Weiter gute Geschäfte
Bilfinger Berger strebt neue Höhen an

Trotz der Flaute der deutschen Baubranche rechnet der zweitgrößte deutsche Baukonzern Bilfinger Berger 2002 mit einem besseren Ergebnis und hofft auf Impulse durch einen verstärkten Hochwasserschutz.

Reuters MANNHEIM. Der Jahresüberschuss werde 2002 auf eine Größenordnung von 60 (2001: 52) Millionen Euro steigen, konkretisierte Bilfinger Berger am Donnerstag in Mannheim seine Prognose. Dazu kommt ein Sonderertrag von 161 Millionen Euro aus dem Verkauf der Anteile an der Dresdner Bank an die Allianz. Dagegen nahm der Konzern seine Umsatzerwartung wegen des steigenden Euro zurück.

Die Gesamtleistung werde nur mit Hilfe der für 160 Millionen Euro gekauften Dienstleister HSG und Rheinhold & Mahla auf 4,9 (4,6) Milliarden Euro steigen. Das Geschäft mit baunahen Dienstleistungen soll Umsatz und Gewinn nach oben treiben. Die im MDax notierte Aktie setzte ihren Aufwärtstrend fort.

Aufträge zum Hochwasserschutz erwartet

Die katastrophalen Folgen der Flut in Ostdeutschland habe das Bewusstsein staatlicher Auftraggeber für einen verbesserten Schutz vor Hochwasser geschärft, sagte Bilfinger-Vorstandschef Herbert Bodner. "Darüber reden Experten seit langem." Bilfinger Berger erwarte durch öffentliche Aufträge, etwa zur Aufstockung von Dämmen, langfristig Impulse für das Geschäft. Daraus eine Trendwende für die Bauwirtschaft abzuleiten, sei aber vermessen. Bilfinger Berger wolle sich nur um große Infrastrukturprojekte bewerben, sagte Bodner.

Im zweiten Quartal machte der Mannheimer Baukonzern seinen saisonüblichen Verlust aus den Wintermonaten wett. Das operative Ergebnis lag bei 12 (11) Millionen Euro. Für das erste Halbjahr ergab sich damit vor Zinsen, Steuern und Goodwill-Abschreibungen ein Ergebnis von fünf (drei) Millionen Euro. "Wir haben uns gut behauptet", sagte Bodner. Um den Aktienverkauf bereinigt, ging der Überschuss wegen der fehlenden Dresdner-Dividende auf 13 von 17 Millionen Euro zurück.

Bilfinger Berger werde seine Aufträge im Inland weiterhin streng auswählen und sich aus Regionen fern halten, die keine lukrativen Aufträge versprächen, hieß es. Im ersten Halbjahr erlebte das Inlandsgeschäft einen Auftragsboom um 27 Prozent. Zum Bereich "Bauen Inland" zählt Bilfinger auch Ingenieur- und Tunnelbauten in der Schweiz und in Österreich.

Die Gesamtleistung war in den ersten sechs Monaten mit 2,11 Milliarden Euro wegen des schlechteren Wetters um vier Prozent niedriger als vor Jahresfrist, der Auftragseingang lag mit 2,73 Milliarden Euro um vier Prozent höher. Damit schiebt Bilfinger Berger einen um sechs Prozent gestiegenen Orderbestand von 4,89 Milliarden Euro vor sich her.

Euro durchkreuzt Umsatzprognose

Die bisherige Umsatzerwartung von 4,8 Milliarden Euro sei wegen des gestiegenen Euro-Wechselkurses nicht mehr zu halten, sagte Bodner. Ohne die Akquisitionen rechne Bilfinger nur noch mit 4,6 Milliarden Euro Gesamtleistung. Dazu kommen jedoch 300 Millionen Euro von dem ab September konsolidierten Münchener Industriedienstleister R&M und der Holzmann-Tochter HSG. Deren Bau- und Industriedienstleistungen sollen von 2003 an die Gesamtleistung um mehr als eine Milliarde Euro erhöhen und für einen zusätzlichen operativen Gewinn von 40 Millionen Euro sorgen. "Damit haben wir uns neu positioniert und die Grundlage für eine neue Bewertung unseres Unternehmens geschaffen", sagte Bodner.

Aus dem Bieterwettbewerb um die US-Tochter von Holzmann, J. A. Jones, hatte sich Bilfinger kürzlich zurückgezogen. Auch nach dem Verzicht will der Konzern sein Geschäft dort aber ausbauen. "Wir haben nach wie vor die Absicht, dort nicht nur organisch zu wachsen", sagte Bodner. Kurzfristig sei aber nicht mit Zukäufen zu rechnen. Die im MDax notierte Bilfinger-Berger-Aktie legte erneut um mehr als vier Prozent auf 22,96 Euro zu. Ihr Kurs hat sich damit binnen drei Wochen um gut ein Drittel verbessert. Das Hochwasser hatte den deutschen Bauaktien zuletzt auf die Sprünge geholfen.

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