mir die Zeit unter den Händen verrinnt", klagt er.

Früher hat er viel gelesen, ging Ski fahren und kraxeln. Jetzt nimmt ihn die Kellerei Th. Mayr & Söhne in Bozen heftig in Anspruch. Das Wenige an Muße, das ihm bleibt, gehört der Familie, den drei Kindern. Vor 20 Jahren ging alles leichter. Vater Luis verkaufte den meisten Wein im Fass. Die Trauben lieferten ihm befreundete Bauern. Das machte nicht viel Arbeit und war einträglich. "Masse bringt Kasse", hieß es damals in Südtirol. Heute ist deshalb der Ruf dieses anmutigen Landes angeschlagen.

Thomas Mayr weiß, dass er nur mit hoher Qualität überleben kann. Dafür ist es notwendig, die Erträge scharf herunterzufahren. Und wenn manch alter Winzer es nicht übers Herz bringt, überzählige Trauben abzuschneiden, greift der Chef selbst zur Rebschere.

Der 38-Jährige, blond, groß und kräftig gewachsen, vermarktet heute zwei Drittel der Ernte über die Flasche. Da muss er mehr bieten als den blässlichen Wein, wie er früher gang und gäbe war. Zur Mehrarbeit im Weinberg wie im Keller kommen die Anstrengungen des Verkaufens. Mayr ist viel unterwegs. Die Mühen tragen jetzt allmählich Früchte. Im gestrengen Führer "Gambero Rosso" sind seine Weine jetzt regelmäßig für zwei Gläser gut (von drei möglichen). Der streitbare Vater, inzwischen 78 Jahre alt, empfindet allmählich so etwas wie Stolz auf seinen Sohn.

Für die Sommertage ist der leichte, hellrote, zarte St. Magdalener gerade richtig. Die Trauben dafür kommen vom Rumplerhof, den ein Onkel bewirtschaftet. Die Reben stehen am steilen Hang unterhalb des häufig fotografierten Kirchleins St. Justina. Die Verkoster notieren Veilchen, Mandeln, ein Hauch Rosmarin, Weißbrot, feine erdige Töne. Die an Johannisbeeren erinnernde Säure ist erfrischend.

Hanna Perwangers hat in "Südtiroler Leibgerichte" ein passendes Gericht aufgeschrieben: gekochtes Schöpsernes. Eine Lammschulter wird in Salzwasser gekocht; dazu kommen zuerst Karotten, Sellerie, Petersilienwurzel und Zwiebeln, alles grob gewürfelt und mit wenig Fett angeröstet, später dann Kartoffelschnitze; mit in Butter gebräunten Semmelbröseln servieren und Grüne-Bohnen-Salat dazu reichen.

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