„Weiß nicht, ob Ullrich noch Fahrer ist“
Telekom sponsort Radteam weiter bis 2005

"Das Budget für 2003 ist geklärt, das für die beiden kommenden Jahre noch nicht", so Manager Godefroot. Er bekräftigte, dass die Entscheidung über die Vertrags-Fortsetzung unabhängig vom weiteren Verlauf des Falles Ullrich getroffen worden sei.

HB GRIGNAN. Telekom macht weiter - trotz weiterer Unklarheiten über Jan Ullrich und der Umbesetzung der Führungsspitze des Konzerns, der sich seit 1991 im Radsport engagiert. Bis zum Saisonende 2005 sei der Fortbestand des Teams gesichert, sagte am Montag am zweiten Ruhetag der Tour de France Manager Walter Godefroot im Team-Hotel in Grignan.

Godefroot plant die Zukunft zweigleisig und brachte am Montag auch die Topfahrer Oscar Sevilla (Spanien), Santiago Botero (Kolumbien) und Cadel Evans (Australien) als mögliche Kandidaten für Neuverpflichtungen ins Gespräch. Mit dem Belgier Mario Aerts und dem Frankfurter Christian Werner sollen demnächst Verträge bis 2004 abgeschlossen werden. Die Telekom-Topangestellten Ullrich (Merdingen) und Erik Zabel (Unna) haben noch Verträge bis einschließlich 2003. Der vom Team beurlaubte Jan Ullrich befindet sich nach seinem öffentlichen Eingeständnis der Einnahme von Tabletten, die ihm eine positive Doping-Kontrolle einbrachten, in den USA "im Urlaub", wie Godefroot am Montag erklärte. Ob der Toursieger von 1997 unbezahlten Urlaub genießt, wollte Godefroot nicht sagen: "Das ist meine Sache, ob ich ihn zur Zeit bezahle oder nicht."

Ob der unter anderem an Knie-Problemen leidende 28-jährige Olympiasieger sein angekündigtes Comeback verwirklichen kann, steht noch nicht fest. Wegen der Doping-Affäre steht Ullrich ein Urteil des Sportgerichts (maximal 12 Monate Sperre) bevor. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen möglichen Drogenbesitzes. "Ich telefoniere regelmäßig mit ihm. Er hat dabei seine Comeback- Absichten mehrmals wiederholt. Aber Jan hat in der Vergangenheit schon viele Sachen versprochen, die er nicht gehalten hat. Da muss schon mehr kommen. Aber lassen wir ihm doch noch fünf, sechs Wochen Zeit", mahnte Teamchef Rudy Pevenage Geduld mit dem gebürtigen Rostocker an. Godefroot wisse nicht, "ob Jan noch Radfahrer ist, oder nicht. Er muss über seine Zukunft selbst entscheiden. Erst muss Jan als Mensch wieder klar kommen, dann können wir uns Gedanken um seine sportliche Zukunft machen."

Der Manager wolle sich noch während der Tour mit seinen sportlichen Leitern Pevenage und Mario Kummer zusammensetzen, um die Planung für 2003 zu überdenken. Vorerst tappt das Entscheidungs- Terzett weiter etwas im Dunkeln, denn Ullrichs Entwicklung ist nicht abzusehen. Das macht den Einkauf auf dem Fahrermarkt für die Telekom - Verantwortlichen besonders schwer. Für die Jahre 2004 und 2005 sei laut Godefroot, der an den Vortagen in Grignan im Herzen der Provence mit Jürgen Kindervater, Kommunikations-Direktor der Telekom, und Ullrich-Manager Wolfgang Strohband verhandelt hat, auch eine finanzielle Reduzierung denkbar. Bisher finanziert Telekom das Radteam jährlich mit geschätzten neun Millionen Euro. Weiteres Geld kommt von kleineren Sponsoren.

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