Weiter Luftangriffe
Taliban stimmen Bau von Flüchtlingslagern zu

Angesichts des anschwellenden Stroms afghanischer Flüchtlinge in Folge der US-Luftangriffe haben sich die Taliban mit Pakistan auf den Bau von Auffanglagern in Afghanistan geeinigt. Nach Angaben des pakistanischen Außenministeriums vom Dienstag campieren rund 10 000 Flüchtlinge nahe des Grenzorts Chaman auf afghanischem Territorium.

dpa ISLAMABAD. US-Kampfjets setzten derweil ihre Attacken gegen Stellungen der Taliban fort, während zwischen den USA und Pakistan ein Streit um die Dauer der Militäraktion droht.

Um die gespannte Flüchtlingslage entlang der pakistanisch- afghanischen Grenze zu entschärfen, wolle eine private pakistanische Hilfsorganisation 15 Kilometer von Chaman entfernt in Afghanistan ein Auffanglanger einrichten, berichteten pakistanische Medien. Tausende verzweifelte Flüchtlinge hatten am Sonntag die Grenze bei Chaman durchbrochen. Daraufhin kam es zu Zusammenstößen mit pakistanischen Sicherheitskräften. Bis zum Dienstag seien über 1300 der Menschen wieder zurückgekehrt, hieß es weiter.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR benötigt noch fast 20 Mill. $, um seine Hilfsaktionen für die Flüchtlingsströme von Afghanistan nach Pakistan finanzieren zu können. Bisher seien auf das erste Hilfegesuch an die Geberstaaten über 31 Mill. $ (68 Mill. DM/34 Mill. Euro), darunter 4,4 Mill. aus Deutschland, eingegangen, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski in Genf.

Der pakistanische Regierungschef Pervez Musharraf drang in einem Fernsehinterview auf ein Ende der Operationen vor dem islamischen Fastenmonat Ramadan, der Mitte November beginnt. Die USA hatten dagegen erklärt, der Fortgang der Kampagne werde auf Grund militärischer und nicht diplomatischer Überlegungen gefällt.

Zwar könne der Krieg gegen den Terrorismus noch lange dauern, sagte Musharraf. Das Ziel der gegenwärtigen Militäroperationen in Afghanistan sei aber schon "in ein oder zwei Tagen" zu erreichen. Näher äußerte er sich allerdings nicht. Der Ramadan gilt im Islam als eine Art heiliger Abschnitt des Jahres und auch als Zeit der Versöhnung.

US-Kampfjets nahmen nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP am Dienstag erneut Frontlinien der Taliban unter schweren Beschuss. Einheiten der oppositionellen Nordallianz hätten im Schutze der Angriffe versucht, gegen Stellungen der Taliban in den nördlichen Provinzen Balkh und Samangan vorzurücken, seien aber zurückgeschlagen worden, meldete die in Pakistan ansässige private Agentur unter Berufung auf einen Taliban-Sprecher.

Darstellungen der radikal-islamischen Miliz zufolge wurden während der Luftattacken in der Nacht zum Dienstag nahe der westlichen Stadt Herat 15 Zivilisten getötet und 25 verletzt. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben gibt es allerdings nicht.

Laut AIP wurden außerdem mehrere mit Öl beladene Lastwagen bombardiert. Dabei seien fünf Menschen getötet und zehn verletzt worden. Der Konvoi aus fünf Tanklastwagen befand sich kurz von der Taliban-Hochburg Kandahar, als die Kampfjets das Feuer eröffneten. Die US-Luftwaffe habe in der Nacht überdies Angriffe auf einen Stadtteil der Hauptstadt Kabul geflogen, in dem es militärische Einrichtungen gebe, meldete AIP weiter.

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