Weit reichende Veränderungen im Management
Krisengespräche zwischen DaimlerChrysler und Mitsubishi

DaimlerChrysler hat mit seinem krisengeschüttelten Partner Mitsubishi über dessen Probleme gesprochen. Mitsubishi hatte eingeräumt, dass in den letzten 20 Jahren Mängel an Fahrzeugen systematisch vertuscht worden seien.

ap TOKIO/STUTTGART. DaimlerChrysler hat mit seinem Partner Mitsubishi die Probleme bei dem krisengeschüttelten japanischen Autobauer beraten. Eine Sprecherin des deutsch-amerikanischen Konzerns sagte am Montag in Stuttgart, derzeit fänden Gespräche zwischen beiden Unternehmen "auf Top-Ebene statt, die sich selbstverständlich mit der Situation bei Mitsubishi beschäftigen." Über Ergebnisse werde man "zu gegebener Zeit" informieren.

Zuvor hatte Mitsubishi in Tokio erklärt, dass das Unternehmen mit DaimlerChrysler über weit reichende Veränderungen im Management spricht. Dabei gehe es auch um die Überwachung der Produktqualität. Beide Unternehmen hatten in diesem Jahr vereinbart, dass DaimlerChrysler einen Anteil von 34 % an Mitsubishi übernimmt. DaimlerChrysler will japanischen Medienberichten zufolge jetzt 40 %, womit der deutsch-amerikanische Konzern zum größten Anteilseigner würde. Dazu wollte die Sprecherin keinen Kommentar abgeben.

Mitsubishi hatte jüngst eingeräumt, dass in den letzten 20 Jahren Mängel an Fahrzeugen systematisch vertuscht worden seien. Seit Juli musste Mitsubishi 620 000 Fahrzeuge wegen defekter Bremsen, leckender Benzinleitungen oder Kupplungsproblemen zurückrufen. Die Affäre war ins Rollen gekommen, als Behördenvertreter bei einer Überprüfung in dem Unternehmen versteckte Unterlagen über Defekte entdeckten.

Nach Angaben des japanischen Verkehrsministeriums liegen rund 64 000 Beschwerden vor, jedoch blieb die Behebung der Mängel in der Regel auf den Einzelfall beschränkt. Gegen Mitsubishi ist ein Strafverfahren anhängig, bei einer Verurteilung droht der Firma eine Strafe von einer Mill. Yen (20 240 Mark/10 350 Euro) für jeden unterlassenen Rückruf. Allerdings werden nur vier seit April 1998 belegte Fälle in der Anklage angeführt. Aus Industriekreisen verlautete, DaimlerChrysler habe bei der Vorbereitung seines Einstiegs bei Mitsubishi keine Kenntnis von diesen Problemen gehabt.

Das "Handelsblatt" berichtete, die DaimlerChrysler-Vorstandsmitglieder Eckhard Cordes und Manfred Bischoff seien nach Tokio gereist, um die Probleme mit der Mitsubishi-Führung zu diskutieren. Es gehe auch um die Übernahme eines vierten Führungspostens bei Mitsubishi durch einen Vertreter von DaimlerChrysler.

DaimlerChrysler hatte seinen Einstieg bei Mitsubishi im März bekannt gegeben. Dabei wurde vereinbart, dass der deutsch-amerikanische Autobauer zwei Manager - den Deutschen Ulrich Walker und den Amerikaner Steven Torok - in den Mitsubishi-Vorstand entsenden und dass Bischoff Mitglied des Mitsubishi-Aufsichtsrats werden solle. Mit dem Einstieg bei Mitsubishi wollte der DaimlerChrysler seine Position in Asien stärken. Für Verwirrung hatte vergangenen Freitag die Absage eines DaimlerChrysler-Analystentreffens gesorgt. Der Konzern hatte das damit begründet, dass einige Vorstände unvorhersehbare Termine wahrnehmen müssten.



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