Weiter Rezession in den USA befürchtet
Ernüchterung an den Finanzmärkten

Nach dem Kursfeuerwerk vom Vortag hat an Europas Finanzmärkten am Donnerstag Ernüchterung geherrscht. Der Euro und die meisten Aktienindizes gaben wieder leicht nach, nachdem sie am Vortag wegen der überraschenden US-Leitzinssenkung noch rund um den Globus teilweise deutliche Zuwächse erzielt hatten.

afp LONDON/FRANKFURT. Frankreichs sozialistischer Finanzminister Laurent Fabius und zahlreiche deutsche Topmanager sprachen sich dafür aus, dass nach der US-Notenbank Fed auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen absenkt.

Analysten sahen Gewinnmitnahmen nach dem mittwöchlichen Kursanstieg und warnten vor einer Rezessionsgefahr in den USA. Die Fed hatte ihre Leitzinsen mit Blick auf die schwächelnde US-Konjunktur erneut um einen halben Punkt vermindert; damit liegt der maßgebliche Satz in den Vereinigten Staaten erstmals unter dem Zinsniveau in der Euro-Zone.

An den Aktienbörsen in Frankfurt am Main, London und Paris standen die Indizes DAX 30, FTSE-100 und CAC 40 zunächst im Minus; am Nachmittag drehte der DAX der 30 wichtigsten deutschen Standardwerten leicht ins Plus.

Der Euro-Zonen-Index Dow Jones Euro Stoxx 50 gab 0,9 Prozent nach, bevor sich die Kursverluste begrenzten. Der Nemax 50 als Leitindex des Neuen Marktes in Frankfurt am Main notierte nach ersten Verlusten weitgehend unverändert, nachdem er am Mittwoch noch einen spektakulären Sprung um fast 13 Prozent gemacht hatte.

Fabius sprach sich erneut indirekt für eine Zinssenkung auch der EZB aus. Im französischen Wochenblatt "Le Revenu" verwies der sozialistische Politiker auf das langsamere Wirtschaftswachstum in Europa. Der Pariser Finanzminister betonte, er unterstütze die Unabhängigkeit der EZB. Mehrere Euro-Hüter hätten aber darauf verwiesen, dass sich der Inflationsdruck zunehmend verringere. "Daraus zieht jeder seine Konsequenzen."

Deutsche Topmanager für eine Zinssenkung

Bei einer Umfrage des "Handelsblatts" (Freitagsausgabe) unter deutschen Topmanagern sprachen sich im April 64 Prozent dafür aus, dass die EZB unter ihrem Chef Wim Duisenberg die Leitzinsen senkt. Nur noch 33 Prozent waren dafür, die Zinsen unverändert zu lassen. Fast zwei Drittel sagten, Duisenberg solle seine volle Amtszeit von acht Jahren ableisten und den Posten nicht vorzeitig abgeben. Im März war noch eine knappe Mehrheit der vom Institut Psephos für das "Handelsblatt" Befragten dafür gewesen, den maßgeblichen EZB-Zinssatz bei 4,75 Prozent zu belassen. In den USA liegt der wichtigste Zins mit der jüngsten Senkung bei 4,5 Prozent.

Der Londoner Commerzbank-Aktienstratege Michael O'Sullivan betonte, volkswirtschaftlich werde die US-Leitzinssenkung erst gegen Jahresende wirken; gefühlsmäßig habe der Schritt aber eine unmittelbare Auswirkung. "Die Leute sind immer noch sehr vorsichtig", betonte O'Sullivan. Viele Anleger nutzten die gestiegenen Aktienpreise jetzt zum gewinnbringenden Verkauf.

Der Chefvolkswirt der Großbank HSBC, Stephen King, warnte vor einer regelrechten Rezession in den USA. Es drohten "noch viel mehr schlechte Nachrichten - dies war nur der Anfang". Die Aktienmärkte hätten zwar allmählich einen Bodensatz erreicht; der Kursverfall vor allem bei Technologiewerten sei aber so enorm gewesen, dass davon sowohl Investitionen als auch der private Konsum getroffen würden.

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