Weiter Personalabbau
DIHK sieht keine Chance für kräftiges Wachstum

Die Konjunktur wird nach Ankündigungen deutscher Unternehmen nur allmählich in Gang kommen. Die Beschäftigung wird 2002 insgesamt niedriger liegen als im Vorjahr. Das sind Ergebnisse einer Umfrage bei mehr als 20 000 Mitgliedsfirmen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die der Spitzenverband veröffentlichte.

dpa BERLIN. Der DIHK bleibt deshalb bei seiner pessimistischen Wachstumsprognose von 0,5 Prozent - die Regierung geht von mindestens 0,75 Prozent aus - und mehr als 4 Millionen Arbeitslosen im Schnitt dieses Jahres. Zurückhaltend zum deutschen Industriewachstum und zur Konjunktur im Euro-Raum äußerte sich unterdessen auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

"Erste Hoffnungen auf eine verhaltene Belebung der Konjunktur in Deutschland sind berechtigt, Aussichten auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum im Jahr 2002 bestehen aber nicht", kommentierte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die Umfrageergebnisse.

Wie das Forschungsinstitut warnt auch der Verband vor zusätzlichen Exportrisiken für die gesamte deutsche Konjunktur, wenn der Euro-Kurs im Verhältnis zum Dollar dauerhaft erstarken sollte. Wansleben: "Bei jetzt knapp 0,95 Dollar wird der Euro zwar keine Krise auslösen." Für die gewerbliche Wirtschaft schlage aber "die Stunde der Wahrheit". Dazu gehöre auch die von Gewerkschaften angedrohten Streiks und die davon ausgehenden Belastungen für die Wirtschaft. "Wenn jetzt auch noch der öffentliche Dienst streikt, kommt es zur Katastrophe."

Auch während der nächsten Monate werde es der Konjunktur in Deutschland an Kraft und Breite fehlen, betont der DIHK. Euro-Stärke und Tarifpolitik "treten neben die politischen Risiken" eines erneuten Golfkrieges oder möglicher neuer Terroranschläge. Positiven Erwartungen exportorientierter Großunternehmen stehe überwiegender Pessimismus der auf den Binnenmarkt konzentrierten Unternehmen gegenüber. Trotz Euro-Stärke stünden die Exportfirmen vergleichsweise gut da. Die Konjunkturerwartungen der Unternehmen blieben in der Frühsommerumfrage gespalten: Der Anteil der zuversichtlichen Firmen erhöhte sich im Vergleich zur Februar-Umfrage leicht von 22 auf 23 Prozent, der Anteil der skeptischen Stimmen von 34 auf 36 Prozent.

Wenig Impulse seien von der Konsumnachfrage und den Investitionen zu erwarten. Unverändert 17 Prozent wollten ihre Investitionen erhöhen, aber 42 (39) Prozent ihr Investitionsbudget abbauen. Die Differenz von 25 Punkten sei ein Negativrekord in den DIHK-Umfragen seit 1977, sagte Wansleben. Es sei auch nicht mit Erweiterungs-, sondern nur mit Rationalisierungsinvestitionen zu rechnen. Besonders zurückhaltend sei dabei der Mittelstand.

32 Prozent der befragten Unternehmen wollen Personal abbauen, 10 Prozent wollen mehr Arbeitnehmer einstellen. 58 Prozent wollen ihren Beschäftigungsstand halten. Besonders verschlechtert hätten sich die Aussichten in vielen kleinen Unternehmen. Der DIHK appelliert deshalb erneut an die Politik und die Tarifpartner, für erleichterte Einstellungschancen zu sorgen. So sollten die Kündigungsschutz-Regeln gelockert, dafür feste Arbeitsverträge für Ältere vereinbart werden, die zum Beispiel auch befristete Beschäftigung beinhalte.

Auch das DIW erwartet, dass sich die Erholung in der Industrie nur "allmählich vollzieht", so dass die Industrieproduktion im Schnitt 2002 noch einen Rückgang zum Vorjahr aufweisen werde. Für 2003 rechnet das DIW dann mit einer Wachstumsrate von 2,7 Prozent.

Nur zögerlich werde auch die Konjunktur im Euro-Raum anziehen, heißt es in einem weiteren Bericht des Instituts. Nach einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal um 0,3 Prozent werde das Wachstum im zweiten mit 0,3 bis 0,6 Prozent etwas stärker anziehen. Höhere Wachstumsraten von 0,7 bis 1 Prozent könnten erst im zweiten Halbjahr erwartet werden. Der Export ermögliche die leichte Erholung.

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