Weiter Rätselraten um Strategie
Aufsichtsratschef zieht jetzt die Zügel straffer

Will Bertelsmann nun gar nicht mehr an die Börse? Sollte dies die neue Strategie sein, steht Ärger mit dem Minderheitsgesellschafter ins Haus.

pos/hps DÜSSELDORF. Das Rätselraten um den Börsengang der Bertelsmann AG hält an. Christoph Mohn, Sohn des Hauptgesellschafters Reinhard Mohn und Mitglied der Bertelsmann Verwaltungsrats, zweifelt den Sinn eines Börsengangs sogar generell an. "Er sei "nur dann sinnvoll", so Mohn gegenüber der Netzeitung, "wenn man zusätzliches Kapital aufnehmen will oder muss. Bertelsmann hat in seiner langen Geschichte dazu nie eine Notwendigkeit gehabt, und ich kann nicht erkennen, dass sich hier die Rahmenbedingungen geändert hätten." Der designierte Vorstandschef Gunter Thielen hatte zuvor einen Börsengang weiter für möglich erklärt und lediglich ausgeschlossen, dass die Familie Mohn Anteile abgeben werde.

Die Nachrichtenagentur Dow Jones zitiert der Holding von Albert Frère, Groupe Bruxelles Lambert (GBL), nahestehende Kreise mit der Aussage, dass GBL auf dem Börsengang seiner Bertelsmann-Anteile (25,1 %) bestehen werden. Bertelsmann könne dies auch nicht verhindern.

Frère, der einst als Schrotthändler begann und heute zu den einflussreichsten Medienmanagern Europas zählt, erhielt die Beteiligung durch den Verkauf seiner 30-prozentigen RTL-Beteiligung. Von den Finanzmärkten wurde das Geschäft den RTL-Anteil gegen eine Beteiligung an Bertelsmann zu tauschen, seinerzeit als "phantastischer Deal für Frère und seiner GBL" gefeiert.

Bertelsmanns Aufsichtsratschef Gerd Schulte-Hillen sagte in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag", dazu, der Aufsichtsrat sei bei der Verkaufsentscheidung "bedenklich spät" eingeschaltet worden. Letztlich habe man sich mit Thomas Middelhoff nicht einigen können, wie ein "zeitgemäße Zusammenarbeit" von Vorstand und Aufsichtsrat aussehen solle. Aufsichtsräte, so Schulte-Hillen, hätten die Pflicht, sich ein unabhängiges Bild von der Lage eines Unternehmens zu machen und auch bei Projekten des Vorstands intensiv nachzufragen. Damit legt er offenbar auch auch die Marschrichtung für das Verhältnis zum neuen Vorstand fest.

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