Weiter Kämpfe am Flughafen
US-Panzer rollen durch Bagdad

Amerikanische Panzereinheiten sind am Samstag erstmals vorübergehend in die irakische Hauptstadt Bagdad vorgedrungen. Ein Kameramann berichtete von "fanatischem Widerstand". Die irakische Führung wies Berichte über eine US-Militärpräsenz in der Innenstadt Bagdads entschieden zurück. In der Umgebung des von US-Truppen eingenommenen Flughafen wurde weiter gekämpft.

HB/dpa BAGDAD. Am frühen Samstagmorgen waren zwei gepanzerte Aufklärungseinheiten der 3. US-Infanteriedivision und des 7. US-Kavallerieregiments nach Bagdad eingedrungen. Reporter des US-Nachrichtensenders CNN berichteten, die Aufklärungsvorstöße sollten sichere Zufahrtskorridore für nachrückende Truppen schaffen. "Wir bewegen uns von den Vororten zum Stadtzentrum", sagte US-Militärsprecher Frank Thorp.

Korrespondenten der Deutschen Presse-Agentur und andere internationale Medienvertreter in der Stadt sagten, sie hätten weder Panzer noch Kämpfe im Zentrum gesehen. Thorp sagte dazu, Bagdad sei groß, und es überrasche ihn daher nicht, dass Reporter die Panzer nicht gesehen hätten. Der arabische TV-Sender El Dschasira meldete unter Berufung auf Augenzeugen heftige Gefechte aus einem südwestlichen Vorort, etwa zehn Kilometer vom Stadtkern entfernt. Das Pentagon bestätigte Kämpfe in der Stadt. Es habe auf beiden Seiten Tote und Verletzte gegeben.

Einsatzgruppen führten angeblich gezielten Angriff aus

Das US-Zentralkommando in Doha (Katar) teilte später mit, erstmals seien US-Panzer durch das weitere Zentrum von Bagdad gerollt seien. Luftwaffen-General Victor Renuart sagte, es habe sich um eine Operation von zwei speziellen Einsatzgruppen gehandelt, die einen gezielten Angriff ausgeführt hätten. Sie seien mit ihren Panzer nordwärts zum Tigris vorgerückt und hätten sich dann in Richtung Bagdader Flughafen bewegt.

Einzelheiten der Operation teilte Renuart nicht mit. Er sagte lediglich, der Einsatz entspreche der Strategie der US-Streitkräfte, Angriffe auf ausgewählte Ziele durchzuführen - "zu jedem Zeitpunkt, den wir für richtig halten". Diese Strategie werde fortgesetzt. Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf sagte hingegen, der Feind sei lediglich bis in die Außenbezirke gekommen.

Kameramann berichtet von Selbstmordattacken

Der amerikanische Kameramann Mal James berichtete dem britischen Nachrichtensender Sky News, den US-Truppen seien bei ihrem Vormarsch auf "fanatischen Widerstand" gestoßen und von Selbstmordattacken bedroht gewesen. "Autos fuhren einfach auf die (Panzer-)Kolonnen zu. Sie wurden zerstört. Die Republikanische Garde hatte sehr viel Kampfgeist, aber keine Organisation", sagte James. Das amerikanische Fox-News-TV zeigte hingegen Bilder, auf denen Panzer auf einer Hauptstraße von Bagdad zu sehen waren, die teilweise von mit weißen Taschentücher winkenden Einwohnern begrüßt wurden.

Am Flughafen von Bagdad rund 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt versuchten die Amerikaner, ihre Position auszubauen. CNN berichtete, inzwischen seien Pioniereinheiten dabei, den am Freitagnachmittag eingenommenen Flughafen für den Nachschub vorzubereiten. In der Umgebung werde jedoch weiter heftig gekämpft. Seit Beginn der Kämpfe dort habe er etwa 20 zerschossene irakische Panzer gezählt, sagte ein CNN-Reporter. Die US-Einheiten kontrollierten nur den Flughafen, nicht aber das angrenzende Gelände.

Informationsminister Sahhaf sagte hingegen, die Amerikaner seien "in schweren Kämpfen" vertrieben worden. Die Iraker hätten in der Nacht zum Samstag "neue Kampfarten" und Selbstmord- Attacken eingesetzt und den Amerikanern große Verluste beigebracht. Dies wurde von Reportern vor Ort nicht bestätigt.

Im Nordirak konnten kurdische Truppen laut des britischen BBC-TV ohne größere Kämpfe Geländegewinne verbuchen. Bei der Stadt Mosul soll es aber Gefechte zwischen kurdischen und irakischen Soldaten gegeben haben. Anhaltende Kämpfe wurden auch aus den Städten Basra und Samawah gemeldet. Stellungen der Republikanischen Garde um Bagdad wurden erneut bombardiert.

Beim Absturz eines Cobra-Hubschraubers in Zentralirak kamen nach US-Angaben die beiden Piloten ums Leben. Der Helikopter sei nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht abgeschossen worden.

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