Weiter Bilanzärger an der Wall Street: Der Dow bleibt vierstellig

Weiter Bilanzärger an der Wall Street
Der Dow bleibt vierstellig

Nachdem der Dow Jones am Donnerstag einmal knapp über die 10.000 Punkte gelugt hatte, scheitert Standardindex bei dem Versuch, dieses Niveau ins Wochenende zu retten. Auf dem Parkett wurde weiter verkauft, der Dow Jones verlor 99 Punkte oder 1 Prozent auf 9903 Punkte. Die technologie-lastige Nasdaq schloss mit 1805 Punkten, was einem Minus von 35 Punkten oder 2 Prozent entspricht.

Nachrichten aus dem konjunkturellen Umfeld lasteten seit Mittag schwer auf dem Markt. Zum ersten Mal seit September ist das Verbrauchervertrauen in den USA gesunken. Der Index verschlechterte sich von 93 Punkten auf 90,3 Punkte.

Bereits am Morgen hatten Daten Anlass zu Spekulationen gegeben: Die Produzentenpreise sind im Januar um 0,1 Prozent gestiegen, was bei steigenden Ölpreisen vor allem dem Energiesektor zuzuschreiben ist. Diesen herausgerechnet sind die Produzentenpreise um 0,1 Prozent gefallen. Die Wall Street hatte auch für den Nicht-Energiebereich mit einem Plus gerechnet. Nun umtreibt Analysten die Frage, was die Deflation weiter verursacht: Hohe Profitabilität oder mangelnde Nachfrage. Anleger gehen von letzterem aus, und ziehen erneut Geld aus dem Markt. Die Lagerbestände der US-Industrie sind wie erwartet um 0,1 Prozent zurück gegangen, die Industrie-Auslastung ist um zwei Zehntel gesunken auf 74,1 Prozent.

Den Dow Jones belastet zum Wochenschluss vor allem die Aktie von IBM. Der Hardware-Riese steht im Verdacht, die Bilanzen für das abgelaufene Quartal geschönt zu haben. Das schreibt die New York Times. Einmalige Einnahmen durch den Verkauf einer Glasfaser-Sparte an JDS Uniphase seien nicht als solche ausgewiesen worden und hätten das ausgewiesene Plus um 300 Millionen Dollar erhöht. So habe man die Erwartungen der Wall Street geschlagen. IBM will zu den Vorwürfen Stellung nehmen, was manche Analysten überrascht. Sie glauben nun, dass sich der Konzern tatsächlich rechtfertigen muss. Die Aktie verlor 4,7 Prozent.

Ebenfalls schwach notierten die Finanzwerte, die schon seit Tagen unter Druck stehen. Aktien der Citigroup belasteten den Index mit einem Minus von 3,1 Prozent, American Express verlor 2,5 Prozent, JP Morgan 0,5 Prozent. Zu den wenigen Gewinnern im Dow Jones gehören erneut die zyklischen Industriewerte: Der Chemiekonzern DuPont verbesserte sich um 3,9 Prozent, Eastman Kodak um 1,5 Prozent. Der Alu-Riese Alcoa und die Konsumaktien von Procter & Gamble sowie Philip Morris gewannen je um 0,5 Prozent.

Zu den größten Gewinnern an der New York Stock Exchange gehörte die Aktie von Halliburton. Zuletzt hatten drohende Asbest-Klagen in Millionenhöhe den Titel belastet. Kurz vor dem Wochenende gibt es Entwarnung: Ein Richter in Dallas hat 200.000 Klagen vorerst auf Eis gelegt. Da Halliburton außerdem nicht direkt in der Schusslinie steht, sondern sich Asbestklagen gegen das Unternehmen Harbison-Walker richten, an dem die Halliburton Tochter Dresser Industries beteiligt ist, finden Anleger wieder Vertrauen. Halliburton legt 11 Prozent zu.

Nur moderater Optimismus kommt von Dell. Der weltgrößte Computerhersteller hat den Gewinn im vierten Quartal um 5 Prozent gesteigert. Zu verdanken hat man dies vor allem den Privatkunden, die 58 Prozent mehr Computer kauften als im Vorquartal. Nach wie vor schwach ist die Nachfrage seitens der Firmenkunden. CEO Michael Dell gibt sich bedingt optimistisch. Für das laufende Quartal rechnet er noch mit einem Umsatzrückgang zwischen 3 und 5 Prozent, was für die Monate nach dem Weihnachtsgeschäft typisch wäre. Dass es dann ab dem zweiten Halbjahr 2002 wieder aufwärts gehen würde, erwähnt Dell nicht explizit, obwohl er dies bisher mehrfach getan hatte. Nun sind Investoren verunsichert. Die Aktie verliert 4,5 Prozent. Nach einer aktuellen Studie des Branchendienstes Gartner Dataquest hatte Dell in 2001 einen Marktanteil von 13,3 Prozent weltweit und 25 Prozent in den USA, jeweils vor den Konkurrenten Compaq und Hewlett-Packard, die am Freitag ebenfalls mit Verlusten handelten.

Neben IBM haben - es ist das alte Lied - noch drei weitere Unternehmen mit Vorwürfen auf Bilanzfälschungen zu kämpfen. Nvidia, der Hersteller von Graphikchips unter anderem für Microsofts Xbox, wird von der Börsenaufsicht SEC unter die Lupe genommen. Es geht um Bilanzposten aus den Jahren 2000 und 2001, auf die die Ermittler gestoßen sind, als sie verdächtige Email vor einem ganz anderen Hintergrund untersuchten. Damals sollen sich einige Mitarbeiter mit Aktien eingedeckt haben, nachdem der Microsoft-Deal intern bekannt geworden war. Die Aktie von Nvidia gab 7,7 Prozent ab.

Beim Telekommunikationskonzern Worldcom stehen Mitarbeiter im Verdacht, unrechtmäßig Kommissionen erhalten und sich bereichert zu haben. Das Wall Street Journal schreibt am Morgen, zwei Männer und eine Frau hätten Umsätze, die bereits von anderen Abteilungen verbucht wurden, als eigene Erfolge deklariert und dementsprechend Honorare erhalten. Was wie ein kleines internes Problem eines Unternehmens aussieht, schlägt in Zeiten der Enron-itis hohe Wogen. WorldCom schloss mit mehr als 6 Prozent in der Verlustzone, ebenso tief wie Qwest Communications. Der Programmierer muss sich ebenfalls vor Bilanzprüfern rechtfertigen. Außerdem fährt das Unternehmen seine Investitionen für 2002 um 300 Millionen Dollar herunter, was die Zulieferer Riverstone, Sycamore und Juniper Networks um durchschnittlich 6 Prozent in die Tiefe zog.

Wenig besser ging es den Speicherchipwerten. Die Credit Suisse First Boston äußerte sich zwar positiv über die Branche. Analyst Tim Hahn sagt, der Chipsektor habe "das Schlimmste überstanden, sowohl was die Preise als auch was die Nachfrage angeht." Die Hersteller von Speicherchips, darunter Micron, Atmel, Cypress Semi, Integrated Device, Microchip und Silicon Storage Tech, stufte er von "halten" auf "kaufen" auf. Die Branche verlor im Mittel leicht.

Auf den Einzelhandel drückte weiter die Aktie der Modekette The Gap, die seit Monaten deutlich schlechter performt als der Sektor. Die Rating-Agentur Standard & Poor?s hat die Kreditwürdigkeit des Unternehmens am Donnerstag auf Junk-Status gesenkt. Damit erfährt das Unternehmen, das die Häuser The Gap, Banana Republic und Old Navy betreibt, die größtmögliche Abstufung, was Anleger an das Schicksal anderer Firmen erinnert: Nach der Abstufung auf "Junk" haben einige Unternehmen in den letzten sechs Monaten Konkursverfahren eingeleitet. Trotz einer Bewertung von Bear Stearns auf "attraktiv" baute The Gap Verluste vom Donnerstag aus und verliert weitere 3,4 Prozent.

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